Bien Logo

Löwe-Saison: Warum uns dieser Sommermonat auffordert, sichtbar zu werden

Elizabeth Szabo4 Min. Lesezeit
Teilen:
Löwe-Saison: Warum uns dieser Sommermonat auffordert, sichtbar zu werden — Esoterik
In diesem Artikel

Es gibt eine Sorte Frau, die auf jeder Feier die Musik auswählt, die Gastgeberin umarmt, laut lacht und beim Abschied das Gefühl hinterlässt, der Abend habe irgendwie um sie herum stattgefunden. Und es gibt die andere Sorte, die den Abend organisiert hat, die Gläser nachgefüllt, den Kuchen mitgebracht und am Ende in der Küche abgetrocknet hat. Die astrologische Löwe-Saison – die Wochen zwischen Ende Juli und Ende August – ist eine Aufforderung an die zweite Gruppe. Nicht, laut zu werden. Sondern aufzuhören, sich klein zu machen.

Was der Löwe symbolisch will

In der astrologischen Bildsprache steht der Löwe für Herz, Wärme, Großzügigkeit und für die Fähigkeit, sich zu zeigen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Es ist ein Zeichen, das mit der Sonne verbunden ist, mit Mittagslicht, mit Bühne. Man muss an Sternzeichen nicht als Prognose glauben, um mit diesem Symbol arbeiten zu können. Bilder sind Werkzeuge: Sie geben einer diffusen Unruhe eine Form. Und die Unruhe, die viele von uns im August spüren, hat oft genau diese Form – die Ahnung, dass man in seinem eigenen Leben ein bisschen zu bescheiden auftritt.

Interessant ist, dass diese Saison mitten in die Ferien fällt. Wir sind ohnehin in einem Zustand, in dem Rollen sich lockern: kein voller Kalender, weniger Zuständigkeiten, andere Kleidung, mehr Haut, mehr Abende draußen. Das ist ein guter Moment, um zu prüfen, welche der Rollen wir eigentlich freiwillig tragen.

Sichtbarkeit ist nicht dasselbe wie Selbstdarstellung

Viele Frauen zucken zusammen, wenn von Sichtbarkeit die Rede ist, weil sie an Selbstvermarktung denken, an Fotos, an ein Auftreten, das sich anstrengend anfühlt. Aber Sichtbarkeit im Löwe-Sinn ist eher schlicht: Man sagt, was man gemacht hat. Man beansprucht seinen Anteil. Man erzählt in einem Gespräch von der eigenen Woche, statt nur nachzufragen. Man sitzt nicht am Rand des Tisches, weil dort ohnehin der Platz für die Zuständigen ist.

Es gibt kleine, sehr konkrete Übungen dafür. Bedanke dich für ein Kompliment, ohne es zu relativieren – kein „ach, das ist uralt“, kein „ich sehe furchtbar aus“. Nimm im Kollegenkreis dein eigenes Projekt in die Hand, wenn darüber gesprochen wird, statt es dem Team zuzuschreiben, das nur zur Hälfte beteiligt war. Erzähle einer Freundin von etwas, auf das du stolz bist, ohne einen Witz hinterherzuschicken. Das ist unspektakulär und ziemlich unangenehm, und genau daran erkennt man, dass es wirkt.

Die Kehrseite: Applaus als Bedingung

Jedes Symbol hat einen Schatten, und der des Löwen ist die Abhängigkeit vom Applaus. Wenn Sichtbarkeit nur dann gut ist, wenn sie sofort bestätigt wird, entsteht ein neues Gefängnis. Man richtet den Urlaub nach dem Foto ein, das Abendessen nach dem Tisch, die Meinung nach der Reaktion. Die reifere Lesart dieser Saison ist deshalb eine doppelte: sich zeigen – und es aushalten, wenn niemand klatscht.

Dazu gehört auch Großzügigkeit ohne Buchhaltung. Der Löwe steht traditionell für Wärme, die verschenkt wird, nicht für Wärme, die aufgerechnet wird. Wer im August ein Fest ausrichtet, Nachbarn einlädt, einen Menschen ausdrücklich lobt, weil er es verdient hat, arbeitet mit demselben Symbol wie die, die sich in die Mitte stellt.

Wann genau ist die Löwe-Saison?

Astrologisch dauert die Löwe-Zeit etwa von der letzten Juli-Woche bis zur letzten August-Woche, mit Übergängen von einem Tag je nach Jahr. Wichtiger als das exakte Datum ist die Qualität dieser Wochen: Hochsommer, Ferien, langes Licht am Abend – eine Phase, in der man traditionell nach außen lebt und nicht nach innen.

Was bedeutet die Löwe-Saison, wenn ich kein Löwe bin?

In der astrologischen Logik durchläuft die Sonne jedes Jahr alle Zeichen, also betrifft diese Phase alle – nicht nur die im Löwen Geborenen. Für Menschen mit vorsichtiger, zurückhaltender Grundhaltung ist sie sogar oft ertragreicher, weil sie zu einer Bewegung einlädt, die im Alltag ohnehin nicht vorkommt: einmal mehr Raum nehmen, als man gewohnt ist, und schauen, was passiert.

Über die Autorin

Elizabeth Szabo

Elizabeth Szabó schreibt an der Schnittstelle von Tierkreis, Beziehungen und Alltagskultur — das, worüber man beim Brunch lästert und dann heimlich im Bus googelt. Ihre Texte sind warm, ein bisschen eigensinnig und enden immer mit etwas, das man wirklich mitnehmen kann.