Ich hatte es gefühlt viel leichter als meine Freundin, denn ich musste mein Zuhause nicht wirklich verlassen. Ich konnte flexibel von zu Hause aus arbeiten, ohne dass meine Tochter in die Kita musste. (Flexibel heißt hier: Sobald sie schlief, saß ich schon am Laptop.)
Mir hallt noch der warnende Satz meiner damaligen Buchhalterin im Ohr: „Du wirst es bereuen, wieder arbeiten zu gehen, das ist bei allen so, die ich kenne!“ Sie hätte nicht falscher liegen können! Ich war motiviert, nicht nur, weil wir mitten in der Hausrenovierung steckten und das Geld brauchten. Ich suchte auch etwas anderes – etwas, das mir half, mich wieder mit dem Teil von mir zu verbinden, der nicht nur Mutter, sondern auch Frau, Fachkraft und aktiver Teil der Gesellschaft ist, auch wenn ich gerade etwas isoliert lebte. Und weißt du was? Rückblickend war es eine meiner besten Entscheidungen, nicht auf sie zu hören – und sie sogar auszutauschen. Heute weiß ich, dass ich damit nicht nur mir selbst, sondern auch meiner Familie und meiner Tochter einen Gefallen getan habe.
Was sagt die Wissenschaft dazu?
Eine Studie der Harvard Business School bestätigt genau das. Kinder, die mit berufstätigen Müttern aufwachsen, können als Erwachsene erfolgreicher sein – und das nicht nur im Job. Laut Forschung haben Töchter von Frauen, die während der Erziehungsjahre (teilweise) gearbeitet haben, eine 4,5 % höhere Wahrscheinlichkeit, selbst berufstätig zu sein. Sie erreichen häufiger Führungspositionen und verdienen mehr als jene, deren Mütter zu Hause geblieben sind.
Und wie sieht es bei den Jungs aus? Die Studie zeigt, dass auch sie von der Erwerbstätigkeit ihrer Mütter profitieren: Sie übernehmen eher Hausarbeit und verbringen mehr Zeit mit der Familie – werden also als Erwachsene einfühlsamere und gleichberechtigtere Partner.
Kathleen McGinn, die Studienleiterin, erklärt: „Berufstätige Mütter schaffen ein Umfeld, das in den Köpfen der Kinder neu definiert, was weiblich oder männlich ist“. Mädchen sehen, dass man fürsorglich und zielstrebig zugleich sein kann, Jungen lernen, dass häusliche Präsenz keine „Hilfe“ ist, sondern ein natürlicher Teil der Partnerschaft.

Es geht um mehr als Gehalt oder Partnerschaft
Die Studie zeigt, dass Töchter berufstätiger Mütter in den USA im Schnitt jährlich 5200 Euro mehr verdienen. Noch wichtiger ist jedoch, dass diese Kinder sehen, wie eine Frau ihre Ziele verfolgt und gleichzeitig liebevolle Elternschaft lebt.
Addie Gundry, Mitgründerin von Pluie, bringt es so auf den Punkt: „Ich verdiene nicht nur Geld für meine Familie – ich zeige meiner Tochter auch, wie man mit Leidenschaft und Engagement lebt. Meine Karriere widerspricht meiner Mutterschaft nicht, sie ist Teil von dem, was ich bin.“
Genau so habe ich es auch empfunden. Damals arbeitete ich bei einem Baby-Mama-Magazin, und es war fast wie Therapie für mich, anderen Müttern genau das zu schreiben, was ich selbst gerade erlebte. Ich wusste, dass ich Geld verdiente, indem ich mir selbst und anderen Frauen half, die genau verstehen, welche körperlichen und seelischen Herausforderungen diese Zeit mit sich bringt.
Und was ist mit dem schlechten Gewissen wegen der Arbeit?
Ja, das gehört dazu. Berufstätige Mütter fühlen oft, sie geben nicht genug – weder ihren Kindern noch ihrem Job. Doch Studien zeigen: Indem du arbeitest, unterstützt du deine Familie nicht nur finanziell, sondern bereicherst langfristig auch das Leben deiner Kinder. Der äußere Druck lässt viele Eltern mit Schuldgefühlen kämpfen – als müsste man sich entscheiden: Entweder Mutter oder selbstverwirklichte Frau. Dabei ist es gerade das wertvollste Vorbild für unsere Kinder, wenn sie sehen, dass man mehrere Rollen gleichzeitig leben kann.
Das heißt nicht, dass jede Mutter arbeiten muss! Es gibt keinen einzigen richtigen Weg. Aber wenn du arbeitest – aus Notwendigkeit, Berufung oder Selbstverwirklichung – dann weiß: Was du tust, zählt und kann ein großartiges Beispiel für deine Kinder sein! Die erfolgreichsten Kinder wachsen nämlich bei Müttern auf, die authentisch sind. Die mutig vorangehen, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Ob du Karriere machst, ein Unternehmen gründest, einen neuen Beruf lernst oder einfach Selbstbewusstsein vorlebst – dein Kind schaut zu. Und was es sieht, prägt es!











