In letzter Zeit hatte ich immer öfter das Gefühl, nicht richtig schlafen zu können. Ich gehe rechtzeitig ins Bett, halte mich an alle „schlaffreundlichen“ Regeln: kein Handy vor dem Schlafengehen, kein Kaffee nach 16 Uhr, abends zünde ich eine Kerze an und lese ein Kapitel in einem Buch. Trotzdem, wenn ich endlich die Augen schließe, drehen sich meine Gedanken weiter. Kennst du das Gefühl, wenn du im Bett liegst und genau weißt, dass jede wache Minute deine Leistung am nächsten Tag verschlechtert? So ging es mir. Wenn du wissen willst, was mir geholfen hat, lies weiter!
Eines Abends beim Duschen habe ich ganz zufällig etwas Neues ausprobiert. Ich vergaß, das Licht anzuschalten, und nur das schwache Licht von draußen fiel ins Badezimmer. Anfangs war es ungewohnt, ich wollte reflexartig den Schalter betätigen, doch dann hielt ich inne. „Was wäre, wenn ich es so lasse?“ – dachte ich. Und so begann meine erste echte Dusche im Dunkeln.
Die ersten Momente waren ungewohnt. Ich sah den gewohnten Dampf nicht, konnte nicht beobachten, wie meine Haare durch den Dampf lockiger wurden, und hatte keine visuellen Anhaltspunkte.
Stattdessen wurden all meine Sinne geschärft. Ich hörte, wie das Wasser gleichmäßig auf die Fliesen trommelte. Ich spürte, wie das warme Wasser meinen Rücken hinunterlief, und jeder Tropfen schien mich mehr zu beruhigen. Auch die Düfte wirkten intensiver – das Vanillearoma meines Duschgels kam plötzlich viel lebendiger bei mir an.

Die größte Veränderung aber geschah in mir. Das Duschen im Dunkeln fühlte sich an, als hätte ich mich komplett von der Außenwelt gelöst. Keine Ablenkungen, kein Blick auf die schmutzige Wäsche in der Ecke, keine Produkte auf dem Badezimmerregal. Nur ich, das Wasser und die Dunkelheit. Diese Art sinnliche Isolation bremste mich komplett runter und brachte mich in einen so ruhigen, meditativen Zustand, wie ich ihn im Licht nie erlebt hatte.
Als ich fertig war, war ich überrascht, wie anders ich mich fühlte.
Ich hatte keine Lust, mich durch Scrollen am Handy wieder hochzupuschen, wollte keine Musik hören – ich wollte einfach nur ins Bett. Und das Überraschendste: Ich schlief tatsächlich schneller ein.
Natürlich nicht von jetzt auf gleich, aber statt der üblichen Stunde des Hin- und Herwälzens schlief ich innerhalb von Minuten ein.
Ermutigt von diesem Experiment wiederholte ich es in den folgenden Tagen öfter. Die Wirkung war nicht immer gleich stark, manchmal waren die wirbelnden Gedanken im Kopf stärker, doch jedes Mal fühlte ich mich nach der dunklen Dusche ruhiger und friedlicher im Bett. Es war, als hätte ich mir ein kleines Ritual geschaffen, das mir hilft, den Tag abzuschließen.
Zwischenzeitlich habe ich auch recherchiert, was dahinterstecken könnte. An mehreren Stellen las ich, dass Dunkelheit an sich ein Signal fürs Gehirn ist, sich auf Ruhe einzustellen. Das Fehlen von Licht fördert die Melatoninproduktion, die den Schlaf steuert. Außerdem, wenn ein Sinn (hier das Sehen) zurücktritt, werden die anderen schärfer, sodass du dich besser auf den Moment konzentrieren kannst. Genau das habe ich erlebt – eine einfache Dusche bekam eine ganz neue Dimension.
Seitdem ich anstrengendere Tage habe oder merke, dass ich zu sehr aufgedreht bin, wähle ich oft die dunkle Dusche. Sie ist nicht jeden Abend Routine, aber eine geheime Waffe, die ich jederzeit ziehen kann, wenn ich den Ausschalter in mir nicht finde. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich mir am Tagesende ein privates Wellness-Erlebnis gönnen, das nichts kostet – nur eine kleine Entscheidung: das Licht auszulassen.
Und das Beste daran? Ich fühle mich nicht mehr völlig hilflos gegenüber schlaflosen Nächten. Es gibt etwas, worauf ich zurückgreifen kann, das hilft und zudem ein kleines, fast geheimnisvolles Erlebnis schenkt. Also, wenn du das nächste Mal nicht einschlafen kannst, probiere es aus: Stell dich unter die Dusche, mach das Licht aus und lass die Ruhe der Dunkelheit auf dich wirken. Vielleicht ist genau das, was du brauchst.











