Drei Umzugskartons standen im Wohnzimmer. Und ein IKEA-Regal mit einer lockeren Schraube, das wir nie richtig zusammengebaut hatten. Das ist es, woran ich mich am klarsten erinnere – nicht an meine Tränen, nicht an sein Gesicht. Sondern daran, dass auf dem Boden eine Socke lag, und ich ernsthaft überlegte, ob sie mir gehörte oder ihm.
Vier Jahre waren wir zusammen. Kein großer Knall, kein Drama, kein Drittes im Bunde – zumindest wurde nie etwas bewiesen. Nur dieser eine Donnerstag, an dem ich von der Arbeit nach Hause kam und er in der Küche stand, im Mantel, als würde er gerade zufällig vorbeikommen. Er sagte, er denke seit Wochen darüber nach, und er wolle sich selbst nicht länger belügen. Ich stellte die Einkaufstaschen ab und dachte daran, die Milch rechtzeitig in den Kühlschrank zu räumen, bevor sie schlecht wird.
Merkwürdig, was das Gehirn sich merkt. Ich weiß nicht mehr, in welcher Reihenfolge die Sätze fielen, wann genau ich anfing zu weinen, wer sich zuerst an den Küchentisch setzte. Aber ich weiß noch, dass mich die ganze Zeit ein einziger banaler Gedanke verfolgte: Morgen muss ich arbeiten.
Als es nichts mehr zu besprechen gab
Das Einpacken dauerte zwei Wochen, weil wir zunächst glaubten, man könne besprechen, wer was mitnimmt. Dann merkten wir, dass man gar nichts besprechen kann – man kann es nur aushalten. Am letzten Abend stand er in der Tür, in der Hand eine Tasse mit abgebrochenem Henkel, die er ausgerechnet jetzt mitnehmen wollte. Und ich fragte ihn, was eigentlich jetzt mit uns sei, ob es noch irgendeine Chance gäbe, dass…
Warte nicht auf mich. Ich würde auch nicht auf dich warten, wenn es andersrum wäre.
Das war alles. Kein „Habe ich dich geliebt?", kein „Hast du etwas falsch gemacht?", kein wütender, abschließender Satz, mit dem man wenigstens etwas hätte anfangen können. Nur diese nüchterne, fast freundliche Feststellung darüber, was für ein Mensch er ist – und die stille Annahme, dass ich genauso bin wie er.
Der Satz, der sich festgesetzt hat
Tagelang kaute ich auf diesem Satz herum, während meine Freundinnen fragten, ob alles in Ordnung sei, weil ich so seltsam wirke. Ich sprach nicht davon, wie sehr mir seine Abwesenheit fehlte, nicht davon, wie leer der Küchentisch plötzlich war, an dem wir immer zu zweit gesessen hatten. Ich fragte mich nur immer wieder, ob das wirklich so einfach für ihn war – ob er sich selbst und mich so klar sehen konnte, während ich noch wochenlang dachte: Das muss ich ihm erzählen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.
Eine Woche lang schaute ich mir jeden Abend unsere gemeinsamen Fotos an, als würde ich nach Beweisen suchen, dass das, was er so leichthin gesagt hatte, nicht stimmen konnte – dass da doch mehr gewesen war. Dann kam eine andere Woche, in der mir klar wurde: Was mich vielleicht am meisten verletzte, war nicht der Satz selbst, sondern die Erkenntnis, dass er das schon lange wusste und es nicht gesagt hatte – während ich noch Pläne machte, wohin wir nächsten Frühling reisen würden.
Was ich erst später verstanden habe
Heute, wenn mir dieser Satz in den Sinn kommt, tue ich mir nicht mehr so sehr leid deswegen. Was mich beschäftigt, ist eher, wie viel ich nicht gesehen habe – oder vielleicht nicht sehen wollte, weil der gemeinsame Morgenkaffee bequemer war als die Frage, ob wir eigentlich dasselbe wollen. Die Tasse mit dem abgebrochenen Henkel suche ich manchmal noch gedanklich im Schrank – obwohl ich weiß, dass sie längst nicht mehr dort ist. Er hat sie mitgenommen. Wie alles, was wirklich ihm gehörte.











