Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Angst, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten – für viele Frauen gehören diese Beschwerden einfach zum Zyklus dazu. Doch eine große schwedische Studie legt nahe, dass mehr dahintersteckt.
Der Zusammenhang zwischen schweren prämenstruellen Beschwerden und psychischen Erkrankungen ist offenbar deutlich stärker, als lange angenommen wurde. Und das betrifft weit mehr Frauen, als man denkt.
Konkret bedeutet das: Frauen mit schweren prämenstruellen Symptomen haben ein deutlich höheres Risiko für Depressionen, Angststörungen, ADHS oder sogar eine bipolare Störung. Und der Zusammenhang funktioniert auch umgekehrt – bereits bestehende psychische Erkrankungen können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, unter starken Beschwerden vor der Periode zu leiden.
Was hat die Studie untersucht?
Die schwedischen Forschenden analysierten die Gesundheitsdaten von mehr als 3,6 Millionen Frauen aus den Jahren 2001 bis 2022. Im Mittelpunkt standen die sogenannten prämenstruellen Störungen (Premenstrual Disorders, kurz PMD), wie die Zeitschrift Elle berichtet.
Dieser Sammelbegriff umfasst nicht nur das bekannte prämenstruelle Syndrom (PMS), sondern auch dessen deutlich schwerere Form: die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS).
Diese ist seltener, kann den Alltag der Betroffenen aber massiv beeinträchtigen. In der sogenannten Lutealphase – also der Zeit zwischen Eisprung und Menstruation – treten mitunter so starke seelische und psychische Symptome auf, dass Arbeit, Familienleben und soziale Beziehungen darunter leiden.
Fast doppelt so hohes Risiko
Eines der wichtigsten Ergebnisse: Die beiden Zustände hängen wechselseitig zusammen.
Frauen mit einer diagnostizierten prämenstruellen Störung entwickelten etwa doppelt so häufig eine psychische Erkrankung wie Frauen ohne solche zyklusbedingten Beschwerden. Umgekehrt berichteten Frauen mit einer bereits bestehenden psychiatrischen Diagnose ebenfalls häufiger von schweren prämenstruellen Symptomen.
Auch die Zahlen sind bemerkenswert:
- Fast die Hälfte der Frauen mit einer prämenstruellen Störung hatte bereits zuvor mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen.
- Bei mehr als einem Drittel der Betroffenen entwickelte sich später eine psychiatrische Diagnose.
- Den stärksten Zusammenhang beobachteten die Forschenden bei Depressionen, Angststörungen, ADHS und der bipolaren Störung.
Laut der Studie kommt es zum Beispiel bei 27 von 100 Frauen mit PMDS zu einer Depression.
Bei jüngeren Frauen ist die Gefahr noch größer
Die Untersuchung zeigte außerdem: Bei Frauen unter 35 Jahren ist der Zusammenhang zwischen prämenstruellen Störungen und psychischen Erkrankungen besonders ausgeprägt.
Für die Forschenden bedeutet das, dass gerade in dieser Altersgruppe das frühe Erkennen und Abklären der Symptome entscheidend ist. Eine rechtzeitig begonnene Behandlung kann nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch helfen, spätere psychische Probleme abzumildern.
Kein Ursache-Wirkung-Zusammenhang
Eine wichtige Botschaft der Studie: Die Ergebnisse beweisen nicht, dass PMS oder PMDS für sich genommen eine psychische Erkrankung auslösen – oder umgekehrt.
Die Forschenden vermuten eher, dass hinter beiden Zuständen gemeinsame biologische Mechanismen stehen. Sie sind also nicht Folge voneinander, sondern werden teils von denselben Prozessen im Hintergrund begünstigt.
Was passiert dabei im Körper?
Nach heutigem Wissensstand könnte ein Schlüssel darin liegen, dass der Körper mancher Frauen ungewöhnlich empfindlich auf die völlig natürlichen hormonellen Schwankungen im Zyklus reagiert.
Denn Hormone steuern nicht nur das Fortpflanzungssystem, sondern beeinflussen auch die Botenstoffe im Gehirn. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die Neurotransmitter Serotonin, Dopamin und GABA, die an der Regulation von Stimmung, Angst, Motivation und emotionalem Gleichgewicht beteiligt sind.
Reagieren diese Systeme empfindlicher auf hormonelle Schwankungen, könnte das erklären, warum manche Frauen Monat für Monat unter extrem intensiven seelischen Symptomen leiden.
Warum du zyklusbedingte Beschwerden ernst nehmen solltest
Viele Frauen glauben bis heute, sie müssten das schlechte Befinden vor der Menstruation einfach aushalten. Doch wenn die Symptome regelmäßig Arbeit, Lernen, Beziehungen oder den Alltag erschweren, lohnt sich der Gang zu einer Fachperson.
Besonders hilfreich kann laut den Forschenden sein, die Symptome über mehrere Monate zu dokumentieren: wann sie auftreten, wie stark sie sind und wie sie sich im Verlauf des Zyklus verändern. Das hilft Ärztinnen und Ärzten, zyklusbedingte Beschwerden von anderen psychischen oder hormonellen Problemen abzugrenzen.
Die Behandlung der Zukunft berücksichtigt den Zyklus
Fachleute sind sich einig: Der Menstruationszyklus sollte künftig deutlich bewusster in die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen einbezogen werden.
Denn wenn sich seelische Symptome regelmäßig in einer bestimmten Zyklusphase verstärken, kann das eine wichtige Information für die Wahl der passenden Therapie sein. Das verbessert nicht nur die Genauigkeit der Diagnose, sondern kann auch dazu beitragen, dass betroffene Frauen eine individuellere Behandlung erhalten.
Symptome ernst nehmen – nicht kleinreden
Die neue schwedische Studie bestätigt: Beschwerden vor der Periode sollte man nicht bagatellisieren. Schwere PMS oder PMDS sind keine bloße Unannehmlichkeit, sondern ein Zustand, der eng mit der psychischen Gesundheit verknüpft sein kann.
Auch wenn die Studie nicht belegt, dass das eine das andere direkt verursacht, macht sie eines deutlich: Dem Zusammenhang zwischen Zyklus und seelischer Gesundheit sollte viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Rechtzeitig erkannte Symptome und die richtige ärztliche Unterstützung können die Lebensqualität deutlich verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen PMS und PMDS?
PMS ist das bekannte prämenstruelle Syndrom. PMDS – die prämenstruelle dysphorische Störung – ist die deutlich schwerere Form: seltener, aber mit so starken seelischen Symptomen, dass Alltag, Arbeit und Beziehungen massiv beeinträchtigt werden können.
Verursacht PMS eine psychische Erkrankung?
Nein. Die Studie beweist keinen direkten Ursache-Wirkung-Zusammenhang. Die Forschenden vermuten vielmehr, dass gemeinsame biologische Mechanismen sowohl schwere prämenstruelle Beschwerden als auch psychische Erkrankungen begünstigen können.
Wann sollte ich mit meinen Beschwerden zu einer Fachperson gehen?
Wenn die Symptome regelmäßig Arbeit, Lernen, Beziehungen oder den Alltag erschweren, ist ärztliche Abklärung sinnvoll. Hilfreich ist, die Beschwerden über mehrere Monate zu dokumentieren, um sie besser einordnen zu können.
Warum sind jüngere Frauen besonders betroffen?
Bei Frauen unter 35 Jahren war der Zusammenhang zwischen prämenstruellen Störungen und psychischen Erkrankungen laut Studie besonders stark. Deshalb ist gerade in dieser Altersgruppe das frühe Erkennen der Symptome wichtig.











