In den letzten Jahren erleben Online-Kurse eine echte Renaissance. Während der Pandemie haben viele von uns erlebt, wie es ist, quasi im Wohnzimmer „Schule zu haben“, und für manche war das sogar richtig praktisch.
Ich zum Beispiel habe es geliebt, nicht ins Auto steigen, nicht reisen oder einen Parkplatz suchen zu müssen – oder einfach nicht hetzen zu müssen. Ich setzte mich einfach mit einer Tasse Tee an meinen Laptop und der Kurs konnte starten. Als meine Tochter noch klein war, schien das die einzige Lösung für Weiterbildungen zu sein, und ich war wirklich dankbar für diese Möglichkeit.
Das Beste daran war, dass ich die Inhalte jederzeit nochmal ansehen konnte. Gold wert, wenn etwas dazwischenkam und ich nichts verpasst habe. Ich konnte die Aufnahmen einfach erneut hören – beim Spaziergang mit dem Kinderwagen oder beim Kochen – so wurde Lernen ein fester Teil meines Alltags, ohne dass ich extra Zeit einplanen musste. Außerdem öffnete das Online-Format Türen zu Lehrenden, zu denen ich sonst wohl nie gekommen wäre.
Wenn neben Begeisterung auch Zweifel aufkommen
Manchmal ertappe ich mich dabei, wie mein Cursor schon wieder über dem „Anmelden“-Button schwebt. Doch dann meldet sich die andere Stimme in mir: „Brauche ich das jetzt wirklich?“
Gerade stehe ich genau an diesem Punkt: Ich habe einen vielversprechenden neuen Kurs entdeckt und überlege ehrlich, ob ich mich anmelden soll. Das Thema passt perfekt zu mir, doch da es ein ganz neuer Kurs ist, gibt es kaum echte Bewertungen. Abgesehen von der eigenen Werbung gibt es nur ein paar anonyme (offensichtlich negative) Kommentare, aus denen man wenig Schlüsse ziehen kann. Die Veranstalter bieten übrigens auch Ratenzahlung an, und wenn ich nach der ersten Einheit doch abspringe, bekomme ich die gezahlte Rate zurück. Alles spricht dafür, dass ich es wagen sollte. Und trotzdem schwirrt diese eine Frage in meinem Kopf:

Lohnt sich die Investition?
Brauche ich diesen Kurs wirklich? Oder könnte ich das gleiche Wissen auch mit ein paar sorgfältig ausgewählten Büchern erreichen? Schaffe ich es, mich – wie früher in der Uni – an dicke Lehrbücher zu setzen, selbstständig Notizen zu machen und zu lernen?
Auf der anderen Seite kostet ein Kurs heute leicht mehrere hundert Euro, während man für einen Bruchteil davon viel aus Büchern lernen kann – allerdings bekommt man dafür keine Zertifikate oder Abschlüsse. Und hier liegt mein eigentliches Dilemma: Ich kann kaum beziffern, ob mir die Kurse oder die Bücher danach mehr gebracht haben. Ich weiß selbst nicht mehr genau, wie viel ich von jedem genutzt habe. Sicher ist: Beides hat mir etwas gegeben. Aber ist wirklich jeder neue Kurs unverzichtbar für meine Entwicklung?
Klar, es ist nicht dasselbe, ein Buch zu lesen oder einem Experten zuzuhören. Bücher sind still. Sie stellen keine Fragen zurück, lächeln nicht vom Bildschirm und schicken keine motivierenden Mails, wenn man mal nicht mitkommt. Ein guter Lehrer zeigt den Weg, teilt Erfahrungen, man kann Fragen stellen und oft bringt er Erkenntnisse, die ein Buch nie liefern könnte. Interaktion, persönliches Feedback und eine inspirierende Atmosphäre sind wirklich wertvoll. Aber die Realität ist: Ein Kurs kostet Geld, Zeit, Energie und bedeutet eine Verpflichtung für Monate oder Jahre – und das alles neben Familie und Job.
Vielleicht zählt weniger die Form des Wissens als das Ziel
Ich spüre immer mehr, dass es nicht so sehr darum geht, wie ich lerne, sondern warum. Nicht die Frage, ob der Kurs oder die Bücher der bessere Weg sind, steht im Vordergrund, sondern warum ich überhaupt lernen möchte. Wenn ich mich nur anmelde, weil ich „das auch noch können sollte“ oder Angst habe, etwas Spannendes zu verpassen, wird meine Begeisterung schnell verfliegen (aus Erfahrung). Wenn mich aber wirklich etwas innerlich bewegt, ich spüre, dass es genau für mich ist und ich klar vor Augen habe, wie ich das Wissen nutzen werde, dann gibt es kaum Zweifel. Aus dieser Perspektive ist es egal, ob es ein Kurs oder ein Buch ist. Vielleicht bedeutet Entwicklung nicht, ständig neue Infos zu sammeln, sondern sich in dem zu vertiefen und zu stärken, was man schon weiß.
Jetzt, wo ich das so aufgeschrieben habe, habe ich vielleicht schon meine Antwort. Vielleicht muss ich mich nicht zwischen Kurs und Buch entscheiden, sondern einfach klären, was ich wirklich will. Weiterentwickeln oder vertiefen? Warten oder handeln? Neues lernen oder das bereits Gelernte integrieren?
Vielleicht ist jetzt nicht der Moment, mich für den nächsten Kurs anzumelden oder Bücher zu bestellen, sondern einfach zu mir selbst zurückzukehren. Denn manchmal geht die größte Lernerfahrung nicht ums Neue, sondern darum, endlich die eigenen Antworten zu hören.











