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So lernen Kinder aus dem, was du sagst, wenn du nicht direkt mit ihnen sprichst

Schuster Borka3 Min. Lesezeit
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So lernen Kinder aus dem, was du sagst, wenn du nicht direkt mit ihnen sprichst — Familie
In diesem Artikel

Viele Eltern erleben, dass es scheint, als hätten ihre Kinder eine selektive Wahrnehmung oder würden einfach komplett ausblenden, was die Eltern sagen – selbst wenn sie sie zehnmal um etwas bitten. Doch später fragen dieselben Kinder plötzlich nach Neuigkeiten von Bekannten oder Details aus Gesprächen zwischen Erwachsenen – über Dinge, von denen wir dachten, sie hätten gar nicht zugehört, weil sie mit etwas ganz anderem beschäftigt waren.

Hinter solchen Phänomenen steckt keine Faulheit oder Unaufmerksamkeit, sondern die Tatsache, dass Kinder viel mehr aufnehmen und behalten, was nicht direkt an sie gerichtet ist, als man zunächst annimmt.

Das „Abhören“ ist in uns verankert

Studien zeigen, dass Kinder schon im Säuglingsalter anfangen, „abzuhören“: also Gespräche mitverfolgen, die nicht direkt an sie gerichtet sind. Das ist keine bloße Neugier oder Langeweile, sondern ein echter Lernmechanismus.

Durch das Zuhören können Kinder schon früh neue Wörter, Fakten und Fähigkeiten lernen, ohne direkt angesprochen oder gefragt zu werden.

Klassische Studien zeigen, dass zwei Jahre alte Kinder neue Wörter lernen können, indem Erwachsene über sie sprechen, ohne die Wörter direkt zu erklären. Dasselbe gilt für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren: Sie können Informationen und Fakten auch aus Telefongesprächen aufnehmen und lernen so nicht nur aus direkter Kommunikation.

Verletzter Junge sitzt getrennt von seiner Familie

Mehr als nur Wörter

Kinder lernen durch Zuhören nicht nur Wortschatz und Informationen. In einer Studie wurden Kinder in einen anderen Raum gebracht, während ein Erwachsener auf einem Bildschirm zeigte, wie man mit einem Gegenstand eine Klingel betätigt. Zurück im ersten Raum wiederholten die Kinder die Handlung von selbst. Das zeigt, dass sie auch Handlungen lernen können, die ihnen nicht direkt gezeigt wurden.

Diese Art des Lernens zeigt, dass Kommunikation mit Kindern nicht nur aus direkten Anweisungen besteht: Sie beobachten, verstehen und verinnerlichen alles, was sie hören – auch wenn du gerade mit jemand anderem sprichst.

Deshalb ist es wichtig, als Erwachsener bewusst darauf zu achten, wie wir sprechen, wenn Kinder in der Nähe sind.

Warum ist das für Eltern wichtig?

Wenn wir wissen, dass unsere Kinder nicht nur lernen, wenn wir direkt mit ihnen sprechen, sondern uns und andere ständig hören, müssen wir unseren Blick auf alltägliche Gespräche ändern. Unsere Unterhaltungen bleiben nicht „Erwachsenenthemen“, nur weil sie nicht für Kinder gedacht sind. Denn Kinder interpretieren, speichern und können uns später mit Details überraschen, von denen wir dachten, sie würden sie nicht verstehen oder interessieren.

Deshalb lohnt es sich, darauf zu achten, wie wir in Gegenwart der Kinder mit anderen Erwachsenen sprechen: Tonfall, Kontext und Inhalt sind Lernquellen. Aus Gesprächen über Konflikte, Spannungen oder sogar Streitigkeiten lernen Kinder nicht nur Fakten, sondern auch, wie Erwachsene mit Gefühlen, Problemen und Kommunikation umgehen.

Wenn wir dieses Wissen in unseren Alltag integrieren, können wir eine bewusstere Erziehungshaltung entwickeln. Kinder lernen nicht nur in direkten Lernsituationen – wie beim Vorlesen oder Erklären –, sondern in allen Kommunikationsmomenten um sie herum. Das bedeutet auch große Verantwortung: Die Worte und die dahinterstehende Haltung prägen die Weltanschauung, Kommunikationsmuster und Werte der Kinder.

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