Kennst du das Gefühl, plötzlich und ohne ersichtlichen Grund von Niedergeschlagenheit überrollt zu werden?
Wenn Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Angst oder Reizbarkeit häufig deine Begleiter sind, steckt vielleicht mehr dahinter als nur Stress oder der Wechsel der Jahreszeiten. The Healthy hat kürzlich auf eine neue Studie aufmerksam gemacht, die zeigt, dass diese Symptome auch auf eine weniger bekannte, aber häufige Gesundheitsstörung hinweisen können: Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.
Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen – doch warum?
Daten der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zeigen, dass die Zahl der Depressionen bei Erwachsenen und Jugendlichen in den letzten zehn Jahren um 60 % gestiegen ist. Diese Zunahme hat nicht nur gesellschaftliche, sondern auch biologische Ursachen. Forschende suchen schon lange nach den Hintergründen – und nun rückt ein wichtiges Organ in den Fokus: die Schilddrüse.
Die Schilddrüse als möglicher Stimmungsregulator
Ein Forscherteam der Postgraduiertenmedizinischen Universität Warschau schrieb in einer Studie vom Juni 2025: „Kognitive und psychische Erkrankungen sind häufig mit klinischer Schilddrüsenfunktionsstörung verbunden.“
Diese Aussage wird durch immer mehr wissenschaftliche Belege gestützt. Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse – wie Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis – verursachen nicht nur Stoffwechselprobleme, sondern können auch das Gehirn beeinflussen. Die Studie erklärt: „Zunehmende Beweise deuten darauf hin, dass Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse Gehirnfunktionen stören können.“
Eine frühere Meta-Analyse von 20 Studien fand zudem eine „starke Verbindung zu psychiatrischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen“.
Was ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse?
Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse liegt vor, wenn das Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüsenzellen angreift, sodass diese nicht mehr richtig Hormone produzieren können.
Die häufigsten Formen sind:
- Morbus Basedow – meist verbunden mit einer Überfunktion.
- Hashimoto-Thyreoiditis – führt eher zu einer Unterfunktion.
Forscher betonen: „Sowohl Unter- als auch Überfunktion können das Gehirn stark beeinflussen und somit Kognition und Stimmung verändern.“
Schilddrüsenhormone – besonders T3 und T4 – spielen eine Schlüsselrolle im Körper, nicht nur im Stoffwechsel und hormonellen Gleichgewicht, sondern auch bei der Steuerung chemischer Prozesse im Gehirn.
Was passiert, wenn das Gleichgewicht gestört ist?
Eine indische Studie aus dem Januar 2023, veröffentlicht im Fachjournal Cureus, beschreibt detailliert, wie diese Hormone das Nervensystem beeinflussen. Schilddrüsenerkrankungen können neuropsychiatrische Symptome auslösen, indem sie:
- entzündliche Prozesse verstärken,
- oxidativen Stress erhöhen,
- die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke verändern,
- und das Risiko für Hirnschäden steigern.
Die Studie weist auch darauf hin, dass „Antikörper gegen Schilddrüsenperoxidase mit depressiven Symptomen in Verbindung stehen“.
Schilddrüsenperoxidase ist ein Enzym, das für die Hormonproduktion entscheidend ist – reagiert das Immunsystem darauf, kann das zu einem erheblichen Ungleichgewicht führen.
Es können auch ernstere Risiken auftreten
Die Forschenden betonen, dass Schilddrüsenerkrankungen nicht nur Stimmungsschwankungen verursachen. Autoimmunerkrankungen stehen auch im Zusammenhang mit:
- kognitivem Abbau,
- Manien,
- Psychosen,
- und langfristig sogar Demenz.
Die polnischen Experten fassen klar zusammen: „Angesichts der Zusammenhänge zwischen Überfunktion, Demenz, kognitiven Störungen und Stimmungsschwankungen ist eine sorgfältige Behandlung und Überwachung von Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse unerlässlich.“
Bewusstsein ist der erste Schritt
Wenn du dich oft müde, niedergeschlagen fühlst, Gedächtnisprobleme bemerkst oder plötzliche Stimmungsschwankungen hast, kann eine Schilddrüsenfunktionsuntersuchung sinnvoll sein. Ein einfacher Bluttest misst die Werte von TSH, T3 und T4 – bei Bedarf sind auch Antikörpertests möglich.
Die gute Nachricht: Die meisten Schilddrüsenerkrankungen lassen sich gut behandeln, wenn sie früh erkannt werden. Neben Medikamenten können Lebensstil, Ernährung und Stressmanagement entscheidend zur Besserung beitragen.
Merke dir: Wenn dein Körper Signale sendet, lohnt es sich, genau hinzuhören – denn manchmal steckt hinter einem kleinen Symptom eine viel größere Geschichte. Unsere Stimmung schwankt natürlich, aber wenn sie dauerhaft belastet ist, lohnt es sich immer, die Ursachen zu erforschen.











