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Versteckte Übergriffe im Spaßgewand – Was tun, wenn ein Störenfried in unserem Freundeskreis auftaucht?

Barbara Weber4 Min. Lesezeit
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Versteckte Übergriffe im Spaßgewand – Was tun, wenn ein Störenfried in unserem Freundeskreis auftaucht? — Lebensstil

Beim Wort „Bullying“ denken viele von uns noch an die Grundschulflure: ein lautes Kind, das anderen das Pausenbrot wegnimmt, hänselt, schubst oder auslacht. Wir neigen dazu zu glauben, das sei eine Altersphase, die man einfach hinter sich lässt. Doch das ist nicht bei allen so. Oft wird es nur raffinierter.

Auch in erwachsenen Gruppen taucht immer wieder jemand auf, der Energie daraus zieht, andere in unangenehme Situationen zu bringen. Nicht unbedingt laut, nicht immer offen aggressiv. Oft wirkt es sogar lustig. „Er macht doch nur Spaß." „Das ist eben sein Stil." „Nimm’s nicht so ernst." Genau darin liegt die Gefahr.

Belästigung im Erwachsenenalter kommt oft verpackt in Humor

Zynische Bemerkungen, passiv-aggressive Witze, Kommentare vom Typ „Ich bin doch nur ehrlich“. Oder jemand, der Entscheidungen anderer nicht akzeptiert: drängt auf einen Schnaps, obwohl du Nein gesagt hast; bohrt so lange an seiner Idee herum, bis alle nachgeben; ist beleidigt, wenn jemand früher gehen möchte. „Na, hält dich die Frau an der kurzen Leine?“ – er lacht, und schon steckt er sein Gegenüber in eine Lage, in der nicht mehr die Person selbst entscheidet, wann sie geht, in der es unangenehm wird, wenn man sich mit dem Partner geeinigt hat, und in der man etwas beweisen soll, wozu man eigentlich keine Lust hat.

Und dann gibt es noch jene Belästiger, bei denen – ob wir es aussprechen oder nicht – Frauen sich einfach nicht sicher fühlen. Die zu nah kommen, zu viel anfassen, zu viel kommentieren oder Fragen stellen, die sie nichts angehen. Wenn jemand sich unwohl fühlt, lachen sie und sagen: „Sei doch nicht so prüde, wir sind doch erwachsene Menschen“. So schaffen sie es, dass nicht sie für die unangenehme Situation verantwortlich sind, sondern die, die sich unwohl fühlen.

Frau drückt den Kopf eines Mannes in eine Torte

Das mag auf den ersten Blick kleinlich wirken. Doch das Muster ist entscheidend. Der gemeinsame Nenner des belästigenden Verhaltens ist, dass Grenzen überschritten werden – und wenn darauf reagiert wird, wird das relativiert.

Es wird veralbert. Umgedreht. Und erreicht, dass sich die andere Person überempfindlich fühlt.

Eine der größten Fallen ist, dass wir selbst „mitspielen“. Wir lachen über den Witz, obwohl uns der Magen zusammenzieht. Wir sagen nichts, wenn es unangenehm wird, weil wir keinen Aufruhr wollen. Wir erklären uns ein: „Ist doch nicht so schlimm“, „Er hat’s bestimmt nicht so gemeint“. Dabei geben wir dem Verhalten ungewollt Legitimität. Indem wir mitmachen – auch passiv – signalisieren wir: Das ist okay.

Doch das ist nicht okay

Es ist nicht nur auf individueller Ebene schädlich, sondern vergiftet auch die Gruppe. Die Anwesenheit des Belästigers verändert die Dynamik: Wir achten darauf, was wir sagen dürfen, wo wir uns hinsetzen, wann wir gehen. Irgendwann muss der Belästiger gar nichts mehr tun, denn wir passen uns von selbst an – er übernimmt die Kontrolle.

Spöttisch lächelndes Smiley-Kissen auf gelbem Sessel

Der erste und wichtigste Schritt ist das Erkennen. Nicht jede unangenehme Person ist ein Belästiger, aber wer regelmäßig an den Grenzen anderer spielt, hat ein Problem, keine Stilfrage. Achte darauf, was nicht nur gesagt wird, sondern was die Worte und die Anwesenheit auslösen. Wenn sich mehrere Menschen in der Gegenwart einer Person verkrampfen, schweigen oder sich später entschuldigen, ist das ein Warnsignal.

Der zweite Schritt ist das Setzen von Grenzen. Das muss keine große Konfrontation sein. Manchmal reicht ein ruhiger Satz: „Bitte hör damit auf.“ „Das ist jetzt nicht lustig.“ „Ich habe Nein gesagt. Ich muss das nicht erklären.“ Belästiger leben oft davon, dass sie niemand stoppt. Wenn das passiert, geraten sie aus der Bahn.

Und vielleicht das Schwierigste, aber Wichtigste: Zusammenhalten. Wenn du siehst, dass jemand ins Visier genommen wird, lass die Person nicht allein. Ein kurzer Satz wie „Ich finde das gerade nicht okay“ kann viel bewirken. Es braucht keinen Heldenmut, nur Präsenz.

Es ist nicht unsere Aufgabe, den Belästiger zu ändern. Aber wir tragen Verantwortung dafür, welches Verhalten wir in unseren Kreisen normalisieren. Frieden heißt nicht immer Konfliktvermeidung. Manchmal bedeutet es, klar zu sagen: Bis hierhin und nicht weiter.

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