Bien Logo

„Meine Schwiegermutter stichelt, mein Onkel politisiert lautstark." – Welcher private Klassiker steht bei dir auf dem toxischen Familien-Bingo?

Angela Fischer5 Min. Lesezeit
Teilen:
„Meine Schwiegermutter stichelt, mein Onkel politisiert lautstark." – Welcher private Klassiker steht bei dir auf dem toxischen Familien-Bingo? — Familie
In diesem Artikel

Jedes Familientreffen hat seine „wiederkehrenden Motive“, mit denen sich die Verwandten gegenseitig auf die Palme bringen.

Der Familientisch

Mein Verlobter und ich spielen wirklich oft Familien-Bingo bei uns und bei ihnen, denn keine unserer Familien ist besser. Bingo, wenn ein Teenager-Neffe während des Essens das Handy zückt und seine Mutter ihn deswegen anschreit. Bingo, wenn eine Verwandte ihrem kleinen Hund albern gurrt. Bingo, wenn jemand dieselbe Geschichte zweimal erzählt. Bingo, wenn jemand rülpst und sich nicht entschuldigt. Tratsch über den Nachbarn Feri, die Nagelfee Zita, den Automechaniker Zoli oder den Metzger Imi. (Extra Bingo, wenn niemand weiß, wer gemeint ist.) Bingo, wenn eine Ehefrau jammert, dass ihr Mann nichts tut, und der Mann sich beschwert, dass seine Frau ständig nörgelt. Einmal habe ich mich so erwischt und laut gerufen: „BINGO!“ Alle starrten mich an, während mein Freund sich vor Lachen kaum halten konnte.

Abgehakt

Die Szenen, die ich bei jedem Familienfest abhaken kann: Meine Mutter vergleicht jemanden mit mir. Entweder mit der Nachbarin Zsuzsa, die mehr verdient als ich, oder der Friseurin Betti, die einen richtig hübschen neuen Freund hat, oder einem Star, der kürzlich abgenommen hat und schlanker ist als ich. Dann mein Vater, der einen furchtbar sexistischen, homophoben oder rassistischen Witz macht, über den außer ihm niemand lacht. Danach kommt meine Tante, die garantiert wegen irgendetwas beleidigt ist (egal was!) und schluchzend ins Bad verschwindet. Wenn das alles abgehakt ist, endet die Party immer damit, dass mein Schwager so betrunken ist, dass er schwankt und von drei Leuten ins Auto gesetzt wird, um nach Hause gebracht zu werden.

Porträt eines rothaarigen Mädchens

Phasen

Mein Mann war der erste – und einzige – Typ, den ich mit nach Hause genommen habe, weil ich niemanden meiner Familie aussetzen wollte, außer dem, von dem ich wusste, dass er der Richtige ist. Auf der Fahrt habe ich ihm grob die zu erwartenden Phasen erklärt. Zuerst lächelt jeder und alle sind charmant. Dann beginnen die heimlichen Streitigkeiten untereinander, und nach einer Weile schreit jeder offen den anderen an – aber das soll ihn nicht überraschen. Er war zuerst etwas geschockt, als mein Großvater meinem Schwager zurief: „Ich bring dich um, du Mistkerl!“ Doch als er sah, dass niemand darauf reagierte, beruhigte er sich auch. Am nächsten Tag erzählte er seinen Freunden, dass wir so eine italienisch angehauchte Familie sind, in der Morddrohungen zum Alltag gehören.

Sticheleien

Bei uns gibt es nie laute Streitereien, nur spitze Bemerkungen und unterschwellige Sticheleien. „Marcsikám, bist du sicher, dass der Salat frisch ist? Man schmeckt das typische Tiefkühlaroma…“ „Petikém, wie läuft’s mit deinem Sohn? Hat er schon einen Job oder sucht er noch sich selbst?“ „Nórikám, wann wurde das Bad eigentlich renoviert…?“ „Ich will ja nicht reinreden, Pirikém, aber ein Geisteswissenschaftsstudium? Das macht doch keinen Sinn!“ „Bercikém, bist du immer noch bei der Firma, wo du so wenig verdienst?“ „Annuska, wann heiratest du endlich, damit du nicht ewig Single bleibst!“ „Borikám, das wirst du erst verstehen, wenn du selbst Mutter bist...“ Kein Treffen vergeht ohne, dass sich jemand verletzt fühlt. Das ist emotional anstrengend, aber so war es schon immer.

Porträt einer lächelnden Frau

Das Drehbuch

Bei meinem Mann läuft bei jedem Treffen eine Tragikomödie ab, nur die Bühne fehlt. Im ersten Akt spielt meine Schwiegermutter die ewige Märtyrerin:

Dann war ich also wohl eine schlechte Mutter, macht nichts, ich sterbe bald, ihr müsst mich nicht mehr lange ertragen!

