In seiner Stimme lag Bewunderung, fast Tränen standen ihm in den Augen, als er hinzufügte: „So eine Frau brauche ich auch.“ Ich saß nur da, sah ihm zu, wie er begeistert von seinem Spritzwein trank, und dachte daran, wie unglaublich müde diese Frau wohl gewesen sein musste.
Das ist natürlich kein Einzelfall, keine Ausnahme. Wir kennen alle solche Frauen: Mütter, Großmütter, Nachbarinnen, die nie klagten, obwohl sie jeden Grund dazu gehabt hätten. Die still die ganze familiäre Last trugen und nichts verlangten, weil sie gelernt hatten, dass ihr Wert darin liegt, für andere da zu sein. Und ihr Umfeld stellte sie auf ein Podest für ihre Anstrengungen – statt ihnen wirklich zu helfen.
Der Begriff „Wunderfrau“ klingt auf den ersten Blick vielleicht bewundernd. Wer möchte nicht eine Frau sein, die bewundert wird? Doch bei näherem Hinsehen ist dieses Label eher eine Fessel als eine Krone. Wenn wir „Wunderfrauen“ glorifizieren, stärken wir sie in ihrer unterdrückten Rolle. Wir tun so, als sei ihr Wert allein aus ihrem Leiden, ihren Verzicht und ihrer Selbstaufopferung entstanden. Und schaffen damit eine Erzählung, in der es keinen Raum für Hilfe gibt. Denn wie sollte eine „Wunderfrau“ um Unterstützung bitten? Sie schafft alles, löst alles, lächelt immer und wird nie müde.
Eine Frau gilt als anständig, ehrenhaft und liebenswert, wenn sie lächelnd ihre Arbeit macht und die zweiundvierzigste Pfannkuchen in der Sommerhitze backt – natürlich mit Freude, obwohl sie innerlich schreien könnte.

Die Realität ist: Diese Frauen sind keine Wunder – sie sind Menschen
Sie sind alleingelassen, überlastet und erschöpft. Das wahre Wunder ist, dass sie überhaupt noch auf den Beinen sind. Und wenn die Gesellschaft sie gerührt feiert, während sie nach dem viergängigen Sonntagsessen genüsslich ihren Kaffee trinkt – zubereitet natürlich von der „Wunderfrau“ –, dann lassen wir sie immer wieder im Stich.
Denn diese Frauen brauchen keine Feier, sondern Unterstützung. Einen erwachsenen Partner, der nicht nur „hilft“, sondern Verantwortung übernimmt. Eine Familie, in der Hausarbeit nicht automatisch Frauensache ist. Einen Arbeitsplatz, an dem man nicht schief angeschaut wird, wenn man Überstunden ablehnt, weil auch zu Hause viel zu tun ist. Und eine Gesellschaft, die weibliche Kraft nicht als unerschöpfliche Ressource sieht, die man ohne schlechtes Gewissen ausbeuten kann.
Ja, Frauen sind stark. Das stimmt. Aber das heißt nicht, dass wir damit jede Last einfach auf sie abladen dürfen. Frauen durch ihre Ausdauer zu überfordern, ist keine Entschuldigung. Es ist nicht okay zu sagen: „Sie schaffen das schon“, und ihnen gleichzeitig alles aufzubürden.
Unsere Wertschätzung für eine „Wunderfrau“ zeigen wir nicht am besten, indem wir mit Tränen in den Augen von ihr beim ersten Date erzählen – sondern indem wir das Muster durchbrechen, in dem Wunder nur aus Selbstausbeutung entstehen. Und indem wir endlich sagen: Du musst das nicht allein schaffen. Ich bin jetzt hier.











