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Frauen als Friedensstifterinnen – Eine Rolle, die ich meiner Tochter nicht weitergeben werde

Barbara Weber3 Min. Lesezeit
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Frauen als Friedensstifterinnen – Eine Rolle, die ich meiner Tochter nicht weitergeben werde — Familie

In vielen Familien gilt es seit Generationen als selbstverständlich, dass Frauen die Konflikte schlichten. Mütter, Großmütter, Schwestern und Ehefrauen übernehmen seit Jahrhunderten eine unsichtbare, aber zentrale Rolle: Sie sind die Friedensstifterinnen, die familiären Feuerwehrfrauen, die zwischen streitenden Verwandten sitzen oder am Telefon beiden Seiten zuhören, um den Familienfrieden zu bewahren.

Diese Rolle erscheint oft so selbstverständlich, dass wir kaum wahrnehmen, welche Last wir denen aufbürden, die hineinschlittern – oder hineingeboren werden.

Ich selbst habe schon sehr früh gelernt, dass Konfliktlösung bei uns zu Hause nicht Sache der Erwachsenen war, sondern oft meine Aufgabe. Häufig hörte ich Sätze wie: „Geh und sag deinem Vater…“ oder „Sag deiner Mutter, dass…“. So wurde mir schnell klar, dass zwischen meinen Eltern zu vermitteln eine bessere Strategie ist, als den Konflikt weiter eskalieren zu lassen. Warum das meine Aufgabe war? Das habe ich damals noch nicht hinterfragt. Heute umso mehr.

Diese Gewohnheit, dieser Reflex begleitet viele von uns bis ins Erwachsenenleben. Ich kann mir vorstellen, dass bei den meisten familieninternen Weihnachtsessen mindestens zwei Verwandte sind, die nur an einen Tisch gebracht werden können, wenn eine Frau dazwischen sitzt: jemand, der die Sticheleien glättet, das Gespräch umleitet oder einfach die Spannung für sich behält. Familienfeiern werden oft schon Tage vorher von einem Anruf-Tsunami überschattet, in dem Frauen – Mütter, Töchter, Ehefrauen – . Und sie versuchen, Frieden zwischen Menschen zu schaffen, die ihre Probleme eigentlich selbst lösen müssten.

Zwei Frauen unterhalten sich auf dem Sofa

Eine Rolle, die selten Wertschätzung erfährt

Das Problem ist nicht, dass jemand gut im Konfliktmanagement, empathisch oder friedliebend ist. Das Problem ist, dass diese Rolle selten anerkannt wird und diese Menschen oft ausgenutzt werden. Die „familiären Friedensstifterinnen“ werden häufig nicht als Vermittlerinnen gesehen, die echte Entwicklung ermöglichen, sondern als emotionale Mülltonnen. Personen, denen man all den Groll anvertraut, den man eigentlich nicht direkt aussprechen will oder kann. Dann ist die Friedensstifterin kein Katalysator für Wachstum, sondern ein emotionaler Boxsack, der die Wut anderer abfängt und verständnisvoll nickt.

Diese Rolle ist auf Dauer extrem erschöpfend. Sie raubt die Freude an gemeinsamen Momenten, weil die Person, die als Blitzableiter fungiert, ständig auf Abruf ist: Wann muss der nächste Konflikt gelöst werden? Wann kippt das Gespräch in Spannung? Wann muss wieder „geschlichtet“ werden?

Dabei gehört diese Belastung nicht zum Frausein, ist keine natürliche Gabe und keine „Frauenarbeit“. Es ist eine gesellschaftliche Erwartung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird – und die es jetzt zu hinterfragen gilt.

Genau deshalb habe ich beschlossen, bewusst darauf zu achten, diese Rolle nicht an meine Tochter weiterzugeben. Ich erziehe sie nicht dazu, Friedensstifterin zwischen Menschen zu sein, die nicht miteinander reden wollen.

Frau sitzt vor Laptop und reibt sich die Augen

Ich bringe ihr bei, dass wir bei Konflikten um Hilfe bitten können, aber jede Partei selbst Verantwortung für die Lösung tragen muss. Negative Gefühle an jemandem auszulassen – besonders an einem Kind – ist keine Entwicklung, sondern Lastenweitergabe. Deshalb lasse ich nicht zu, dass andere Familienmitglieder über sie Nachrichten austauschen oder sie für emotionale Erpressung benutzen.

Ich hoffe, dass die nächste Generation – ihre Generation – viel bewusster mit Konflikten umgeht. Sie lernt, dass Gefühle auszudrücken nicht bedeutet, sie auf jemanden zu kippen und zu erwarten, dass dieser sie löst. Dass Meinungsverschiedenheiten gelöst werden können, ohne eine dritte Person als Puffer dazwischenzuschieben.

Die früheren Generationen müssen – ob sie wollen oder nicht – lernen, ihre eigenen Konflikte zu bewältigen. Denn meine Tochter wird ihre Lasten nicht mehr tragen. Sie wird nicht die Friedensstifterin der Familie sein, sondern ein Mensch, der weiß, dass Frieden eine gemeinsame Verantwortung ist – und keine vererbte Aufgabe einer einzigen Frau.

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