Den Großteil meines Erwachsenenlebens habe ich als Freelancer verbracht. Ich war mein eigener Chef: Ich konnte meine Zeit selbst einteilen und nach meinen eigenen Regeln arbeiten. Auch wenn das oft mit Unsicherheiten verbunden ist, war mir diese Freiheit immer mehr wert.
Es gab jedoch eine kurze Phase, in der ich im Büro gearbeitet habe. Erst da wurde mir richtig bewusst, dass ein fester Arbeitsplatz mit Anwesenheitspflicht und ständiger Kontrolle einfach nicht zu mir passt.
Die Wände fühlten sich erdrückend an, das System schnürte mir die Luft ab. Ich wusste: Sobald ich kann, kehre ich zum Freelancer-Leben zurück. Und genau das habe ich getan.
Dann kam Covid, und plötzlich erlebte jeder, wie es ist, wenn die Büropräsenz nicht mehr Pflicht ist, weil das Leben Homeoffice erzwingt. Viele meiner Bekannten, die dem Homeoffice vorher skeptisch gegenüberstanden, entdeckten plötzlich die Vorteile: Sie merkten, dass sie nicht jeden Tag zwei Stunden pendeln müssen, mehr Zeit für die Familie haben und oft sogar produktiver von zu Hause aus arbeiten können.
Doch als die Pandemie abebbte, begannen immer mehr Unternehmen, zur alten Ordnung zurückzukehren. Einige Freunde kündigten deshalb und suchten sich Jobs, bei denen Homeoffice möglich ist. Andere machten Kompromisse: Sie wechselten zu besser bezahlten Firmen, mussten dort aber täglich ins Büro kommen. Diese Geschichten brachten mich zum Nachdenken: Wie viel müsste ich wirklich bekommen, um die Freiheit des Homeoffice aufzugeben?
Mein erster, instinktiver Gedanke war: Für nichts. Denn meine Unabhängigkeit ist mir das Wichtigste. Doch dann dachte ich weiter: Es gibt sicher einen Betrag, der mich überzeugen könnte. Die Frage ist nur, wie hoch.
Als Freelancer zahle ich meine Steuern und Sozialabgaben selbst – eine große Belastung. Selbst wenn ein Arbeitgeber diese übernehmen würde, wäre ich mir nicht sicher, ob ich besser dran wäre. Ich müsste mit dem gleichen Geld auskommen, würde aber meine Freiheit verlieren: wann ich arbeite, wie viel ich reise, in welchem Umfeld ich meine Aufgaben erledige und wann. Insgesamt hätte ich das Gefühl, schlechter gestellt zu sein.
Damit es sich lohnt, ins Büro zurückzukehren, müsste der Arbeitgeber nicht nur meine finanziellen Lasten übernehmen, sondern ich müsste auch spüren, dass der Kompromiss wirklich ausgeglichen ist. Anders gesagt: Ich müsste deutlich mehr verdienen als als Freelancer. Deutlich mehr.
Und ich glaube, da bin ich nicht allein. Wer in den letzten Jahren die Vorteile des Homeoffice erlebt hat, gibt diese Freiheit nur ungern auf. Die gesündere Balance zwischen Arbeit und Privatleben, die Ruhe der eigenen Zeiteinteilung, und dass der Chef nicht acht Stunden täglich Herr und Meister ist, sondern nur das Ergebnis der Arbeit erwartet – das ist eine realistische und faire Erwartung.
Deshalb denke ich: Wenn ein Arbeitgeber mehr will – also nicht nur, dass die Arbeit erledigt wird, sondern auch an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit Präsenz verlangt, obwohl das für die Arbeit nicht nötig ist –, dann ist das ein Luxusanspruch. Und Luxus hat seinen Preis. Wer darauf besteht, dass seine Mitarbeiter im Büro sitzen, muss das auch bezahlen. Nicht nur die Fahrtkosten und das teurere Mittagessen, sondern auch den Verlust der Freiheit der Mitarbeiter.
Ich hoffe sehr, dass andere Arbeitnehmer das genauso sehen und sich der Arbeitsmarkt mit der Zeit daran anpasst. Denn ich glaube fest daran, dass die Zukunft nicht an den Bürostuhl gefesselte Arbeit ist, sondern flexible, vertrauensbasierte Zusammenarbeit. Und ich wünsche mir, dass möglichst viele diese Freiheit und Balance zwischen Arbeit und Privatleben erleben können, die ich als Freelancer genieße.











