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4 nachdenkliche Gründe, warum du Gewichtsverlust nicht mit guten Absichten loben solltest

Elisabeth Müller3 Min. Lesezeit
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4 nachdenkliche Gründe, warum du Gewichtsverlust nicht mit guten Absichten loben solltest — Gesundheit

Kennst du diesen Moment, wenn das "Du siehst gut aus, hast du abgenommen?" nicht als Kompliment ankommt, sondern irgendwie die Luft zum Stocken bringt?

Lob für Gewichtsverlust wirkt oberflächlich freundlich, hat aber eine tiefere Wirkung, als wir oft denken. Obwohl meist gut gemeint, stärkt es gesellschaftliche Botschaften, die Körpergröße als Zeichen von Erfolg, Durchhaltevermögen und Attraktivität sehen – und trägt so ungewollt dazu bei, dass wir unseren Körper nicht einfach lieben, weil er da ist.

Ein Lob, das eigentlich Grenzen zwischen uns zieht

In meiner späten Jugend gab es eine Phase, in der ich das Gefühl hatte, die Kontrolle zu verlieren. Die Dinge passierten einfach, und ich trieb mit. Eines Tages entdeckte ich, dass ich etwas beeinflussen kann: wie viel ich esse. Endlich etwas, das ich entscheiden kann! In dieser Entscheidung steckte alles: mein Wunsch nach Kontrolle, mein Bedürfnis, dazuzugehören, meine Suche nach Sicherheit. Rückblickend weiß ich, dass mein Körper damals zum "Projekt" wurde – der einzige Bereich, in dem ich mein Leben zu steuern glaubte. Damals bekam ich mal bewundernde, mal besorgte Blicke. Manche lobten mich – "Wie hübsch du aussiehst" –, andere fragten, ob alles in Ordnung sei.

Heute weiß ich: Was ich für Kontrolle hielt, war eigentlich eine Form von Angst. Die Illusion, den Körper zu kontrollieren, half mir, das Gefühl zu unterdrücken, nicht zu wissen, wer ich bin und wohin ich gehe.

Warum du niemanden für Gewichtsverlust loben solltest

Junge Frau zieht sich zu Hause vor dem Spiegel an

Es suggeriert, dass man dünner mehr wert ist

Lob für Gewichtsverlust erhält die Illusion am Leben, dass ein kleinerer Körper wertvoller ist – und gleichzeitig, dass ein größerer Körper weniger wert ist. Diese Idee prägt unseren Alltag: bei Bewerbungsgesprächen, in Beziehungen und beim Blick in den Spiegel. Die meisten meinen es nicht böse, wenn sie Komplimente zum Gewichtsverlust machen, doch jedes einzelne bestätigt auf gesellschaftlicher Ebene eine Hierarchie der Körper. Ein unausgewogenes Rennen, bei dem immer der "kleinere" gewinnt.

Nicht jeder Gewichtsverlust ist eine gute Nachricht

Gewichtsverlust ist nicht immer bewusst gewählt. Manchmal trauert jemand, ist krank, in Behandlung, gestresst, depressiv oder kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten und isst deshalb nicht richtig. Wenn jemand dann hört: "Du siehst toll aus" oder "Ich beneide dich, dass du so viel abgenommen hast", kann das nicht nur ein missverstandenes Kompliment sein, sondern auch sehr schmerzhaft. Solches "Lob" feiert eigentlich sichtbare Spuren von Leid.

Kann Essstörungen auslösen

Problematisch ist auch, dass Kommentare zum Gewicht selten isoliert bleiben. Irgendwann übernehmen wir die Botschaft: "Wenn ich kleiner bin, werde ich mehr geliebt." Dieser Gedanke ist besonders gefährlich für junge Menschen, die sich noch selbst finden. Es kann eine verzerrte Beziehung zum Essen, zum Körper und zum eigenen Wert entstehen. Auch wenn wir als Erwachsene versuchen, diese Muster zu durchbrechen, arbeiten die Wunden aus der Vergangenheit oft noch in uns.

Jeder Körper ist auf seine Weise attraktiv

Die natürliche Vielfalt der Körpergrößen ist leider oft in den Hintergrund gerückt. Zwar gibt es inzwischen erste Veränderungen, doch Werbung, soziale Medien und bekannte "Fitspiration"-Bilder vermitteln immer noch dieselbe Botschaft: Nur ein Körpertyp ist schön, gesund und liebenswert. Dabei ist die Realität genau das Gegenteil! Körperform, Größe und Funktion sind so einzigartig wie wir alle.

Also, wenn dir das nächste Mal jemand schlanker als sonst erscheint und du fast sagen würdest "Wie gut du jetzt aussiehst", halte kurz inne! Du musst deine Freundlichkeit nicht unterdrücken, aber lenke sie besser um: Lobe lieber seine Ausstrahlung, seinen Humor, wie präsent er in diesem Moment ist! Denn vielleicht hat sich der Körper verändert, aber die Person darin ist immer viel mehr als das, was die Waage zeigt.

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