Eine Mutter, die den ganzen Tag funktioniert, ist einfach eine Mutter. Ein Vater, der einmal die Windel wechselt, ist plötzlich ein Held. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Eine Mutter berichtet aus ihrem Alltag – und legt dabei eine Doppelmoral offen, die viele kennen, aber selten so klar benennen. Sieben Momente, in denen ihr Mann bejubelt wurde, während ihre eigene Arbeit einfach als selbstverständlich galt.
Der "Gefallen"
Ein paar Monate nach der Geburt nahm ich unsere wöchentlichen Treffen mit den Freundinnen wieder auf. Alle waren hingerissen davon, wie "sehr mein Mann mir hilft", weil er in dieser Zeit zu Hause beim Baby bleibt.
Ich erklärte ihnen, dass er freitags mit seinen Kumpels weggeht – und ich deshalb nicht verstehe, warum man ihn dafür auf ein Podest hebt. Die Antwort? Ich würde ihn nicht genug wertschätzen.
Also stellte ich klar: Das Kind gehört genauso ihm wie mir. Wenn ein Vater auf sein eigenes Kind aufpasst, tut er der Mutter keinen Gefallen – er erfüllt einfach das erwartbare Minimum. Es ist unglaublich: Als Frau musst du dich aufreiben, um eine durchschnittliche Mutter zu sein. Als Mann reicht so wenig, um ein "wunderbarer Papa" zu sein.
Das Idol
Die Mütter auf dem Spielplatz hätten meinem Mann fast ein Denkmal gesetzt, weil er ein paar Mal mit unserer Tochter dort war.
Ich war in derselben Zeit zu Hause mit unserem Sohn, der noch gestillt wurde, kochte, wusch die Wäsche – und schrieb nebenbei an meiner Dissertation. Aber die Anerkennung bekam der Papa. Dafür, dass er das Kind ein paarmal an die frische Luft gebracht hat.
"Nein, wirklich?"
Der Klassenlehrer meines Sohnes sprach voller Bewunderung über meinen Mann. Was war passiert? Er hatte mich nicht telefonisch erreicht – weil ich gerade in einer Besprechung war – und rief deshalb meinen Mann an, um zu klären, wann das Kind zum Training geht.
Und siehe da: "Der Papa wusste es!" Da dachte ich mir nur, wie tief die Messlatte für Väter eigentlich liegt, wenn schon das als Leistung gilt.
Umringt von Fans
Als das Baby drei Monate alt war, hatten wir zum ersten Mal Gäste – enge Verwandte und Freunde. Mein Mann wickelte das Kind, und ich beobachtete, wie sich ein staunender Kreis von Damen um ihn bildete.
In der nächsten Stunde kam jede Freundin, jede Tante und jede Schwägerin zu mir, um mir zu meinem Mann zu gratulieren – was für ein fantastischer Papa er sei. Danach wickelte ich das Kleine ebenfalls. Aber ich hatte keine Fans. Und niemand ging zu meinem Mann, um ihm zu seiner wunderbaren Frau zu gratulieren.
Diese ungleiche Verteilung von Anerkennung zieht sich oft durch den gesamten Alltag – nicht nur beim Wickeln, sondern auch dort, wo es um Beruf und Familie geht.
Die "Karrierefrau"
Sechs Monate nach der Geburt ging ich wieder arbeiten, und mein Mann blieb beim Kind. Er hat eine eigene Firma, die er auch von zu Hause aus leiten kann – er muss nicht ins Büro.
Ich war mittlere Führungskraft in einem Konzern, und nur wenige Monate nach meiner Rückkehr wurde ich befördert. Ratet mal, wie viele mir dazu gratuliert haben. Außer meiner direkten Vorgesetzten (eine Frau mittleren Alters) praktisch niemand.
Stattdessen hörte ich von allen Seiten, mir sei die Karriere wichtiger als mein Kind. Sogar meine Familie und meine Freunde schüttelten den Kopf. Wäre an meiner Stelle ein Vater gewesen, hätten alle gefeiert, wie hart er arbeitet.
Zum Weinen traurig
Ich musste Überstunden machen, deshalb brachte ausnahmsweise mein Mann das Kind zum Arzt. Beim nächsten Kontrolltermin schwärmten die Ärztin und ihre Assistentin mit leuchtenden Augen von dem Papa, der "alles über das Kind wusste!"
Ich fragte mit hochgezogenen Augenbrauen, warum das so eine große Sache sei – es ist doch sein eigenes Kind. Man klärte mich auf: Väter wüssten oft nicht einmal, warum das Kind überhaupt beim Arzt ist (weil die Mutter den Termin gemacht hat), und könnten häufig nicht einmal das Geburtsdatum nennen.
Das ist so traurig. Und stellen wir uns nur einmal vor, was wir im umgekehrten Fall über eine Frau denken würden.
Der "Glückspilz"
Ich fuhr zu einer Beerdigung aufs Land und brach im Morgengrauen auf. Also weckte mein Mann die Kinder und brachte sie zur Schule. (Die Pausenbrote hatte ich am Abend vorher gemacht.)
Am Abend goss ich im Garten die Blumen, als die Nachbarin herüberkam, um mir zu sagen, wie glücklich ich mich schätzen könne, so einen Mann zu haben. "Weil er einen ganz normalen Morgen mit seinen eigenen Kindern hinbekommt?", fragte ich zurück.
Und ich dachte darüber nach: Wer lobt eigentlich mich, wenn ich krank, übermüdet oder todmüde die ganze Familie für einen Urlaub fertigmache – während ich das Frühstück mache, abwasche, die Haustiere versorge, die Zimmerpflanzen gieße und mir noch schnell ein bisschen Make-up auflege? Niemand. Denn das ist ja selbstverständlich.
Warum werden Väter für alltägliche Aufgaben so gefeiert?
Weil die gesellschaftlichen Erwartungen an Väter oft viel niedriger liegen als an Mütter. Dieselbe Handlung – etwa das Kind zum Arzt bringen – gilt bei einem Vater als bemerkenswerte Leistung, bei einer Mutter als bloße Pflicht.
Ist es falsch, engagierte Väter zu loben?
Nein. Das Problem ist nicht das Lob an sich, sondern der Maßstab. Wenn Väter für das gefeiert werden, was bei Müttern als Minimum erwartet wird, offenbart das eine Doppelmoral in der Verteilung von Anerkennung.
Was steckt hinter dieser Doppelmoral?
Traditionelle Geschlechterrollen, die die Fürsorge weiterhin vor allem der Mutter zuschreiben. Deshalb wird ihre Arbeit als selbstverständlich betrachtet, während dieselbe Beteiligung eines Vaters als Ausnahme wahrgenommen wird.
Warum werden berufstätige Mütter oft kritisiert, Väter aber nicht?
Weil bei einer Mutter, die Karriere macht, schnell der Vorwurf fällt, sie stelle den Beruf über das Kind. Bei einem Vater in derselben Situation gilt genau dasselbe Verhalten als vorbildlicher Fleiß.











