Das Alter bringt oft Seiten von uns zum Vorschein, die wir selbst kaum kannten.
Körpergestaltung
Ich hatte Langeweile und begann deshalb mit meinem Sohn ins Fitnessstudio zu gehen, um mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Ich wusste nicht mal, wofür die Geräte sind, alles musste er mir zeigen. Aus dem Hantelnheben wurde eine überraschende Leidenschaft fürs Bodybuilding. Heute nennen mich die jungen Leute im Studio liebevoll "die muskelbepackte Oma".
Das Tierheim
Ich hatte nie ein Haustier, weil ich in einer kleinen Stadtwohnung aufwuchs und später in Mietwohnungen lebte, in denen Hunde und Katzen verboten waren. Mit 53 zog ich aufs Land, und alles begann mit einem verletzten kleinen Vogel. Es folgten eine kranke Katze, ein aufgegriffener Streunerhund – heute betreibe ich ein kleines Tierheim.
Selbstausdruck
Mein Leben lang arbeitete ich in hohen Positionen, mein Image war Kostüm und High Heels. Als ich aus der Wirtschaft ausstieg, beschloss ich, so auszusehen, wie ich es möchte. Mit 50 ließ ich mir mein erstes Tattoo stechen und mein erstes Piercing (Nase). Heute habe ich 17 Tattoos und 5 Körperschmuckstücke – meine Familie gewöhnt sich langsam daran.
Geschwindigkeit
Ich konnte kaum Fahrrad fahren, als ich Zsolt kennenlernte, der ein Motorrad hatte. Ich sagte ihm, wir seien zu alt dafür, doch er überredete mich so lange, bis ich schließlich aufstieg und mitfuhr. Sofort verstand ich, warum Menschen Motorrad fahren. Obwohl ich mich von Zsolt vor Jahren trennte, fahre ich immer noch – aktuell besitze ich drei Maschinen: eine „Vintage“ Simson, ein Tourenmotorrad und eine 250-ccm-Dirtbike.
DJ Oma
Ich begann, elektronische Musik zu machen – ein unglaublich beruhigendes Hobby. Meine Freundinnen verstehen nicht, warum ich gerade auf Techno stehe, aber ich liebe es.
Kampfkunst
Eigentlich wollte ich Step-Aerobic machen, landete aber zufällig in einem Fitbox-Kurs und war sofort begeistert. Seit sechs Jahren betreibe ich nun ernsthaft Kickboxen. Es ist nicht nur ein tolles Workout, sondern hilft auch, Stress abzubauen.
Genuss
Ich wuchs in einer religiösen Familie auf, heiratete mit 20 und in den letzten 25 Jahren meiner Ehe hatte ich kaum Sex. Dann starb mein Mann, die Kinder zogen aus, und ich blieb allein. Ich surfte stundenlang im Netz und entdeckte Pornos. Anfangs war ich schockiert, denn ich hatte so etwas nie gesehen, doch ich spürte, dass sie etwas in mir bewegten, von dem ich nichts wusste. Ich fühlte, dass ich das auch könnte – vielleicht sogar besser. Ich schickte Fotos an einige Agenturen, eine antwortete, und meine Karriere begann. Ich liebe meinen Job, weil ich ihn nicht des Geldes wegen mache und nur so viel arbeite, wie es mir gut tut. Von Fans bekomme ich viele liebe Nachrichten, und ich blühe auf – zum ersten Mal fühle ich mich wirklich lebendig.
Liebe
Ich begann, mich selbst nicht mehr zu hassen. Ein sehr lohnendes Gefühl – schade, dass ich nicht früher damit angefangen habe.
Kerne, Blätter
Ich war immer ein Metal-Fan mit lila Haaren, eine neugierige Person, die Gartenarbeit als langweilig und bürgerlich abtat. Doch im Alter hatte ich genug von der Stadt und zog ins Umland, wo ich mich um einen Garten kümmern musste, der von mannshohen Unkräutern überwuchert war. Nach ein paar Jahren türmen sich auf meinem Nachttisch Bücher über Gemüse und Blumen, und morgens kann ich es kaum erwarten, in meinen Garten zu gehen. Mein Gemüsebeet und meine Blumenrabatte sind mein kleines Heiligtum, in dem ich stundenlang versinken kann.
Provokation
Von meiner Kindheit bis zur Rente hatte ich immer dieselbe Frisur: langes, glattes braunes Haar mit Pony. Eines Tages kam mir der Gedanke, und ich sagte meinem Friseur, er solle es abschneiden und grün färben. Zehn Minuten musste ich ihm erklären, dass ich es ernst meine. Er machte es, und ich liebe es – als sähe ich jetzt zum ersten Mal so aus, wie ich mich innerlich immer gefühlt habe.











