Meinungsartikel: Schuszter Borka
Arbeit nimmt einen großen Teil unseres Tages ein – auch wenn wir manchmal lieber nicht daran denken wollen. Fakt ist: Wir gehen nicht zum Freundschaften schließen oder unbedingt zur Selbstverwirklichung zur Arbeit, sondern einfach, um unsere Rechnungen zu bezahlen oder um uns mit echten Freunden zu treffen. Trotzdem wirkt sich das Umfeld, in dem wir diese 8-9 Stunden täglich verbringen, unweigerlich auf uns aus. Und in diesem Umfeld spielen Menschen die Hauptrolle.
Lange habe ich mich damit getröstet, dass „man nicht mit jedem gut auskommen muss“. Das stimmt zum Teil. Man muss nicht mit jedem Kollegen gemeinsame Aktivitäten planen, keine tiefen Gespräche führen und nicht jeden am Arbeitsplatz mögen. Aber es gibt eine Grenze, ab der es nicht mehr nur darum geht, dass jemand nicht unser Lieblingsmensch ist. Sondern darum, dass er uns wirklich nervt, uns angespannt macht oder im schlimmsten Fall unseren Alltag belastet.
Die Anwesenheit eines schwierigen Kollegen wirkt unterschwellig
Was anfangs nur eine Kleinigkeit oder eine unbedeutende Ärgernis zu sein scheint, summiert sich mit der Zeit. Schon morgens starten wir mit dem Wissen, dass wir ihm begegnen werden. Wir fangen an, bestimmte Situationen zu meiden, halten uns zurück oder kontrollieren unsere Reaktionen übermäßig. Auch wenn das von außen vielleicht nicht dramatisch wirkt, erzeugt es innerlich dauerhaften Stress.
Dieser Stress kann sich leicht auf andere Bereiche übertragen. Wir werden ungeduldiger, ermüden schneller und nehmen manchmal die schlechte Stimmung sogar mit nach Hause. Irgendwann stellt sich die Frage: Ist das wirklich wert?
Bevor man jedoch sofort ans Kündigen denkt, ist es wertvoll, alle Möglichkeiten in Ruhe zu prüfen.

Der erste Schritt: Kommunikation
Einer der einfachsten – wenn auch nicht unbedingt leichtesten – Schritte ist die Kommunikation. Nicht konfrontativ, sondern klärend. Oft stellt sich heraus, dass der andere sich gar nicht bewusst ist, dass sein Verhalten störend ist. Das führt nicht immer zu einer Lösung, aber manchmal hilft es schon, Dinge auszusprechen.
Funktioniert das nicht, gibt es die Möglichkeit der Grenzziehung. Man muss nicht alles stillschweigend hinnehmen. Es ist möglich, Regeln für die Zusammenarbeit aufzustellen und klar zu machen, was akzeptabel ist und was nicht.
Das ist kein Konfliktsuchen, sondern Selbstschutz.
Eine weitere Option ist eine Veränderung innerhalb des Umfelds: neue Projekte suchen, das Team wechseln oder sogar eine Führungskraft einschalten. Letzteres ist für viele unangenehm, kann aber in bestimmten Situationen sinnvoll sein – besonders wenn das Problem dauerhaft ist und die Arbeit beeinträchtigt.
Der letzte Schritt: Kündigung
Und ja, Kündigung ist auch eine letzte Option. Auf den ersten Blick wirkt es radikal, wegen „nur“ eines Kollegen den Job zu wechseln, aber die Realität ist komplexer. Wenn sich jemand dauerhaft unwohl fühlt, wirkt sich das früher oder später auf Leistung, mentale Gesundheit und Lebensqualität aus. In diesem Sinne kann ein Wechsel auch Selbstschutz sein.
Allerdings hat auch das Konsequenzen. Ein neuer Job ist immer ein unsicheres Terrain, und es gibt keine Garantie, dass dort alle leichter sind. Im Gegenteil: Manchmal bekommt man statt einem Problem gleich drei, nur in anderer Form.
Meiner Meinung nach ist die eigentliche Frage nicht, ob es sich „lohnt“, sondern ob man vor dem Wechsel wirklich alles versucht hat. Wenn alle vernünftigen Schritte durchdacht sind und man trotzdem am selben Punkt steht, ist die Kündigung keine Flucht mehr, sondern eine bewusste Entscheidung für die eigene mentale Gesundheit.











