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Warum macht mich Ruhe nervös? – Wie ich lerne, mit meinem Trauma zu leben

Schuster Borka3 Min. Lesezeit
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Warum macht mich Ruhe nervös? – Wie ich lerne, mit meinem Trauma zu leben — Lebensstil

Es gibt diesen Moment, der immer wieder in mein Leben zurückkehrt. Kein konkretes Problem, kein Stress, kein Konflikt – und trotzdem spüre ich tief in mir diese leise, hartnäckige Unruhe. Das Gefühl: Das kann so nicht bleiben. Irgendetwas wird schiefgehen.

Lange habe ich das nicht verstanden. Ich dachte, ich bin einfach zu ängstlich – oder ich bin nicht in der Lage, schöne Momente wirklich zu genießen. Ich habe mich sogar ein bisschen dafür geschämt. Wie kann es sein, dass ich ausgerechnet dann nicht zur Ruhe komme, wenn endlich alles ruhig ist?

Irgendwann begann sich das Bild zusammenzufügen. Dieses Gefühl hat nichts mit der Gegenwart zu tun – es kommt aus der Vergangenheit. Es ist nicht so, dass „etwas nicht stimmt". Es ist so, dass mein Körper und mein Nervensystem noch immer so funktionieren, als könnte die Gefahr jederzeit zurückkehren.

Als wäre Ruhe kein sicherer Zustand, sondern nur eine kurze Pause zwischen zwei Spannungsmomenten.

Als ich mir das zum ersten Mal ehrlich eingestanden habe – dass vielleicht ein altes Trauma in mir wirkt – war dieses Erkennen gleichzeitig erschreckend und erleichternd. Erschreckend, weil ich zugeben musste, dass es sich um etwas Tieferes handelt als eine schlechte Angewohnheit. Aber auch erleichternd, weil es endlich eine Erklärung gab.

Ich fing an, diese Momente genauer zu beobachten

Was mir auffiel: In solchen Momenten tauchen keine konkreten Gedanken auf – es ist eher ein körperlicher Zustand. Eine Anspannung, die sich nicht lösen will. Als wäre ich ständig in Alarmbereitschaft. Und dann liefert mein Gehirn schnell passende Geschichten dazu: Was könnte schiefgehen? Wo liegt der Fehler? Was übersehe ich gerade?

Nach einer Weile wurde dieses Muster erschreckend vorhersehbar. Wenn alles gut lief, begann ich fast automatisch nach dem zu suchen, was nicht stimmt. Als könnte ich einfach nicht glauben, dass anhaltende Ruhe wirklich möglich ist.

Aber sobald ich das erkannte, wusste ich auch: Ich kann etwas dagegen tun – auch wenn das Zeit und Arbeit braucht. Das Wichtigste, was ich dabei gelernt habe, ist, zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu unterscheiden. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Denn wenn dieses Gefühl einsetzt, ist es unglaublich überzeugend. Es fühlt sich absolut real an.

In solchen Momenten versuche ich innezuhalten und mich zu fragen: Was passiert gerade wirklich? Gibt es eine echte Gefahr – oder ist es ein vertrauter innerer Zustand, der zurückgekehrt ist? Es gelingt mir nicht immer, das Gefühl sofort „auszuschalten". Aber schon das Erkennen hilft enorm: Ich reagiere gerade nicht auf eine echte, gegenwärtige Bedrohung.

Neu lernen, was Ruhe bedeutet

Hilfreich war auch, dass ich begonnen habe, anders mit Ruhe umzugehen. Früher habe ich in ruhigen Momenten fast reflexartig angefangen, „voraus zu sorgen" – und mir selbst eingeredet, ich würde mich nur auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Heute versuche ich mir bewusst zu machen: Vorausdenken und sich über etwas sorgen, das noch gar nicht passiert ist und vielleicht nie passieren wird, sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Das klappt nicht immer. Es gibt Tage, an denen mich dieses Gefühl wieder einholt und es schwer ist, herauszukommen. Aber ich erschrecke mich nicht mehr so sehr davor wie früher. Ich denke nicht mehr automatisch, dass ich recht habe – und dass wirklich etwas Schlimmes passieren wird.

Und langsam, sehr langsam, beginne ich etwas zu erleben, das sich neu anfühlt: Ruhe als dauerhafter Zustand. Die Erkenntnis, dass man auch ohne ständige Alarmbereitschaft leben kann. Dass Stille nicht der Vorbote eines Sturms ist – sondern manchmal einfach nur Stille. Diesen Gedanken möchte ich zu einem festen Teil meiner Welt machen.

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