Schwiegermutter ab nach links, dann kommt der Schwiegervater, der anfängt zu politisieren und so lange seine Meinung kundtut, bis er mit schäumendem Mund tobt: „Wegen solchen Leuten steht dieses Land da, wo es steht!“ Schwiegervater ab nach rechts, dann kommt meine Schwägerin mit ihrem üblichen Gejammer, denn sie sieht immer das Weltuntergangsszenario: „Die Impfungen verursachen Krebs, im Essen ist Gift, sie implantieren uns Chips, ein Asteroid rast auf uns zu, die Erde wird zur Wüste, die Inflation explodiert, wir verhungern!“ Das Finale liefert mein Mann, der eine peinliche Geschichte auspackt, an die sich keiner erinnern will: „Erinnert ihr euch, als Oma das Enkelkind auf den Kopf fallen ließ? Als Papa mich ins Wasser warf und ich fast ertrank? Als Mama die Weihnachtsente so verbrannte, dass wir nur Beilagen aßen? Als das Kind bei der Taufe in die Hose machte?“ Bingo, Vorhang zu.

Der Streit

Ein unverzichtbarer Teil von Garten-Grillfesten und Kesselgulasch-Runden ist, dass mein Vater, mein Onkel, mein großer Bruder und mein kleiner Bruder sich darüber streiten, wie lange und wie man das Fleisch grillen, salzen, rösten und würzen soll. Alle vier Männer halten sich für Gastro-Orakel, und es gibt jedes Mal laute Diskussionen ums Fleisch. Am Ende geht die Sache natürlich unter vielen Köchen verloren, und meine Mutter oder Oma salzen oder würzen nach, damit das Essen wirklich schmeckt. Bingo, wenn nach dem Essen jeder männliche Verwandte sagt, dass es wegen ihm so lecker geworden ist – und wenn ein Kind weint, weil es zu scharf ist.

Passende Artikel

„Meine Brüder tauschten gelegentlich die Frauen" – Die peinlichsten Familiendramen, die wirklich passiert sind — Familie

„Meine Brüder tauschten gelegentlich die Frauen" – Die peinlichsten Familiendramen, die wirklich passiert sind

Normale Familienkonflikte kennt jeder – aber diese Geschichten sind so unfassbar, dass man am liebsten im Boden versinken würde.

Angela Fischer
„Ich habe gebettelt, gedroht, erpresst – nur damit sie abtreibt" – Männer, die niemals Väter werden wollten — Familie

„Ich habe gebettelt, gedroht, erpresst – nur damit sie abtreibt" – Männer, die niemals Väter werden wollten

Nicht jeder Mann träumt von einer Familie – viele werden einfach hineingezogen. Diese erschütternden Bekenntnisse zeigen, was passiert, wenn Vaterschaft erzwungen wird.

Angela Fischer
„Mein Vater sagte, sie wollten sich scheiden lassen – aber dann kam ich." Geschichten ungeplanter Kinder — Familie

„Mein Vater sagte, sie wollten sich scheiden lassen – aber dann kam ich." Geschichten ungeplanter Kinder

Zu erfahren, dass man von den eigenen Eltern nicht gewollt war, hinterlässt tiefe Spuren. Diese Menschen haben ihre Geschichte geteilt.

Angela Fischer
Urlaub mit den Eltern? Niemals wieder! – Wie aus einem Albtraum doch noch eine unvergessliche Familienreise wurde — Familie

Urlaub mit den Eltern? Niemals wieder! – Wie aus einem Albtraum doch noch eine unvergessliche Familienreise wurde

Nach einem missglückten Familienurlaub schwört man, nie wieder gemeinsam zu verreisen. Doch das Leben bringt Wendungen – und plötzlich bucht man wieder Apartments für alle.

Elisabeth Müller
Wie verhält man sich als Gast auf einer Hochzeit, die man für einen Fehler hält? — Familie

Wie verhält man sich als Gast auf einer Hochzeit, die man für einen Fehler hält?

Eine Freundin wurde zu einer Hochzeit eingeladen, die sie für eine falsche Entscheidung hält. Was tun – hingehen oder fernbleiben? Ein Rat, der mehr bewirkt als man denkt.

Barbara Weber
Spielzeugwaffen für Kinder – ist das wirklich ein Problem? Die Antwort ist komplizierter als gedacht — Familie

Spielzeugwaffen für Kinder – ist das wirklich ein Problem? Die Antwort ist komplizierter als gedacht

Spielzeugpistolen und Schwerter spalten Eltern. Machen sie Kinder aggressiver – oder sind sie einfach Teil des Aufwachsens? Ein ehrlicher Blick auf die Frage.

Barbara Weber