Es ist eine der stillen Kränkungen des Erwachsenenlebens: Früher hast du Nächte durchgelesen, heute schaffst du drei Seiten, bevor die Augen zum Handy wandern. Das liegt nicht daran, dass du dumm oder faul geworden wärst. Es liegt daran, dass du den ganzen Tag lang trainierst, alle zwei Minuten den Reiz zu wechseln – und ein Buch verlangt genau das Gegenteil. Die gute Nachricht: Diese Fähigkeit ist nicht weg, sie ist eingerostet. Und sie kommt schneller zurück, als man denkt, wenn man ihr ein bisschen entgegenkommt.
Das Problem ist selten das Buch
Meistens scheitert das Lesen nicht am Text, sondern an der Umgebung. Wenn das Telefon auf dem Sofa liegt, liest du nicht gegen die Geschichte an, sondern gegen ein Gerät, das darauf ausgelegt ist, die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das ist ein unfairer Wettkampf. Ebenso unfair ist der Zeitpunkt: Wer erst nachts um halb zwölf zum Buch greift, wenn der Kopf leer und der Körper schwer ist, hält das für mangelnde Konzentration – dabei ist es schlicht Müdigkeit.
Der erste Schritt ist deshalb unspektakulär: Leg das Handy in einen anderen Raum, nicht nur auf lautlos. Und verschiebe die Lesezeit um eine Stunde nach vorn, auch wenn das bedeutet, dass die Küche noch nicht ganz aufgeräumt ist.





