Als Teenager habe ich die Folgen von Friends und Sex and the City geliebt. Ich saß vor dem Fernseher und war fest davon überzeugt, dass das Leben genau so aussehen würde: Als Erwachsene hätte ich einen festen Freundeskreis, mit dem wir jeden Samstag brunchen; bei dem man einfach so, ohne anzuklopfen, in die Wohnung spaziert; und die langsam eher Familie als Bekannte werden würden.
Ich sehnte mich nach Freundschaften, die jede Lebenslage überstehen, die sich ganz natürlich in mein Leben einfügen und bei denen ich nie darüber nachdenken müsste, „belaste ich die andere Person gerade?“.
Auch als Erwachsene wünsche ich mir diese Verbindungen – vielleicht sogar noch mehr, weil ich jetzt weiß, wie selten sie sind. Gleichzeitig sehe ich heute: Serien vermitteln ein ebenso verzerrtes Bild von Freundschaft wie perfekt retuschierte Models in Unterwäschewerbung vom weiblichen Körper. So wie keine Frau in irgendeiner Pose keine Orangenhaut an den Beinen hat, sind echte Erwachsenenfreundschaften nicht einfach selbstverständlich. Nicht, weil wir uns nicht wichtig wären. Sondern weil unser Leben – einfach gesagt – komplex ist.
Mit dem Erwachsensein wächst leise und heimlich die Verantwortung
Job, Partnerschaft, Kinder, Haushalt, alternde Eltern, finanzielle Entscheidungen, chaotisches Zeitmanagement. Diese Faktoren rauben nicht nur Zeit, sondern auch mentalen Raum. Die Vorstellung vom gemeinsamen Brunch am Samstag bleibt verlockend, doch in Wirklichkeit braucht die Organisation eines Treffens etwa fünf Nachrichten hin und her – und trotzdem kann jederzeit etwas dazwischenkommen: Ein Kind bekommt Fieber, der Chef ruft zurück oder jemand ist so erschöpft von der Woche, dass er einfach nur still auf dem Sofa liegen möchte.
Nicht, weil die Freundschaft nicht mehr wichtig wäre, sondern weil das Leben uns manchmal die Energie raubt.

Als Erwachsene wird es immer schwieriger, unsere Zeitpläne aufeinander abzustimmen, die To-dos werden mehr und spontane Momente seltener. Unsere Freundschaften reduzieren sich oft auf immer seltenere, dafür umso wertvollere Treffen. Und hier kommt die Erkenntnis: Es geht nicht darum, wie oft wir uns sehen oder wie sehr unser Leben der idealisierten Serienwelt ähnelt. Sondern darum, dass wir uns Zeit füreinander nehmen – auch wenn es viel weniger und viel schwieriger ist, als wir es aus Serien erwartet hätten.
Ich bin dankbar für meine Freundinnen, auch wenn ich nicht auf die Idee käme, sie um drei Uhr morgens anzurufen, um die neueste Wendung in meinem Liebesleben zu besprechen. Ich weiß trotzdem, dass sie da sind, wenn ich sie wirklich brauche. Und ich werde auch für sie da sein.
Und vielleicht ist das der wahre Kern einer Freundschaft im Erwachsenenalter: Nicht die ständige Präsenz, sondern die beständige Absicht. Das Bemühen, dem anderen einen Platz im Leben zu geben – auch wenn das nicht mehr so einfach ist wie in Serien. Aber genau das macht es doch so schön. Dass wir trotz aller Schwierigkeiten und Umstände zueinander halten und wenn wir endlich zusammen sind, alle wissen: Das ist ein ganz besonderer Moment, für den wir alle etwas getan haben. Weil wir uns wichtig sind.











