Früher fühlte sich die Weihnachtsvorbereitung für mich eher wie ein Marathon an als wie eine besinnliche Einstimmung. Während der Lebkuchen im Ofen backte, packte ich schon halbherzig Geschenke ein, rührte am Abendessen und versuchte gleichzeitig den Staubsauger in Gang zu bringen. Das Ergebnis? Leckere, aber hastig gebackene Plätzchen und eine erschöpfte, überforderte Version von mir.
Nach einer Weile wurde mir klar, dass das so nicht weitergehen kann. Wie beim Kochen gelingt das beste Ergebnis beim Backen nur, wenn ich meine volle Aufmerksamkeit darauf richte. Wenn ich mich nicht ablenken lasse, schmecken die Teige nicht nur besser – ich genieße den Prozess auch viel mehr. So entstanden meine geheimen festlichen Backtricks, allen voran: Ich versuche nicht, alles gleichzeitig zu machen.
Die Kraft voller Aufmerksamkeit und der Geschmack von Ruhe
Der größte Wendepunkt war, als ich lernte, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn ich backe, packe ich keine Geschenke ein, sauge nicht und hake keine anderen Aufgaben ab. Ich konzentriere mich nur aufs Backen: auf den Duft des Teigs, die Bewegungen meiner Hände und die Weihnachtslichter in der Küche.
Wenn ich so backe, gelingt alles irgendwie besser – und nicht nur das Ergebnis. Das Backen wird selbst zur Entspannung. Das ist eines meiner wichtigsten festlichen Geheimnisse: Ich hetze nicht, sondern bin präsent.

Schnelle, aber von Herzen gemachte Plätzchen
Seitdem überfordere ich mich beim Weihnachtsplätzchenbacken nicht mehr. Wenn die Zeit knapp ist, experimentiere ich nicht mit komplizierten Rezepten, sondern greife zu bewährten, einfachen süßen Leckereien.
Maroniherzen in Schokolade, Sauerkirsch-Rum-Kugeln oder Zserbó-Kugeln sind bei uns Klassiker – schnell gemacht und trotzdem bei allen beliebt.
Damit gibt es keinen Stress, nur Düfte, Geschmack und Freude. An den Rezepten ändere ich meist wenig: höchstens die Würzung oder Form, wenn ich Lust auf eine kleine Neuerung habe.

Der Zauber selbstgemachter Plätzchen
Als gluten- und milchempfindliche Person ist es mir besonders wichtig zu wissen, was in meinen Plätzchen steckt. Selbstgemacht zu backen gibt Sicherheit und Freiheit – ich muss nicht auf meine Lieblingsleckereien verzichten, sondern bereite sie einfach anders zu.
Außerdem hat selbstgemachtes Gebäck für mich immer einen besonderen Zauber: den Duft, die Handarbeit und die liebevollen Gedanken an die, die es probieren werden.
Kompliziertere Rezepte überlasse ich gerne meiner Mutter – sie ist erfahrener und ich sehe, wie sehr sie das Backen genießt. Ich bleibe bei schnellen, „sicheren“ Süßigkeiten und bin damit voll zufrieden.
Weihnachtsmusik, Linzer mit Marmelade und ein bisschen Ruhe
Wenn ich ein paar ruhige Stunden habe, hole ich die Ausstecher hervor, schalte eine Weihnachtsplaylist ein und backe Linzer mit hausgemachter Marmelade. Mal herzförmig, mal sternförmig, manchmal einfach rund – die Form ist nicht wichtig, die Stimmung umso mehr.

Dieses Jahr möchte ich auch die Pistazien-Isler ausprobieren. Da es ein neues Rezept für meine Küche ist, lasse ich es nicht auf den letzten Drücker, sondern plane sogar einen Probelauf ein. So werde ich nicht nervös sein, dass kurz vor den Feiertagen vielleicht ein Blech Plätzchen im Müll landet.
Perfektion ist nicht das Ziel
Ich habe über die Jahre gelernt: Weihnachten geht es nicht um perfekte Plätzchen. Es ist nicht schlimm, wenn der Guss nicht glatt ist oder der Linzer etwas rissig. Wichtig ist, dass es mit Liebe gebacken wurde.
Weihnachten sollte nicht von makellosen Ergebnissen handeln, sondern davon, dass wir zusammen sind – in Ruhe, Gesundheit und Liebe.
Und wenn jemand lieber fertige Plätzchen kauft, ist das auch völlig in Ordnung. Niemand ist „weniger“, nur weil er den Teig nicht selbst knetet. Das Wichtigste am Fest ist, dass jeder seinen Frieden darin findet.
Die süßeste Erkenntnis
Heute, wenn ich die Plätzchen aus dem Ofen hole, rieche ich nicht nur den Duft, sondern spüre auch die Ruhe, die aus Aufmerksamkeit und Präsenz entsteht.
Wenn mich das Weihnachtsbacken eines gelehrt hat, dann das: Man muss nicht alles machen – es reicht, wenn man das, was man tut, mit Liebe macht.











