Bien Logo

So ticken die heutigen Zwanzigjährigen: Keine Verantwortungslosigkeit, sondern eine neue Weltsicht

Elisabeth Müller4 Min. Lesezeit
Teilen:
So ticken die heutigen Zwanzigjährigen: Keine Verantwortungslosigkeit, sondern eine neue Weltsicht — Lebensstil

Die Welt ist längst nicht mehr dieselbe wie zu der Zeit, als unsere Eltern ihre Karriere starteten – und auch ganz anders als zu unserer eigenen Anfangszeit. Heute prägt eine neue Generation die Arbeitswelt. Die Frage ist nur: Wie gut ist das für uns?

Wenn man Zusammenarbeit und Projekte im Homeoffice als gemeinsames Arbeiten bezeichnen kann, dann arbeite auch ich mit jüngeren Kolleg:innen aus der Generation Z zusammen. Meine Erfahrung mit ihnen ist durchweg positiv: Sie sind keineswegs faul oder verantwortungslos, sondern arbeiten vielmehr präzise, fokussiert und konsequent. (Man spürt, dass ihnen das auch wichtig ist.)

Gleichzeitig bemühen sie sich sichtbar darum, dass ihre wache Zeit nicht nur aus Arbeit besteht: Privatleben, körperliche und mentale Gesundheit sowie Selbstverwirklichung sind ihnen ebenso wichtig. Für mich ist das kein Mangel, sondern ein Vorbild, dem wir folgen können.

In den letzten Jahren haben wir viel erlebt: Pandemie, Digitalisierung, wirtschaftliche Unsicherheiten und den Aufstieg der KI.

Diese Erfahrungen haben die Generation Z – und uns alle – wachgerüttelt: Traditionelle Arbeitsnormen wie „Auch krank zur Arbeit kommen“ oder „Der Chef muss immer erreichbar sein“ werden immer weniger akzeptiert.

Eine aktuelle US-Studie aus 2025 zeigt, dass viele junge Menschen es nicht mehr lobenswert finden, krank zu arbeiten. Kolleg:innen, die mit leichtem Fieber oder Erkältung ins Büro kommen, gelten eher als verantwortungslos statt als selbstlos.

Doch nicht nur Krankheit treibt den Wandel an

Für die Generation Z ist Flexibilität besonders wichtig. Das bedeutet nicht zwangsläufig ständiges Homeoffice, aber sie bevorzugen eindeutig hybride Modelle, die ihnen mehr Freiheit bei der Zeiteinteilung bieten. Autonomie spielt eine große Rolle: Sie wollen selbst über Arbeitsstil, Tempo und Tools entscheiden – hier entstehen oft Reibungen mit älteren Kolleg:innen.

Bevor wir darauf eingehen: Mentale Gesundheit ist der Generation Z grundlegend wichtig. Sie achten auf ihre eigenen und die Gefühle anderer und versuchen, Stress und Burnout zu vermeiden.

Außerdem wollen sie für Unternehmen arbeiten, denen Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und Gleichberechtigung am Herzen liegen.

Studien zeigen immer wieder: Generation Z ist bereit, auf Gehalt zu verzichten, wenn sie dafür weniger ins Büro müssen oder flexiblere Arbeitszeiten bekommen. Im Gegenzug geben sie alles, wenn sie ihre Arbeit als sinnvoll erleben und sich wertgeschätzt fühlen.

Die letzten Jahre haben Erwartungen beschleunigt, die schon länger in uns allen schlummerten – und die Arbeitgeber vor Herausforderungen stellen. Wie vereint man Unternehmensziele mit dem Wunsch junger Menschen nach Freiheit, Abwechslung und greifbaren Ergebnissen? Wie hält man Zusammenarbeit und Teamgeist lebendig, wenn viele remote oder hybrid arbeiten?

Was bedeutet das für uns alle?

Die Ziele der Generation Z zeigen klar in eine positive Richtung: gesündere und menschlichere Arbeitsplätze. Doch wir leben gerade in einer Übergangszeit.

