Der Oktober hat einen eigenen Rhythmus: Man steht im Dunkeln auf, sitzt im künstlichen Licht und merkt gegen halb vier, wie der Körper sich hinlegen möchte. In den Magazinen wird gerade viel über Energie diskutiert, über Eiweiß, über den Säure-Basen-Haushalt, über Kuren aller Art. Mir ist dabei etwas anderes aufgefallen: Die Menschen, die im Herbst gut durch den Tag kommen, machen selten etwas Spektakuläres. Sie essen nur regelmäßiger, wärmer und ein bisschen durchdachter.
Das Frühstück entscheidet über den Nachmittag
Ein Croissant im Stehen oder ein Milchkaffee auf dem Weg zur Bahn ist kein Frühstück, sondern eine Verlegenheitslösung. Der Körper bekommt schnelle Energie, verbraucht sie und meldet sich zwei Stunden später wieder – meistens genau dann, wenn kein Zeitfenster da ist. Wer stattdessen etwas isst, das Sättigendes mitbringt, kommt ruhiger durch den Vormittag: Joghurt oder Quark mit Haferflocken und Birne, ein Ei auf Vollkornbrot, warmer Haferbrei mit Apfel und Zimt.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Kohlenhydrate allein halten kurz, Kohlenhydrate zusammen mit Eiweiß und etwas Fett halten länger. Es muss keine Protein-Zeremonie daraus werden. Ein Löffel Nussmus im Porridge, Käse auf dem Brot, ein Ei zum Rest – das reicht meist schon, um den Vormittag zu stabilisieren.
Warum der Herbstteller anders aussehen darf
Im Sommer isst man fast von selbst leicht und bunt, im Herbst rutscht vieles in Richtung Brot, Nudeln, Käse. Dabei liegt die ganze gute Saison gerade im Regal: Kürbis, Möhren, Rote Bete, Lauch, Fenchel, Kohl in allen Varianten, dazu Äpfel und Birnen. Mein Lieblingstrick für zähe Wochen ist ein Blech Ofengemüse am Sonntagabend – Kürbis, Möhren, Zwiebeln, etwas Öl, Salz, Kreuzkümmel. Daraus werden am Montag eine Suppe, am Dienstag eine Bowl mit Linsen und am Mittwoch eine Beilage zum Ei.
Suppen sind im Herbst überhaupt die unterschätzteste Energiequelle. Sie sind warm, leicht verdaulich, man bekommt viel Gemüse unter und sie lassen sich hervorragend vorkochen. Wichtig ist nur, dass etwas Sättigendes hineinkommt: Linsen, Kichererbsen, ein Löffel Joghurt, geröstete Kerne. Sonst hat man nach einer Stunde wieder Hunger und greift zum Keks.
Die kleinen Dinge, die mehr ausmachen, als man denkt
Trinken: Im Herbst verschwindet das Durstgefühl, während die Heizungsluft weiter trocknet. Eine Kanne Tee auf dem Schreibtisch löst dieses Problem fast von selbst. Licht: Zwanzig Minuten draußen in der Mittagspause bringen dem Körper mehr Signal als jede Lampe im Büro – auch bei Grau in Grau. Koffein: Der Kaffee um fünf wirkt oft noch um elf. Wer schlecht einschläft, kann den Nachmittagskaffee testweise durch Tee ersetzen und nach einer Woche schauen, ob der Morgen leichter wird.
Und schließlich die Essensstruktur: Drei Mahlzeiten mit ruhigem Abstand sind für die meisten Menschen leichter als sieben kleine Snacks, die man nebenbei isst. Nicht, weil Snacken verboten wäre, sondern weil der Körper dadurch nie in den Modus kommt, in dem er wirklich zur Ruhe kommt.
Hilft eine Entgiftungskur wirklich gegen Müdigkeit?
Kuren, Säfte und strenge Programme versprechen viel, liefern aber meist nur einen kurzen Effekt – häufig schlicht deshalb, weil man in dieser Zeit regelmäßiger isst, mehr trinkt und weniger Alkohol konsumiert. Genau diese drei Dinge kannst du auch ohne Kur haben, und zwar dauerhaft. Wenn du etwas ändern willst, ändere lieber den Rhythmus deiner Mahlzeiten als für zehn Tage dein ganzes Leben.
Wann sollte ich mit anhaltender Müdigkeit zur Ärztin gehen?
Wenn die Erschöpfung über Wochen bleibt, obwohl du ausreichend schläfst, regelmäßig isst und dich bewegst, gehört sie ärztlich abgeklärt – ebenso, wenn Symptome wie Kurzatmigkeit, starkes Frieren, Haarausfall oder gedrückte Stimmung dazukommen. Dafür gibt es gute, unaufgeregte Routineuntersuchungen, und niemand muss sich mit Selbstdiagnosen aus dem Internet quälen. Ernährung kann viel unterstützen, aber sie ersetzt kein Gespräch in der Praxis.











