Jede Mutter möchte ein gutes Kind großziehen. Aber manchmal zeigen uns unsere Kinder, wie weit wir noch von diesem Ziel entfernt sind – und das auf eine Art, die uns den Atem verschlägt.
Das Problem beginnt vor dem Bildschirm
Kinder verbringen heute mehr Zeit mit Geräten als mit echten Menschen – und das hinterlässt Spuren. Ich habe meinen Sohn beobachtet, wie er mit völlig ausdruckslosem Gesicht zehn weinend-lachende Emojis auf einen Witz tippte. Und ich war dabei, als meine Tochter mit ihrer besten Freundin chattete, die gerade von ihrem Freund verlassen worden war und am Boden war. Meine Tochter schickte ein paar traurige Emojis – und warf das Handy dann gelangweilt beiseite, um zu fragen, was es zum Abendessen gibt.
Ich musste an meine eigene erste große Trennung denken. Meine beste Freundin damals hat mit mir geweint. Echte Tränen. Mir wurde klar: Übermäßiger Bildschirmkonsum ist der Anfang eines echten Empathieproblems.
Die kleinen Dinge zählen mehr als man denkt
Bei uns zu Hause bedanken wir uns für jede Kleinigkeit – wenn das Kind sein Spielzeug aufräumt, den Teller in die Spüle stellt, beim Tischdecken hilft. Wer Dankbarkeit für Mühe zeigt, lehrt das Kind: Du wirst gesehen, was du tust, hat Wert.
Wenn dein Kind einen Wutanfall bekommt, schieb die Gefühle nicht weg. Sag stattdessen: „Ich sehe, dass du gerade einen schwierigen Moment hast." Wer sich selbst verstanden fühlt, lernt mit der Zeit, auch andere zu verstehen. Empathie wächst dort, wo Gefühle ernst genommen werden.
„LOL du armes Stück" – ein Kommentar, der mich aufgeweckt hat
„LOL du armes Stück"
Das hat meine 15-jährige Tochter unter das Video ihrer Lieblings-YouTuberin geschrieben. Die junge Frau – eine Make-up-Influencerin Anfang zwanzig – hatte gerade erzählt, wie sie beim Skifahren gestürzt war und sich das Knie verdreht hatte. Die Reaktion meiner Tochter: dieser Kommentar.
Als ich ausrastete, zuckte sie nur mit den Schultern. „Ist doch nur ein Kommentar, was regst du dich so auf?" Ich fragte sie: „Hast du mal daran gedacht, wie es sich anfühlt, so etwas zu lesen? Du magst dieses Mädchen doch, du schaust jedes ihrer Videos – warum schreibst du ihr dann so etwas?"
Sie hatte keine Antwort. Natürlich nicht – sie hatte schlicht nicht darüber nachgedacht, dass hinter dem Bildschirm ein echter Mensch sitzt, der echten Schmerz empfindet. Ich ließ sie den Kommentar löschen und stattdessen „Gute Besserung" schreiben. Dann haben wir eine Vereinbarung getroffen: Nur positive Kommentare hinterlassen – und wenn ihr etwas nicht gefällt, einfach weiterscrollen. Seit zwei Monaten halte ich das im Blick. Bis jetzt hält sie sich daran.
Vorbild sein – der wirksamste Weg
Als Kinderpsychologin sage ich: Das Wirksamste, was Eltern tun können, ist ein echtes Vorbild zu sein. Kinder ahmen nach, was sie sehen – nicht, was wir ihnen sagen. Wenn du dich vor den Kindern mit deinem Partner streitest, schluck die Verletzungen, die dir auf der Zunge liegen. Sprich stattdessen über Gefühle. Zeig, wie man formuliert, was man empfindet.
Wenn Geschwister streiten, hilft es, abwechselnd zu sprechen – jeder kommt zu Wort, keiner wird übertönt. Mit dieser Arbeit sollte man schon im Kindergartenalter beginnen. Wenn ein Kind ein Spielzeug wegnimmt oder schlägt, erkläre ihm, wie sich das andere Kind dabei gefühlt haben könnte. Und zeig dann gemeinsam, wie man teilt und sich entschuldigt.
Das Mädchen mit dem Salzstreuer
Meine jüngste Tochter ist fünf Jahre alt – ein blondes, zopfiges, aufgewecktes Kind, das alle sofort ins Herz schließen. Witzig, liebevoll, ein echtes Sonnenkind. Umso mehr hat mich erschüttert, was ich eines Tages im Garten entdeckte.
Sie verschwand nach dem Mittagessen regelmäßig mit dem Salzstreuer nach draußen. Ich folgte ihr – und sah entsetzt, wie sie Nacktschnecken mit Salz bestreute. Die Tiere zuckten und wanden sich, während sie weiße Flüssigkeit absonderten, um das ätzende Salz abzuwaschen. Meine Tochter streute fröhlich nach und summte dabei vor sich hin. Sie hatte keine Ahnung, dass sie etwas Falsches tat.
Ich habe sie sofort gestoppt. Später – während wir am Gartenhahn gemeinsam die Schnecken abspülten – habe ich ihr erklärt, dass Tiere Fürsorge und Schutz verdienen, genau wie Menschen. Ich hoffe, diesen Ansatz rechtzeitig gestoppt zu haben. Seitdem behalte ich sie im Blick, wenn sie draußen spielt.
Empathie entsteht nicht von selbst. Sie wird gelernt – durch kleine Momente, ehrliche Gespräche und Eltern, die zeigen, wie es geht.