In den meisten Unternehmen sitzen noch nicht viele aus der Generation Z in Führungspositionen. Die Last der Anpassung an neue Normen fällt oft auf die älteren Generationen. Sie halten „den Laden am Laufen“, springen ein, wenn jüngere Kolleg:innen Überstunden ablehnen, und versuchen oft noch nach alten Mustern das Tempo vorzugeben – obwohl sie spüren, dass sich die Welt verändert.

Die Generation Z ist oft ein echter Teamplayer, aber anders als wir es gewohnt sind. Sie glauben nicht an „Alle bleiben, bis alles fertig ist“, sondern daran, dass jede:r seinen Teil beiträgt und dabei authentisch, ausgeglichen und gesund bleibt.

Für die Jüngeren ist Zusammenarbeit eher projektbasiert, zielorientiert und nicht hierarchisch geprägt. Ältere Kolleg:innen empfinden das manchmal als distanziert, respektlos oder egoistisch – dabei geht es eigentlich um neue Grenzen.

Veränderung ist also nicht schlecht, aber wir müssen voneinander lernen. Die Generation Z zeigt uns, was frühere Generationen oft zu spät erkannt haben: Burnout, ständiger Leistungsdruck und Überarbeitung sind keine Auszeichnungen. Gleichzeitig können sie von uns lernen: Durchhaltevermögen, Verantwortung für die Gemeinschaft und dass Arbeit manchmal mehr ist als Selbstausdruck – nämlich ein gemeinsames Ziel.

Passende Artikel

Test: Wie sehr dominiert die Arbeit dein Leben? — Lebensstil

Test: Wie sehr dominiert die Arbeit dein Leben?

Bestimmt dein Job wirklich alles – oder hast du die Balance im Griff? Dieser Test zeigt dir, wie gesund dein Verhältnis zur Arbeit wirklich ist.

Elisabeth Müller
5 toxische Arbeitsdynamiken, die dich still und leise auslaugen — Lebensstil

5 toxische Arbeitsdynamiken, die dich still und leise auslaugen

Diese Muster wirken oft harmlos – doch langfristig rauben sie dir Energie, Motivation und mentale Gesundheit. Erkennst du sie bei dir?

Isabella Schmidt
5 Dinge, die moderne Arbeitgeber wirklich erwarten – aber nie im Vorstellungsgespräch sagen — Lebensstil

5 Dinge, die moderne Arbeitgeber wirklich erwarten – aber nie im Vorstellungsgespräch sagen

Im Joballtag tauchen Erwartungen auf, über die beim Vorstellungsgespräch kaum jemand spricht. Diese 5 unausgesprochenen Regeln solltest du kennen.

Isabella Schmidt
Karriereplateau: Warum du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten – und wie du da rauskommst — Lebensstil

Karriereplateau: Warum du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten – und wie du da rauskommst

Jeden Tag dieselben Aufgaben, kein Weiterkommen in Sicht – das Karriereplateau trifft viele. Was dahintersteckt und wie du den Stillstand durchbrichst.

Isabella Schmidt
Nicht jede Schlacht muss gewonnen werden – auch diese nicht: Was tun, wenn der Chef politisiert? — Lebensstil

Nicht jede Schlacht muss gewonnen werden – auch diese nicht: Was tun, wenn der Chef politisiert?

Wahlen bringen Politik in unseren Alltag, doch nicht jede Situation eignet sich für politische Gespräche. Besonders am Arbeitsplatz kann es Spannungen geben, wenn der Chef politisch wird.

Barbara Weber
Die Hexen von Wall Street: Finanzentscheidungen mit Tarotkarten – echte Hilfe oder Täuschung? — Lebensstil

Die Hexen von Wall Street: Finanzentscheidungen mit Tarotkarten – echte Hilfe oder Täuschung?

Immer mehr Anleger wenden sich bei Finanzentscheidungen Tarotkarten und Astrologie zu. Ist das nur ein vorübergehender Trend oder die neue Realität der Finanzwelt?

Barbara Weber