Irgendwann habe ich gemerkt: Je unwohler ich mich in meiner Haut gefühlt habe, desto mehr habe ich eingekauft. Neue Hosen, neue Oberteile, ein weiteres Kleid – als könnten ein paar neue Teile das übertünchen, was mich wirklich gestört hat. Der kurze „Wow"-Moment nach dem Kauf war real. Aber er hielt nie lange an. Nach ein paar Tagen war das Gefühl weg, und ich wollte schon wieder etwas Neues. An meinem eigentlichen Wohlbefinden hatte sich nichts geändert. Das war der Punkt, an dem ich beschlossen habe, etwas anderes auszuprobieren – und mit Pilates angefangen habe.
Die Erkenntnis, die ich lange nicht wahrhaben wollte
Ich habe mir lange eingeredet, dass ich mich besser fühle, wenn ich mich besser kleide. Und ja, ein gutes Outfit kann tatsächlich ein bisschen Selbstvertrauen geben. Aber bei mir war das eher eine Art Schutzschicht. Ich habe versucht, etwas schöner zu verpacken, mit dem ich eigentlich nicht zufrieden war.
Irgendwann fiel mir das Muster auf: Mein Kleiderschrank wurde voller – aber selbstsicherer wurde ich nicht. Im Gegenteil. Manchmal hat ein neues Stück die Unzufriedenheit sogar noch verstärkt, weil es die Aufmerksamkeit erst recht auf das gelenkt hat, was mich störte.
Warum ausgerechnet Pilates?
Ich wollte keine drastische Veränderung. Kein erschöpfendes Training, keine schnellen Vorher-Nachher-Ergebnisse. Ich suchte nach etwas, das mir sanft, aber spürbar das Gefühl zurückgibt, in meinem Körper zuhause zu sein. So bin ich zu Pilates gekommen.
Die erste Stunde hat mich überrascht. Von außen wirkt Pilates leichter, als es ist. Langsame Bewegungen, viel Konzentration, kleine Muskelgruppen – und trotzdem habe ich nach wenigen Minuten gemerkt, dass mein Körper wirklich arbeitet. Muskeln, von denen ich vorher kaum wusste, dass ich sie habe.
In den ersten Wochen passierte äußerlich wenig. Ich wurde nicht plötzlich schlanker, meine Figur veränderte sich nicht dramatisch. Aber etwas viel Wichtigeres passierte: Ich habe angefangen, mich in meinem Körper anders zu fühlen. Ich stand aufrechter. Mein Rücken schmerzte weniger. Und da war dieses neue, seltsam vertraute Gefühl – präsent zu sein. Nicht verstecken wollen, sondern bewegen wollen.
Das war die eigentliche Wende. Ich zog Kleidung nicht mehr an, um etwas zu kaschieren. Ich trug sie einfach – weil es sich gut anfühlte. Kein Herumzupfen mehr, kein Tricksen mit Schnitten. Und nach einer Weile stellte ich fest: Ich wollte gar nicht mehr so viel kaufen. Der innere Druck – „noch ein Teil, dann wird's besser" – war einfach weg. Weil ich nicht mehr von einem Kleidungsstück erwartete, was kein Kleidungsstück leisten kann.
Nicht mein Körper hat sich verändert – sondern meine Beziehung zu ihm
Natürlich kamen mit der Zeit auch körperliche Veränderungen. Ich wurde kräftiger, straffer, stabiler. Aber ehrlich gesagt war das der Bonus. Das Entscheidende war, dass ich aufgehört habe, meinen Körper als Gegner zu sehen.
Pilates hat mir beigebracht, langsamer zu werden. Aufmerksamer zu sein. Kleine Fortschritte wahrzunehmen. Das ist etwas, das mir kein neues Kleidungsstück je geben konnte. Es geht nicht darum, dass Mode schlecht wäre – ich liebe es immer noch, mich anzuziehen, und freue mich über ein schönes neues Teil. Aber ich verlasse mich nicht mehr darauf, um mich wohlzufühlen.
Der größte Wandel war, von innen heraus aufzubauen. Wenn das passiert, werden äußere Dinge – Kleidung, Trends, Accessoires – zu dem, was sie sein sollten: ein Ausdruck von etwas, das du ohnehin schon fühlst. Nicht ein Ersatz dafür.











