Unser Name begleitet uns ein Leben lang – ob wir wollen oder nicht. Doch was, wenn man sich mit dem eigenen Vornamen nie wirklich angefreundet hat? Diese zehn Menschen kennen das Gefühl nur zu gut. Ihre Geschichten sind ehrlich, manchmal komisch, manchmal schmerzhaft – und erstaunlich vertraut.
Pálma
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wo alle Kinder schöne, klassische ungarische Namen trugen. Meine Familie war voll von Márías, Erzsébets und Rózas. Bis heute weiß ich nicht, woher meine Eltern die Inspiration nahmen – wenn ich sie fragte, zuckten sie nur mit den Schultern – aber sie nannten mich Pálma. Ja, das ist mein Vorname. Ich weiß immer noch nicht, was ich damit anfangen soll. Ändern werde ich ihn trotzdem nicht, denn das würde meine Mutter nicht überleben.
Klein, aber scharf – Bors
Mein Bruder heißt Örs, ich heiße Bors. Ja: Bors. Das ist ein ungarischer Männername – und niemand glaubt mir, wenn ich mich vorstelle. Die Reaktionen reichen von ungläubigem Lachen bis zu höflicher Verwirrung. Beides ist gleich anstrengend.
Kreativ gemeint
Meine Eltern haben jahrelang versucht, ein Kind zu bekommen. Als ich endlich da war, dachten sie sich – auf äußerst originelle Weise – den Namen Ajándék aus, was auf Ungarisch „Geschenk" bedeutet. Familie und Freunde nennen mich Csöpi, meine Eltern „mein Kleines". Niemand ruft mich je beim richtigen Namen. Gott sei Dank.
Jolán in den Neunzigern
Ich bin in den Neunzigern geboren, als Eltern ihren Kindern moderne Namen gaben – Sandi, Mónika, Ági. Und ich? Ich wurde Jolán. Ich habe meinen Namen mein ganzes Leben lang gehasst. Und die Koseform „Jolika"? Die höre ich bis heute nicht ohne innerlich zusammenzuzucken.
Kajetán – und die ewige Erklärung
Mein Name ist Kajetán. Noch nie hat ihn jemand auf Anhieb gekannt. Ein großer Teil meines Lebens besteht darin, meinen eigenen Namen zu erklären: „Die lateinische Form ist Gaetanus, es bedeutet: Mann aus der Stadt Gaeta." Diesen Satz habe ich schon tausendmal gesagt. Das Frustrierendste daran? Mein älterer Bruder heißt Peti, mein jüngerer Zoli. Die haben ganz normale Namen bekommen. Nur ich habe diesen Albtraum gewonnen.
Gizella – benannt nach der Tante
Ich weiß bis heute nicht, warum meine Eltern es für eine gute Idee hielten, mich nach meiner Tante zu benennen. Aber so wurde ich Gizella. Im Stadtviertel, in dem ich aufwuchs, hörte ich mein ganzes Leben lang, wie „bäuerlich" mein Name klinge. Die Spitznamen, die man mir gab, waren nicht besser – „Gazella" zum Beispiel. Als Teenager glaubten Jungs oft, ich würde lügen, wenn ich sagte, ich heiße Gizi. Eine Freundin versuchte mich zu trösten: Auch das Supermodel Gisele Bündchen sei im Grunde eine Gizi. Es half nicht wirklich. Und dann war da noch der Ex-Freund, der mich nur „G-Punkt" nannte.
Ernő – oder besser: Teknőc
Nach meinem Vater und meinem Großvater wurde ich – leider – ebenfalls Ernő. Als Kind war eine Zeichentrickserie mit einer Figur namens „Teknőc Ernő" sehr beliebt, und so nannte mich bald jeder nur noch Teknőc – Schildkröte. Der Spitzname blieb so hartnäckig, dass ihn irgendwann sogar die Lehrer benutzten. War mir das lieber als Ernő? Ehrlich gesagt: ja. Bis heute stelle ich mich vor als Kovács Ernő – aber ruf mich einfach Teknőc.
Kármen Eszmerálda
Meine Mutter ist eine durch und durch romantische Seele. Wie sie meinen pragmatischen Vater dazu gebracht hat, meinem Namen zuzustimmen, werde ich nie verstehen. Mein Name ist Carmen Esmeralda – aber da damals „exotische" Namen nur in phonetischer Schreibweise zugelassen waren, musste ich bis weit in meine Zwanziger hinein schreiben: Kármen Eszmerálda. Schrecklich. Und bis heute klingt es wie eine brasilianische Telenovela.
Gyopárka
Ich heiße Gyopárka – das ist mein offizieller Vorname. Die Familie nennt mich Gyopár, Freunde sagen Gyopi. Wenn jemand etwas Liebenswertes an meinem Namen entdeckt, soll er es mir bitte sagen – ich selbst habe noch nichts gefunden. Ich wollte immer Vanessza heißen. So elegant, so feminin. Stattdessen: Gyopár.
Béla – und der Neuanfang
Ich wurde Béla genannt, genau wie mein Vater. Der Name allein war schon kein Glücksgriff – als Kind wurde ich von Mitschülern ständig damit gehänselt. Aber das hätte ich noch verkraftet. Was ich nicht akzeptieren konnte: denselben Namen zu tragen wie mein Vater, der mit Abstand der erbärmlichste Mensch war, den ich je kannte. Kaum war ich 18, änderte ich meinen Namen in den meines Großvaters mütterlicherseits. Seitdem heiße ich András – und fühle mich zum ersten Mal wirklich so, als würde der Name zu mir gehören.











