Ich wurde Ende der 80er Jahre geboren, genau an der seltsamen Grenze, wo die letzten Momente einer analogen Kindheit auf die digitale Explosion trafen.
Ich spüre förmlich in meinen Zellen die von meinen Eltern geerbte Mentalität „Drück durch, solange du kannst“, während ich neben meinem Kind der Alpha-Generation stehe und versuche, den Code seines Lebens zu entschlüsseln. Ich bin noch mit der Überzeugung aufgewachsen, dass man für etwas mindestens bis zum Umfallen kämpfen muss und Opfer dazugehören, weil „es sich irgendwann auszahlen wird, dass man für andere da war“. Mein Kind folgt jedoch einem ganz anderen inneren Kompass: Manchmal nervt mich sein Selbstbewusstsein mir gegenüber, oft regt es mich aber zum Nachdenken an – und ehrlich gesagt passiert das viel öfter.

Sie sind nicht kaputt, sie haben nur andere Antworten
Ich fühle mich selbst nicht wie ein Relikt, doch manchmal fällt es mir schwer, mich mit der Mentalität der Alphas und der Z-Generation zu identifizieren. Dabei weiß ich genau, dass sie nicht „kaputt“ sind, sondern instinktiv auf diese verrückte Welt reagieren. Natürlich kenne ich auch welche, die einfach bequem vom Erfolg ihrer Eltern profitieren – und ich sehe, wie schwer es meiner Generation und älteren fällt, das zu akzeptieren. Doch bei den meisten Jugendlichen sehe ich keine Faulheit, sondern beeindruckende Bewusstheit. Wie Steigervald Krisztián betont: Diese Generation ist nicht besser oder schlechter als wir, sie ist einfach anders. Aber diese Andersartigkeit schafft manchmal eine so große Kluft, dass ich als Mutter all meine Geduld brauche, um zu verstehen, was mein Kind wirklich antreibt.

Warum jagen sie nicht mehr um jeden Preis dem Abschluss hinterher?
Als Elternteil schnürt sich mir oft der Magen zu, wenn ich sehe, dass mein Kind nicht mit vollem Einsatz lernt. Eigentlich steckt es kaum Mühe hinein: Seine Noten verdankt es bisher Glück und Talent, aber ich vermute, dass uns die Phase des Auswendiglernens noch überraschen wird. Doch wenn ich genauer hinschaue, verstehe ich seine Logik: Sie sehen längst, dass ein Abschluss nicht die Welt rettet. Die Preise für Wohnungen und Lebenshaltungskosten sind so hoch, dass die versprochene „sichere Zukunft“ für junge Menschen nur eine ferne Illusion ist – zugegeben, auch für uns war sie das, und für sie erst recht.
Ihr Einwand ist völlig berechtigt: Warum sollten sie sich bis zur Erschöpfung quälen, wenn die Perspektiven so unklar sind?
Sie stellen Fragen, die wir uns oft nicht einmal selbst getraut haben – deshalb haben wir auch keine guten Antworten, sondern wiederholen nur die müden Sprüche unserer Eltern.
Die Grenze ziehen – für mich immer noch eine Herausforderung
Was für mich oft wie Faulheit oder Bequemlichkeit aussieht, ist für sie ein sehr bewusster Schutzwall für ihre mentale Gesundheit. Sie sind nicht mehr bereit, für Erfolg auszubrennen und sprechen mit einer Selbstverständlichkeit über Ängste, die wir uns wünschen könnten. Meine zehnjährige Tochter besteht nach der Schule fest darauf, Zeit zum Abschalten zu haben.

Manchmal schaue ich neidisch auf diese Entschlossenheit und versuche mir bewusst zu machen: Sie lernt abends nicht, weil ihr die Zukunft egal ist, sondern weil sie weiß, dass es keinen Sinn macht, wenn sie so müde ist. Sie priorisiert jetzt schon ihr eigenes Wohlbefinden! Interessant, wenn man darüber nachdenkt, wo wir mit dem gleichen Alter waren: Wir haben gerade gelernt, unsere Bedürfnisse zugunsten der Pflichten zu unterdrücken.
Die neuen Regeln des Respekts
Ich erlebe, dass das „Warum“ bei jungen Menschen alles andere übertrumpft. Wenn sie keinen direkten Nutzen oder sofortigen Sinn in einer Aufgabe sehen, machen sie nicht mit. Sie suchen authentische Menschen und sinnvolle Ziele, während sie wissen, dass sich die Welt innerhalb eines halben Tages so drehen kann, dass sie wieder ganz von vorne anfangen müssen – egal wie viel Energie sie vorher investiert haben. Kürzlich sprach ich mit zwei älteren Bekannten, die fest davon überzeugt waren, dass Respekt „automatisch“ mit dem Alter kommt. Ich akzeptierte ihre Sicht, aber meine Meinung kam nicht an: Menschenwürde steht jedem zu, doch echten Respekt und Anerkennung muss man sich meiner Ansicht nach verdienen, egal wie viele Jahrzehnte man zählt.
Dieses Gespräch war der Moment, in dem ich die Generationskluft wirklich spürte, obwohl uns nur wenige Jahre trennten. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Schule wider. Im starren System von heute fühlen sich Kinder oft mit ihren Fragen allein. Ich erinnere mich, dass wir das auch so erlebt haben: Wir spürten die Mauern, fügten uns aber schweigend, weil wir glaubten, es gäbe keinen anderen Weg. Sie hingegen wollen sich nicht mehr einsam an ein System anpassen, das ihre „Warum“-Fragen nicht beantwortet.
Die Brücke zwischen den Generationen entsteht nicht durch völlige Übereinstimmung, sondern durch die Neugier, mit der wir aufeinander zugehen. Manchmal ist dieser Perspektivwechsel anstrengend, aber am Ende entsteht eine ehrlichere und freiere Verbindung. Unser Ziel ist schließlich nicht, dass unsere Kinder genauso erschöpft sind wie wir, sondern dass sie glücklicher sind.











