Manche Menschen kommen erst abends richtig in Fahrt – die Energie steigt, die Gedanken werden klarer, und der Tag fühlt sich erst nach 22 Uhr wirklich produktiv an. Klingt vertraut? Dann bist du wahrscheinlich eine Nachteule. Und laut einer aktuellen Studie lohnt es sich für genau diese Menschen, einen genaueren Blick auf ihre Herzgesundheit zu werfen.
Was steckt hinter dem Chronotyp „Nachteule"?
Unser sogenannter Chronotyp bestimmt, zu welcher Tageszeit wir am leistungsfähigsten sind – und er ist tief in unserer Biologie verankert. Dr. Sina Kianersi, der Leiter der Studie, erklärt es so: Es gibt Frühaufsteher, Nachtmenschen und alle, die irgendwo dazwischen liegen. Das ist keine Frage der Disziplin, sondern unserer inneren Uhr.
Die Untersuchung analysierte Daten von mehr als 322.000 britischen Erwachsenen und kam zu einem klaren Ergebnis: Menschen mit einem abendlichen Chronotyp weisen häufiger Lebensstilfaktoren auf, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen – wie CNN Health berichtet.
Besonders betroffen: Frauen in der Lebensmitte
Eines der überraschendsten Ergebnisse der Studie betrifft Frauen. Der Zusammenhang zwischen dem Abend-Chronotyp und schlechterer Herzgesundheit ist besonders stark bei mittelalten und älteren Frauen.
Bei Abendtypen war die Wahrscheinlichkeit eines schlechteren Herz-Kreislauf-Zustands um fast 79 % höher als bei Menschen mit einem durchschnittlichen Tagesrhythmus.
Dahinter stecken oft keine dramatischen Einzelfaktoren, sondern eine Kombination aus alltäglichen Gewohnheiten:
- unregelmäßige Mahlzeiten
- weniger Bewegung
- schlechtere Schlafqualität
- häufigeres Rauchen
Es geht nicht nur um den Zeitpunkt – sondern um den Rhythmus
Neurologin Dr. Sabra Abbott betont, dass ein abendlicher Lebensstil oft mit einer generellen Unregelmäßigkeit im Tagesablauf einhergeht. Schlaf, Essen und selbst die Lichtexposition geraten aus dem Takt – und das belastet den Körper auf Dauer stärker, als viele ahnen.
Über einen Beobachtungszeitraum von fast 14 Jahren entwickelten Nachteulen mit 16 % höherer Wahrscheinlichkeit eine Herzerkrankung – etwa einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die gute Nachricht: Du bist nicht dazu „verdammt"
Abendmensch zu sein bedeutet nicht automatisch, krank zu werden. Schlafforscherin Dr. Kristen Knutson stellt klar: Herzerkrankungen sind keine unvermeidliche Konsequenz des Nachteulen-Daseins. Entscheidend ist, welche Stellschrauben im eigenen Leben man bewusst drehen kann.
Der Chronotyp selbst lässt sich kaum verändern – aber die Gewohnheiten drum herum sehr wohl.
Was du jetzt konkret für dein Herz tun kannst
Der Frühling ist ein idealer Moment, um den eigenen Rhythmus sanft neu auszurichten – ohne die eigene Natur zu verleugnen. Hier sind die wichtigsten Empfehlungen der Experten:
- Regelmäßige Schlafzeiten einhalten
Nicht der genaue Zeitpunkt ist entscheidend, sondern die Konstanz. Wer jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit schläft, stabilisiert seine innere Uhr. - Morgenlicht bewusst nutzen
Auch wer kein Frühaufsteher ist: Natürliches Licht am Morgen hilft dem Körper, seinen Rhythmus zu finden – selbst ein kurzer Spaziergang reicht. - Regelmäßig bewegen
Ein abendlicher Spaziergang oder ein leichtes Training tut dem Herzen gut – unabhängig davon, zu welcher Uhrzeit man am liebsten aktiv ist. - Die Basics nicht vernachlässigen
Ausgewogene Ernährung, Gewichtskontrolle sowie regelmäßige Checks von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker sind für Nachteulen besonders wichtig. - Rauchen aufgeben
Einer der wirkungsvollsten Schritte für langfristigen Herzschutz – und ein Schritt, der sich in jedem Lebensrhythmus lohnt.
Du musst dich nicht komplett verändern
Nachteule zu sein ist keine Schwäche – es ist eine biologische Eigenheit. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, den eigenen Rhythmus mit den Anforderungen des Alltags in Einklang zu bringen.
Ein bisschen mehr Regelmäßigkeit, etwas mehr Tageslicht und ein paar bewusste Gewohnheiten können bereits einen großen Unterschied machen. Dein Herz wird es dir langfristig danken.











