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Der „gute Mitarbeiter“ meldet sich sogar mit Fieber. Warum trauen wir uns nicht, krankzumelden?

Schuster Borka3 Min. Lesezeit
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Der „gute Mitarbeiter“ meldet sich sogar mit Fieber. Warum trauen wir uns nicht, krankzumelden? — Gesundheit

Ich finde es sehr ungesund, wenn die Arbeitskultur nicht einmal körperliche Krankheit wirklich zulässt. Wenn jemand krank wird, schreibt er entschuldigend: „Es tut mir sehr leid, dass ich ausfalle“ und fügt am Ende der Mail hinzu: „Falls doch etwas ist, bin ich telefonisch erreichbar“.

Als wäre der Zusammenbruch unseres Körpers nur eine unangenehme Unhöflichkeit gegenüber dem Arbeitgeber.

Aber wenn wir krank sind, dann sind wir krank. Punkt.

Dann sollten wir uns auf uns selbst konzentrieren: auf Heilung, Erholung und darauf, dass unser Körper sein Gleichgewicht zurückgewinnt. Und wenn ein Unternehmen es nicht aushält, wenn wir drei Tage fehlen, dann sind wir nicht das Problem – sondern das System.

Das Problem liegt tiefer. Die Unternehmenskultur hat uns über Jahre in den Glauben getrieben, dass es unsere Pflicht ist, trotz eigener Gesundheit durchzuhalten. Dass der „gute Mitarbeiter“ auch bei Fieber antwortet, bei Schmerzen oder wenn er nicht einmal vom Sofa aufstehen kann. Unsere Grenzen haben wir immer weiter verschoben, während es normal wurde, uns für den Profit zu überlasten und fast stolz zu sagen: „Ich gehe nie krank zur Arbeit“. Als wäre Selbstaufopferung eine berufliche Leistung.

Und wenn wir uns schon bei körperlicher Krankheit so schwer tun, wie soll es dann bei der mentalen Gesundheit aussehen? Dort, wo unsere Beschwerden oft unsichtbar sind, kein Fieber, kein Gips, kein Husten, der beweist, dass unsere Abwesenheit „berechtigt“ ist.

Erschöpfte Krankenschwester sitzt mit Kaffee auf dem Krankenhausflur in Arbeitskleidung

Mentale Gesundheit und Arbeitswelt

Wie viele Arbeitsplätze erlauben es, offen zu sagen, dass der Druck zu groß ist und man ein paar Tage braucht, um wieder zu Kräften zu kommen? Wie viele Chefs hören das verständnisvoll und ohne Kritik? Und wie viele Hausärzte nehmen ernst, wenn man sagt: „Ich bin mental überlastet“ oder „Ich fühle mich sensorisch überreizt, ich halte den Lärm, die Reize, den Stress nicht mehr aus“?

Meistens – seien wir ehrlich – erntet man dafür nur einen verständnislosen Blick oder den bekannten Rat: „Versuchen Sie am Wochenende zu entspannen“. Als ob die anderen Tage nicht zählen würden. Als ob der Druck, den wir täglich tragen, in zwei Tagen einfach verfliegen würde.

Schwarz-weiß-Foto einer Frau mit gesenktem Kopf, die sich den Kopf hält

Unser Körper und unsere Seele funktionieren nicht getrennt. Körperliche Krankheiten entstehen oft nicht zuletzt, weil wir uns jahrelang nicht um unsere mentale Belastung gekümmert haben. Weil wir Stress ansammeln ließen, unsere Grenzen immer wieder überschritten haben. Weil wir uns ausgebrannt haben und dachten, wir schaffen das „irgendwie“. Bis eines Tages die Magenschmerzen beginnen.

Bluthochdruck. Panikattacken. Schwindel. Zittern. Nervliche Beschwerden, die alle schreien: Es war zu viel.

Ist das dann der Moment, in dem Krankmeldung akzeptiert wird? Wenn wir nicht mehr weiterarbeiten können?

Wäre es nicht viel einfacher, menschlicher – und auch viel kosteneffizienter! –, wenn wir unsere eigene mentale Verfassung schon beim ersten Warnsignal ernst nehmen? Wenn wir nicht warten, bis unser Körper erzwingt, was unsere Seele längst signalisiert hat? Wenn Gesellschaft, Arbeitswelt, Führungskräfte und Ärzte verstehen würden: Mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche. Und beides sollte Grund genug sein, um sich zu erholen.

Mädchen mit schwarzem T-Shirt mit Aufschrift ‚Mentale Gesundheit zählt‘

Krankmeldung ist kein Bonus, kein Privileg, keine Schande, sondern eine Grundbedürfnis. Mentale Gesundheit ist kein Luxus, sondern die Basis für Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und menschliche Würde. Und wenn ein Arbeitsplatz das nicht versteht, zeigt das nicht unsere Schwäche – sondern dass das System krank ist.

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