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„Neben meinem Mann fühle ich mich trotzdem einsam" – wenn es allein sein besser wäre

Váradi Petra5 Min. Lesezeit
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„Neben meinem Mann fühle ich mich trotzdem einsam" – wenn es allein sein besser wäre — Lebensstil
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Wir saßen am Küchentisch, zwischen uns eine Schüssel Pommes, er scrollte auf seinem Handy, und ich fragte mich, wann wir uns zuletzt wirklich angeschaut hatten – nicht nur nebeneinander gesessen. Kein Streit. Kein lautes Wort. Nur Stille. Und nicht die angenehme Stille, die ich früher an uns geliebt hatte.

Wir waren acht Jahre zusammen, davon fünf verheiratet. Am Anfang erzählten wir uns jeden Abend von unserem Tag – selbst wenn nichts Besonderes passiert war. Ich erinnere mich, wie ich ihm einmal zwanzig Minuten lang von einer blöden Warteschlange im Supermarkt berichtet habe, und er hörte zu, als wäre es die wichtigste Neuigkeit der Welt. Dann hörte diese Art von Aufmerksamkeit irgendwann auf – und ich merkte nicht einmal, wann genau.

Wenn die Gleichgültigkeit langsam einzieht

Ich redete mir ein, das sei eben das Erwachsenenleben. Dass Arbeit, Rechnungen und der tägliche Trott die Energie auffressen, die wir früher füreinander hatten. Ich rechtfertigte es vor mir selbst: Er ist müde, er hatte einen schweren Tag, ich soll nicht überreagieren, wenn er lieber seine Serie schaut, als zu fragen, wie es mir geht. Einmal lag ich mit Grippe im Bett, und er rief aus dem Wohnzimmer, ob ich etwas brauche – ohne auch nur aufzustehen und reinzukommen. Auch darüber bin ich damals hinweggegangen.

Der Moment, in dem du merkst, dass du allein bist – obwohl er da ist

Es gab keinen großen dramatischen Wendepunkt, kein knallendes Finale. Es war ein Freitagabend beim Abendessen mit Freundinnen. Jemand fragte, wie es bei uns läuft. Ich antwortete automatisch: „Gut, alles in Ordnung" – und verstummte dann, weil ich selbst gehört hatte, wie hohl meine Stimme klang.

Mir wurde klar: Es schmerzt nicht, abends allein zu sein. Es schmerzt, allein zu sein, während er direkt neben mir auf dem Sofa sitzt.

Auf der Heimfahrt weinte ich im Auto, dabei war an diesem Abend nichts Konkretes passiert. Ich hatte nur endlich ausgesprochen, was ich schon wochenlang umkreist hatte. Zu Hause schlief er bereits, der Fernseher lief noch, das Licht fiel auf sein Gesicht – und ich stand in der Tür, sah ihn an und hatte das Gefühl, dass ein Fremder neben meinem Mann schläft.

Anwesenheit und Nähe sind nicht dasselbe

Ich versuchte, mit ihm darüber zu reden. An einem Sonntagmorgen beim Kaffee sagte ich ihm, dass ich seine Aufmerksamkeit vermisse, dass ich mir wünsche, dass er Fragen stellt, nicht nur nickt. Er sagte, er verstehe nicht, was das Problem sei – er sei doch da, gehe nicht weg, betrüge mich nicht, komme jeden Abend nach Hause. Er hatte recht, wenn man es an Treue misst. Aber ich sprach nicht von Untreue. Ich sprach davon, dass seine Anwesenheit und seine Nähe zwei verschiedene Dinge sind.

Einen Monat lang versuchten wir, abends gemeinsam spazieren zu gehen – einfach um Zeit zum Reden zu haben. Die ersten Male fanden wir tatsächlich diese alte Leichtigkeit wieder. Dann glitten wir beide langsam zurück ins Handy, zurück in die Automatismen. Ich gebe nicht nur ihm die Schuld. Auch ich wurde müde vom Versuchen, auch ich ließ die Stille irgendwann gewinnen, weil es bequemer war, als immer wieder um etwas zu bitten, das er offenbar nicht geben kann – oder will.

Wenn die Routine die Nähe nicht mehr ersetzt

Wir sind noch zusammen. Das abendliche Fernsehen gibt es noch, die gemeinsamen Frühstücke, die Routine, in der wir beide unseren Platz gefunden haben. Manchmal gibt es Abende, an denen diese alte Nähe zurückkehrt, an denen wir wirklich füreinander da sind – und dann glaube ich, dass alles gut wird. Und dann sitzen wir wieder nebeneinander, er beugt sich über sein Handy, und ich spüre genau diese Leere, die ich an jenem Freitagabend zum ersten Mal in Worte gefasst habe.

Ich weiß nicht, ob diese Art von Einsamkeit – die man neben jemandem empfindet – heilbar ist. Oder ob sie einfach ein fester Bestandteil dessen wird, was wir eine lange Beziehung nennen. Manchmal denke ich, das Problem liegt vielleicht gar nicht bei ihm, sondern daran, dass wir beide uns daran gewöhnt haben, einfach nebeneinander da zu sein – und vergessen haben, dass das nie genug war.

Ist es normal, sich in einer Beziehung einsam zu fühlen?

Ja, und es ist häufiger als viele zugeben. Das Gefühl der Einsamkeit zu zweit entsteht oft schleichend – durch nachlassende Aufmerksamkeit, fehlende Gespräche und eine Routine, die echte Nähe ersetzt. Es bedeutet nicht automatisch, dass die Beziehung gescheitert ist, aber es ist ein wichtiges Signal.

Was ist der Unterschied zwischen Anwesenheit und emotionaler Nähe?

Körperliche Anwesenheit bedeutet, im selben Raum zu sein. Emotionale Nähe bedeutet, wirklich füreinander da zu sein – zuzuhören, Anteil zu nehmen, Fragen zu stellen. Wenn nur das Erste vorhanden ist, kann sich Einsamkeit anfühlen, obwohl man nicht allein ist.

Was kann man tun, wenn man sich neben dem Partner einsam fühlt?

Der erste Schritt ist, das Gespräch zu suchen – offen und ohne Vorwürfe. Manchmal hilft es, bewusst gemeinsame Zeit einzuplanen, in der Handys wegbleiben. Wenn das Gespräch zu zweit nicht weiterführt, kann eine Paartherapie helfen, wieder eine echte Verbindung herzustellen.

Wann ist Einsamkeit in der Beziehung ein Zeichen, dass man gehen sollte?

Wenn Gespräche wiederholt ins Leere laufen, kein Veränderungswille erkennbar ist und die Einsamkeit zur Dauerbelastung wird, lohnt es sich, ehrlich zu hinterfragen, ob die Beziehung beiden noch gibt, was sie brauchen.

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