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Aus Versehen mit neun anderen Frauen nachts in einem Arboretum eingeschlossen

Elisabeth Müller4 Min. Lesezeit
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Aus Versehen mit neun anderen Frauen nachts in einem Arboretum eingeschlossen — Lebensstil
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Manchmal schreibt das Leben seine Geschichten anders, als wir es planen. Keine dramatischen Wendungen, sondern kleine Überraschungen, die uns beim Zurückdenken ein warmes Gefühl schenken.

So ging es mir auch, als ich an einer Frauenzeremonie in einem besonderen Arboretum teilnahm – in Gesellschaft von neun weiteren Frauen. Am Abend wurde klar, dass uns nach den Kerzengesprächen nicht nur ein seelisches Erlebnis, sondern auch ein kleines Abenteuer erwartete.

Kerzen, Geschichten und innere Erkenntnisse

Schon vor Beginn erzählte mir eine Freundin – die früher in der örtlichen Konditorei arbeitete –, dass das Arboretum um 19 Uhr schließt. Als wir das unserem Leiter, der selbst eine richtig kraftvolle "Flow-Frau" ist, mitteilten, beruhigte er uns sofort. Er hatte die Telefonnummer des Pförtners herausgesucht und versprach, dass wir vor 19 Uhr rauskommen würden. Für den zweiten Teil der Zeremonie würden wir dann an einem anderen Ort weitermachen. Also konnten wir ganz entspannt auf dem inneren Parkplatz parken.

Die Veranstaltung begann in guter Stimmung und war schon allein deshalb unvergesslich: im Kerzenschein inmitten der Natur zu sitzen, Geschichten zu teilen, tiefgründig zu sprechen und zu spüren, wie ein unsichtbares Band uns verbindet... Zehn Frauen, jede mit ihrer eigenen Geschichte, doch wir fanden zueinander. Unsere Therapeutin schuf einen sicheren Raum und führte uns behutsam, sodass jeder Moment spürbar anders war als der Alltag. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Magie noch intensiver.

Die innere Anspannung

Stunden vergingen, und in mir breitete sich ein leichtes Beklemmungsgefühl aus. Ich war mir sicher, dass es nach 19 Uhr war, und das Wissen, dass das Tor offiziell geschlossen ist, wurde immer lauter in mir. Vernünftig wusste ich, dass nichts Schlimmes passieren kann. Im schlimmsten Fall klettern wir über den Zaun oder schlafen im Auto oder draußen. Wir haben Decken, Wasser, Essen, wir sind erwachsen... Warum also diese Unruhe? Ich hatte schon früher improvisieren müssen in ähnlichen Situationen... Warum fühlte ich mich jetzt so unruhig?

Es irritierte mich, wie schwer ich es ertrug, "Regeln" zu brechen. Als würde eine innere Stimme ständig sagen: "Das ist nicht richtig, so sollte es nicht sein." Es war spannend, diese innere Starre zu spüren, obwohl ich mich sonst als flexibel und anpassungsfähig sehe. Was steckt dahinter? Vielleicht die tief verankerten Muster aus Kindheit, Schulordnung und gesellschaftlichen Erwartungen, die uns suggerieren, dass Sicherheit nur durch Einhaltung von Grenzen entsteht. Wenn diese Grenzen überschritten werden, entsteht das Gefühl von Kontrollverlust – und das wirkt oft stärker als das eigentliche Problem.

Wenn etwas Unerwartetes passiert, wird das Tor wirklich geschlossen

Gegen 20:30 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg nach draußen – und stellten fest: Der Parkplatz war tatsächlich verschlossen. Zuerst lächelten wir, doch als wir den Pförtner nicht erreichen konnten und weitere Anrufe erfolglos blieben, machte sich Ratlosigkeit breit. Ich schwieg lieber. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass ich nicht immer alles lösen muss. Manchmal darf man die Initiative auch anderen überlassen. In diesem Punkt konnte ich mir also auf die Schulter klopfen!

Unsere Leiterin rief schließlich die Polizei an, die überraschend freundlich reagierte: Sie beruhigten uns und sagten, wir seien nicht die Ersten, denen das passiert. Das Arboretum hat abends nicht mehr so strenge Routinen, sie gehen nicht mehr bei Schließung herum, um Besucher zu informieren, da viele Gäste den Parkplatz als Hotelparkplatz nutzen. Die Polizisten erreichten innerhalb weniger Minuten den Sicherheitsdienst, der versprach, in 20 Minuten zu kommen und uns rauszulassen.

Eine unerwartete Lektion über Freiheit

Wir saßen zu zehnt auf der anderen Seite des Tores und warteten unter dem Sternenhimmel. Statt uns zu ärgern, ließen wir uns langsam auf die Situation ein. Die Dunkelheit der Bäume, die kleinen Leckereien aus den Rucksäcken und das erzwungene Warten schufen ein seltsames Gefühl von Zusammengehörigkeit – eine zusätzliche Ebene für den Abend.

Für mich ging es dabei um mehr: Es erinnerte daran, dass unser Verhältnis zu Regeln oft innerlich entschieden wird. Dass es manchmal gut tut, Kontrolle loszulassen und darauf zu vertrauen, dass sich die Situation von selbst löst. Und dass in unerwarteten Wendungen oft mehr Leben steckt als in sorgfältig geplanten Abläufen.

Als sich das Tor öffnete und wir in die Nacht hinausfuhren, ärgerte ich mich nicht mehr über den Verlauf. Stattdessen war ich dankbar für dieses besondere Erlebnis neben der schönen Zeremonie. Einen Abend, an dem zehn Frauen allein in der Stille des Arboretums blieben – hinter Gittern zwar, aber in wahrer Freiheit.

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