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Der Fluch der Sitzarbeit: Was ich nach meiner Wirbelsäulen-OP gelernt habe

Elisabeth Müller5 Min. Lesezeit
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Der Fluch der Sitzarbeit: Was ich nach meiner Wirbelsäulen-OP gelernt habe — Gesundheit
In diesem Artikel

Lange dachte ich, Rückenschmerzen seien ein unangenehmer, aber grundsätzlich handhabbarer Begleiter der Sitzarbeit. Etwas, das man (buchstäblich) mit einer Creme wegschmieren, an einem Wochenende auskurieren oder „erst richtig ernst nehmen würde, wenn es gar nicht mehr anders geht“.

Als dann weder Salben noch vorsichtiges Dehnen halfen und auch das „heute sitze ich weniger am Computer“ nichts brachte, kam der Zusammenbruch. Früher hatte ich schon zweimal einen Hexenschuss. Einmal im Urlaub, da halfen zwei Tage Bettruhe und Entzündungshemmer. Ein anderes Mal – vor etwa sechs Jahren – brauchte ich sogar eine Spritze, um mich überhaupt bewegen zu können, danach lag ich eine Woche flach. Damals dachte ich, das sei es gewesen, nur ein eingeklemmter Nerv, und das Leben geht weiter.

Diesmal begann der Schmerz nicht im unteren Rücken, sondern im Gesäßmuskel und an der Rückseite meines Oberschenkels. Sitzen tat richtig weh, deshalb fing ich an, im Stehen zu arbeiten, hörte mit dem Training auf, versuchte „klug anzupassen“ und natürlich selbst zu diagnostizieren – und kam zu dem Schluss: mein Ischiasnerv ist das Problem. Im Grunde lag ich richtig, nur war nicht klar, dass der Ischiasschmerz „nur“ ein Symptom ist und der Ursprung ein großer Bandscheibenvorfall.

Physiotherapie holte ich mir erst, als wirklich alle Stricke rissen – da war ich schon spät dran. Obwohl man mir Mut machte, dass sich die Lage in Monaten deutlich bessern kann, riss nach Therapiebeginn der Vorfall heraus und ich wurde mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme gebracht. Danach folgten vier Wochen Bettruhe, eine Woche Infusionen und natürlich die OP-Wartezeit, nach der ich monatelang kaum aktiv sein durfte.

Sitzarbeit Rückenschmerzen

Bevor du – wie ich – denkst, das sei ein „Problem des Alters“: Mein Zimmergenosse im Krankenhaus war 26 Jahre alt und hatte keine sitzende Tätigkeit. Er war der Jüngste, aber auch Teenager werden dort regelmäßig operiert. Da wurde mir klar:

Früh auftretende Bandscheibenvorfälle zeigen ein echtes gesellschaftliches Problem auf.

Der „Held der Arbeit“ gewinnt langfristig nicht

Im Rückblick sehe ich ganz klar, wo ich Fehler gemacht habe: viel Zeit vor dem Bildschirm, zu wenig echte Erholung und noch weniger gezieltes Muskeltraining. Die Rumpfmuskulatur ist keine Frage der Optik: Bauch- und Rückenmuskeln stützen die Wirbelsäule. Schwächen sie durch langes Sitzen (oder anderes), tragen die Wirbel und Bandscheiben die ganze Last.

Obwohl ich früher schon darauf achtete, während der Arbeit in Bewegung zu bleiben und Homeoffice mit Kochen, Wäsche aufhängen und kurzen Pausen unterbrach, reichte das längst nicht aus. Alles begann eigentlich mit einer alten Knöchelverletzung, die unbemerkt zu schlechter Haltung führte – das bestätigten auch die Bilder meiner Wirbelsäule. Klar ist auch: Hätte ich nach dem ersten Hexenschuss ein MRT gemacht und mit Physiotherapie begonnen, wäre ich wahrscheinlich nicht so weit gekommen.

Mein größter Irrtum war aber, lange zu glauben, ich müsse alles allein schaffen. Als ich monatelang fast nur liegen konnte und völlig abhängig war, merkte ich: Die Familie fällt nicht auseinander ohne mich. Alle halfen, hielten mir den Rücken frei, und meine Tochter war viel selbstständiger als gedacht. Das stärkte nicht nur den Zusammenhalt, sondern veränderte auch mich.

Was ich nach der OP über meinen Körper lernte

Nach der Operation hat sich mein Verhältnis zu Arbeit und Körper grundlegend gewandelt. Ich erkannte: Nicht der teuerste Stuhl ist die Lösung, sondern nicht den ganzen Tag in einer Position zu verbringen. Ich nutze jetzt ein Reha- und Koordinationskissen und liege trotz OP noch viel seitlich mit Kissen zwischen den Knien. Auch meine Arbeitspositionen änderte ich bewusst: Ich arbeite nicht nur sitzend, sondern auch stehend und liegend.

Physiotherapeut untersucht die Wirbelsäule einer Frau

Physiotherapie ist jetzt Teil meines Alltags. Nicht, weil ich „muss“, sondern weil ich spüre, wie sehr es hilft. 30 bis 45 Minuten, die ich vor dem Fernseher oder mit Hörbuch machen kann – danach fühle ich mich wie neu geboren. Zusätzlich gehe ich drei- bis fünfmal pro Woche zu Einzelstunden, um mit gezielten Kräftigungs- und Erhaltungsübungen meine Genesung abzuschließen und die Wirbelsäulengesundheit ein Leben lang zu sichern.

Harte Workouts habe ich längst losgelassen. Nicht, weil ich sie nicht weiter machen wollte, sondern weil ich erkannt habe: Unser Körper verändert sich, und wir müssen mit ihm mitgehen. Ich genieße jetzt lieber Home-Workouts, Spaziergänge und alltägliche Bewegungen. Wie wertvoll das wird, wenn man wochenlang nicht mal laufen kann! Falls ich jemals ins Fitnessstudio zurückkehre, dann nur sehr bewusst, weiterhin mit Personal Trainer und mit viel Aufmerksamkeit für meinen Körper.

Das solltest du dir zu Herzen nehmen, bevor es zu spät ist

Die wichtigste Erkenntnis für mich war: Schmerz ist kein Feind, sondern ein Signal. Wenn dein Rücken schmerzt, ist das keine Schwäche, sondern ein Hilferuf. Wenige wissen, dass die Hydration der Bandscheiben entscheidend ist – Wasser trinken ist nicht nur eine „gute Angewohnheit“, sondern Teil der Gesundheit deines Bewegungsapparats.

Wir bringen unser Auto in die Werkstatt, wenn eine Warnleuchte angeht – mit unserem Körper warten wir oft, bis er komplett streikt.

Nach der OP weiß ich genau: Nicht die Prävention ist teuer – egal ob Zeit, Geld oder Aufmerksamkeit. Der wahre Preis ist der Schmerz, die Hilflosigkeit, die verlorene Zeit und die lange Reha, die man unvermeidlich durchmachen muss.

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