Für uns steht mehr auf dem Spiel als nur Geld …
Zum Lachen
Mein Chef – ein wohlhabender Mann Mitte fünfzig – ließ sich gerade scheiden und bemitleidete sich jeden Tag selbst. Er sei doch derjenige, der für alles gearbeitet habe, während seine Frau „17 Jahre lang nur zu Hause gewesen sei". Wie ungerecht, dass er ihr jetzt die Hälfte seines Vermögens abgeben müsse.
Nach dem fünften Monolog dieser Art klärte ich ihn mit einem freundlichen Lächeln auf: Diese Frau habe seine Kinder großgezogen und sei 17 Jahre lang Köchin, Kinderbetreuerin, Haushälterin, persönliche Assistentin, Familientherapeutin und Managerin in Personalunion gewesen. Und das alles ohne freien Tag, ohne ein liebes Wort, ohne Wertschätzung und nicht zuletzt ohne Gehalt. Meiner Meinung nach hätte sie sogar mehr als die Hälfte des Vermögens verdient.
Mein Chef schaute mich mit offenem Mund an – und brachte dieses Thema nie wieder zur Sprache.
Die Bilanz
Als unsere Scheidung ausgesprochen wurde, dachte ich, was für ein Luxus es doch sei, dass mein Mann nur wegen ein bisschen Geld trauern musste. Dieser widerliche Kerl hatte tatsächlich die Frechheit, mir entgegenzuschleudern: „Ich hätte ihn nur wegen seines Geldes ausgenutzt."
Ich antwortete mit ruhiger Stimme, dass er weitaus besser weggekommen sei als ich – denn bei mir seien jahrelang mein Körper, meine Zeit und mein Seelenfrieden ausgenutzt worden.
Die größte Angst
Nach unserer Scheidung erzählte mein Ex-Mann jedem in unserem Bekanntenkreis, was für eine Goldgräberin ich sei, weil er mich aus der gemeinsamen Wohnung auszahlen musste. Eine so große Goldgräberin war ich, dass ich mir von der Hälfte unserer Innenstadtwohnung eine heruntergekommene Einzimmerwohnung am Stadtrand kaufen konnte – dafür hat es sich wirklich gelohnt, meine Jugend an diesen Rüpel zu verschwenden …
Zwei Welten, zwei Verluste
Als mein Bruder mitten in seiner Scheidung steckte, jammerte er, weil er seine kleine Angelhütte verkaufen musste, um seine Frau aus der Wohnung auszahlen zu können. Die Angelhütte, in die er höchstens zweimal im Jahr fuhr. Das war sein großer Verlust.
Mein Einsatz bei der Scheidung fiel ein wenig höher aus, denn bei mir stand buchstäblich mein Leben auf dem Spiel – mein Ex-Mann drohte mir, mich umzubringen, sollte ich ihn verlassen. Und das waren von seiner Seite keine leeren Worte.
Ich glaube, das Einzige, was ihn zurückhielt, war die Ansage meines Onkels – ein Mann mit einflussreichen Kontakten –, der ihm klarmachte: Sollte mir etwas zustoßen, sei die Mutter meines Ex-Mannes die Nächste …
Ja, ich weiß, das Ganze war schrecklich. Ich bin um zehn Jahre gealtert, während das Scheidungsverfahren lief: Ich konnte nicht essen, nahm ab, konnte nicht schlafen, war nervlich völlig am Ende. Und bis heute komme ich nicht zur Ruhe, weil ich mich vor seiner Rache fürchte. Aber mein Bruder trauert bis heute seiner Angelhütte nach, na klar …
Das eigentlich Interessante
Männer fürchten bei einer Scheidung einzig und allein, Geld zu verlieren – denn das ist der einzige Bereich, in dem sie sich verletzlich fühlen. Eine Frau dagegen verliert viel mehr: Sie bekommt die harte Arbeit, die sie in die Beziehung gesteckt hat, niemals zurück.
All die Zeit, in der sie alles regelte und im Leben des Mannes löste, der einfach nur existieren musste – weil sie die gesamte praktische und emotionale Arbeit leistete. Die Frau gab nur, er nahm nur: auf körperlicher, seelischer, mentaler, spiritueller und sozialer Ebene.
Als sie ihm ihren Körper schenkte, obwohl sie erschöpft war. Als sie ihm zuhörte, ihn tröstete, ihm Mut zusprach. Als sie die Treffen mit Familie, Freunden und die romantischen Abende organisierte. Als sie sich um Haus, Auto, Arzttermine und alles andere kümmerte. Als sie ihm seine Fehltritte verzieh.
Männer bangen nur um ihr Geld – dabei ist Geld die Ressource, die sich am leichtesten ersetzen lässt. Frauen aber bringen etwas in die Ehe ein – Liebe und Fürsorge –, das sich nicht so einfach ersetzen lässt.
Warum verliert eine Frau bei einer Scheidung oft mehr als ihr Mann?
Weil ihr Einsatz selten nur finanziell ist. Jahre voller unbezahlter Fürsorge, emotionaler Arbeit und Selbstaufgabe lassen sich nicht in einer Vermögensteilung zurückholen.
Was ist mit „Emotionsarbeit" in einer Beziehung gemeint?
Damit ist all die unsichtbare Arbeit gemeint: zuhören, trösten, Termine und Treffen organisieren, sich um das Wohl aller kümmern. Im Artikel trägt diese Last über Jahre allein die Frau.
Warum sagt die Autorin, Geld sei die am leichtesten ersetzbare Ressource?
Weil Geld wieder verdient werden kann, während verlorene Jahre, Gesundheit und Seelenfrieden sich nicht so einfach zurückgewinnen lassen.











