Viele Frauen erleben mit Mitte dreißig eine neue Blütezeit.
Die Kraft der Worte
Für mich war die größte Veränderung, endlich „Nein“ sagen zu lernen. „Nein ist ein vollständiger Satz.“ Dieses kleine Wort hat meine Lebensqualität enorm verbessert – ein echtes Zauberwort! Als ich das einer Kollegin begeistert erzählte, meinte sie, ich solle es nicht vergessen, denn sie hatte es in ihren Fünfzigern wieder verlernt.
Der Körper
Meine Tante hat recht: Für mich war das die Zeit, in der ich meinen Körper endlich akzeptierte. Ich habe eingesehen, dass keine Diät meine breiten Hüften verändert und meine Brüste nicht größer werden, aber ich begann, meine Birnenform sexy zu finden. Ich wusste, was mir steht, kleidete mich vorteilhaft und fühlte mich endlich wohl in meiner Haut.
Finanzen
Mein echtes Leben begann, als ich keine täglichen Geldsorgen mehr hatte. Mit 36 konnte ich zum ersten Mal sagen, dass ich nicht mehr zur Miete wohne, sondern in meiner eigenen Wohnung, deren Kredit ich bequem abbezahlen kann. Ich hatte einen festen Job und verdiente endlich gut. Zum ersten Mal musste ich nicht mehr nach Sonderangeboten jagen, konnte mir einen Urlaub leisten und hatte genug Geld auf dem Konto, um keine Angst vor kaputten Geräten wie der Waschmaschine zu haben.
Das Treffen
Mit 38 traf ich meinen Mann, als ich die Hoffnung auf Liebe und Ehe schon aufgegeben hatte.
Der Sinn des Lebens
Das trifft auf mich zu, denn mein Sohn wurde geboren, als ich 37 war. Völlig unerwartet, obwohl die Ärzte sagten, ich könne auf natürlichem Weg kein Kind bekommen. Es hat unser Leben komplett auf den Kopf gestellt, aber ich sage: Er kam genau zur richtigen Zeit, und ich würde nichts anders machen.
Selbstständig
Davor habe ich in miserablen Jobs unter schrecklichen Chefs gelitten. Mit 36 habe ich gekündigt, alles auf eine Karte gesetzt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Ich war nie glücklicher, alles fiel an seinen Platz.
Zweite Jugend
Da ich sehr jung – mit 20 und 23 – Kinder bekam, war das Ende meiner Dreißiger die Zeit, in der meine Kinder mich nicht mehr so dringend brauchten und ich mich selbst wiederentdecken konnte. Meine Freunde bedauerten mich damals, weil ich meine Zwanziger mit Kindererziehung verbracht hatte, während sie mit Anfang vierzig mit kleinen Kindern kämpfen. Ich hatte in jungen Jahren mehr Energie und bin immer noch jung genug, um alles anzupacken. Deshalb finde ich, es ist gut so, wie es gekommen ist.
Unabhängigkeit
Mit genau 36 verließ ich meinen nutzlosen Mann, mit dem ich 16 Jahre zusammen war. So kann ich sagen: Mein Leben begann wirklich erst dann. Davor war ich depressiv, litt und hatte nur Probleme. Nach der Trennung schien die Sonne wieder für mich.
Die Diagnose
Endlich wurde bei mir Endometriose diagnostiziert. Warum nicht früher, lassen wir mal beiseite – freuen wir uns, dass ich endlich Klarheit habe. Bis dahin galt ich in der Familie als „Weichei“, das bei der Periode Theater macht. Meine Ex-Partner wunderten sich, warum ich das so übertreibe, und auch am Arbeitsplatz wurde ich schief angeschaut, weil ich an solchen Tagen zwei Tage nicht arbeiten konnte. Ich sage nicht, dass jetzt alles perfekt ist, aber ich weiß endlich, was los ist, was mit mir passiert und dass ich kein Weichei bin – das bedeutet mir viel.
Männer
Meine Zwanziger und den Anfang der Dreißiger habe ich voller Angst verbracht, weil ich mir einen Ehemann, eine gute Beziehung und die Anerkennung von Männern wünschte. Heute interessiert mich nichts davon mehr, und ich lache darüber, wie sehr ich mir früher darüber den Kopf zerbrochen habe.











