Vielleicht ist es keine Überraschung, aber als alleinerziehende Mutter ist Kindererziehung kein Spaziergang. Es erfordert ständige Präsenz und Verantwortung, ohne einen Partner, der einspringt, wenn ich erschöpft bin.
Das Schwierigste daran ist wohl, dass ich niemanden habe, mit dem ich mich wenigstens ab und zu austauschen kann. Die meisten Entscheidungen treffe ich allein, oft unter Zeitdruck. Niemand ist da, dem ich meine Tochter auch nur für eine halbe Stunde anvertrauen könnte, wenn ich plötzlich etwas erledigen muss. Solche Situationen verlangen sorgfältige Planung, Organisation und Weitsicht. Das ist mein Alltag, und auch wenn es oft anstrengend ist, habe ich gelernt, damit routiniert umzugehen.
Gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich mich manchmal wie eine Hochstaplerin fühle, wenn Eltern in Partnerschaften mit verständnisvollen Blicken sagen: Sie könnten das sicher nicht, und ich sei eine Heldin! Denn ich weiß, dass ich etwas habe, das ihnen fehlt: Wochenenden, an denen meine Tochter bei ihrem Vater ist. Ich weiß, dass sie dann in Sicherheit und liebevoller Umgebung ist, und das schenkt mir eine Ruhe, die nur Eltern wirklich nachvollziehen können. Für mich sind das Tage, an denen ich wieder das Leben als „erwachsene Frau ohne Kinder“ genießen darf – etwas, womit viele alleinerziehende Mütter nicht rechnen können.
Wie fülle ich die Zeit?
Meine wichtigste Regel: Ich lasse das Wochenende nicht einfach verstreichen. Ich falle nicht in die Falle, es mit Arbeit oder Haushalt vollzustopfen. Diese Stunden gehören mir, und ich fülle sie bewusst mit Leben.
Ein Lieblingsprogramm ist es, ins Kino oder Theater zu gehen – zu Vorstellungen, die ich mit meiner Tochter noch nicht besuchen würde. Ein guter Film oder ein nachdenkliches Stück inspiriert mich, holt mich aus dem Alltag heraus und schenkt mir eine erwachsene Perspektive.
Oft organisiere ich auch Treffen mit Freundinnen. Dann gibt es lange, entspannte Gespräche ohne die Verpflichtung, die Abendroutine eines Kindes zu beachten oder pünktlich nach Hause zu müssen.
Sport gehört ebenfalls zu diesen Wochenenden. Ich gehe gerne auf lange Wanderungen oder mache ein intensiveres Training. Das belebt nicht nur meinen Körper, sondern klärt auch den Kopf.
Manchmal suche ich mir auch ganz allein ein Programm: zum Beispiel eine Ausstellung besuchen oder einfach länger in einem Café sitzen und ein Buch lesen. Solche Momente sind für Eltern selten, denn im Alltag bleibt wenig Raum für stille, mit sich selbst verbrachte Zeit.
Und natürlich gönne ich mir kleine „Luxusmomente“: ein Friseurbesuch, eine Massage oder ein langes, entspanntes Frühstück in meiner Lieblingsbäckerei. Das sind kleine Dinge, die für mich eine große Bedeutung haben. Und ja, ich gehe auch auf Dates. Ohne ins Detail zu gehen: Es ist genauso schön und aufregend wie zu Studienzeiten.
Warum ist das wichtig?
Viele denken vielleicht, solche kinderfreien Wochenenden seien egoistisch, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Diese Tage geben mir Kraft, um im Alltag geduldig, energiegeladen und präsent als Mutter zu sein. Wenn ich mir diese Auszeiten nicht gönnen würde, würde ich leicht in Erschöpfung und Resignation abrutschen.
Diese Balance ist das Geheimnis, warum ich meiner Tochter immer wieder die beste Version von mir geben kann. Denn sie hat mehr davon, wenn ihre Mutter lächelnd und voller Energie ist, statt erschöpft und ausgelaugt.
Glücks-Fakten
Ich weiß, dass viele alleinerziehende Mütter eine ganz andere Realität haben. Viele haben keinen verlässlichen Partner in der Kindererziehung oder der andere Elternteil ist gar nicht präsent. Deshalb fühle ich mich besonders glücklich, dass wir als Eltern – auch wenn wir als Paar nicht funktioniert haben – sehr gut zusammenarbeiten können. Das ist ein Geschenk, für das ich jeden Tag dankbar bin und das meine kinderfreien Wochenenden nicht mit Schuldgefühlen, sondern mit echter Freiheit und Freude füllt.
Und die Wahrheit ist: Mit dieser Situation bin ich vollkommen zufrieden. Ich vermisse es nicht, jede Minute „in der Familie“ zu leben – für mich ist das Leben so komplett: Mutterschaft und Weiblichkeit haben beide ihren Platz.











