Eine Beziehung nach zwanzig Jahren von einem Moment auf den anderen zu verlassen – das ist kein Schritt, das ist ein Riss. Tief, roh, unvorbereitet. In dem Moment, als ich entschied zu gehen, habe ich nicht abgewogen, nicht nachgedacht. Ein Gefühl von Erstickung hatte mich so fest im Griff, dass ich keinen anderen Ausweg sah. Dabei hatte er nichts Böses getan – es war ausgerechnet eine kleine, freundliche Geste, die alles zum Explodieren brachte.
Ein Druck, den ich nicht mehr tragen konnte
Schon ein paar Tage bevor ich die Tür hinter mir schloss, spürte ich, dass in mir eine Spannung wuchs, die ich nicht mehr kontrollieren konnte – weder durch Meditation noch durch Atemübungen. Wenn ich in solche Zustände gerate, hole ich mir normalerweise Hilfe: bei Psychologinnen, Kinesiologinnen, Reiki-Meistern. Auch Hypnotherapie hat mir schon geholfen. Und manchmal reicht ein tiefes, ehrliches Gespräch mit einer guten Freundin.
Diesmal bat ich sofort um Unterstützung. Und bekam sie nicht. Termine in zwei, drei, vier Wochen... Das ist völlig verständlich – jeder hat seinen eigenen Rhythmus, sein eigenes Leben, seine Grenzen. Aber im Nachhinein frage ich mich: Hätte jemand in diesem Moment meine Hand gehalten, wäre ich dann trotzdem wie ein Kugelblitz durch alles hindurchgefegt? Oder hätte mich jemand so weit beruhigen können, dass mein Weggang keine Kurzschlussreaktion gewesen wäre?
Wenn ich mir Zeit und Raum gebe, meine Gefühle zu verstehen und auszusprechen, muss es nicht so enden.
Das Netz, das mich aufgefangen hat
Was mich bis heute beschäftigt und schmerzt: Der andere hat das nicht verdient. Vielleicht ist es wie ein Pflaster abreißen – schnell ist manchmal besser. Aber wenn ich an die Lawine denke, die ich damit losgetreten habe, bin ich da gar nicht sicher.
Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich Menschen um mich habe, die mich nicht fallen ließen. Der Zusammenhalt, den ich erlebt habe, war überwältigend – und er hält bis heute an. Und doch: Ausgerechnet der Mensch, der eine meiner größten Stützen ist, war der Letzte, den ich anrief. Wir waren eine Zeit lang nicht eng in Kontakt. Aber als es wirklich schlimm wurde, wählte ich ihre Nummer – und sie wurde wieder täglich ein Teil meines Lebens.
Die Person, die einfach da ist
Sie ist keine klassische Therapeutin. Naturheilkundlerin, Kinesiologin – oder, wie sie sich selbst beschreibt: Begleiterin zur Selbsterkenntnis, Gesprächspartnerin. Diese Beschreibung trifft es perfekt, denn Ildi ist so vielschichtig, dass man sie in keine Schublade stecken kann. Das Wichtigste aber ist: Sie ist da. Fast immer. Ich weiß, dass sie ein strukturiertes Leben führt – und trotzdem ist sie erreichbar. Gerade in den vergangenen Monaten hat mir das unzählige Male das Gleichgewicht gerettet.
Es braucht nicht immer eine lange Therapie oder einen langen Fragenkatalog. Manchmal reicht einfach die Anwesenheit, das Zuhören, das Wissen: Jemand ist bei dir.
Manchmal reicht ein einziger Satz
Oft brauchte ich wirklich nur einen einzigen Satz. Oder einfach nur die Möglichkeit, laut auszusprechen, was mich drückt – und dann am anderen Ende der Leitung zu hören: „Du weißt doch, dass ich dich liebe." Ildi hat außerdem eine besondere Fähigkeit: Wenn sie merkt, dass etwas nicht stimmt, fragt sie von sich aus nach. Wie es mir geht. Was sie tun kann. Denn das ist auch entscheidend – ob die Person an deiner Seite wirklich weiß, wie sie dich erreicht.
Es gab Krisensituationen, mehrere, manchmal mehrmals am Tag, in denen genau dieser eine Satz, dieses eine Wort dafür gesorgt hat, dass ich wieder den Boden unter den Füßen spürte. Dass ich aufhörte, mich in meinen eigenen Ängsten und Schmerzen zu verlieren.
Hilfe, die nicht erst in drei Wochen kommt
Das Setzen von Grenzen ist wichtig – das lerne ich selbst gerade erst. Und ich weiß, dass niemand immer für alle da sein kann. Aber in einem der schwersten Momente meines Lebens, als ich sofort Unterstützung gebraucht hätte, war sie nicht da – beziehungsweise habe ich mich an die falsche Person gewandt. Echte Unterstützung bedeutet für mich: erreichbar sein. Denn es gibt Momente im Leben, die können nicht auf einen Termin in drei Wochen warten.











