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Alltag, der für andere ein Fest ist

Elisabeth Müller5 Min. Lesezeit
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Alltag, der für andere ein Fest ist — Lebensstil
In diesem Artikel

Es gibt Momente, in denen das Leben leise, aber unbarmherzig vor Augen führt, wie viel wir jeden Tag übersehen. Das kann ein Gespräch sein oder eine Situation, die uns unerwartet trifft und alles plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Ich konzentriere mich meist auf das Positive – das habe ich mir über Jahre antrainiert, und es hat mich auch durch Tiefpunkte getragen. Doch manchmal stoppt mich die Realität. Nach einer schmerzhaften Erfahrung habe ich zum Beispiel tagelang einfach nur gefeiert, wieder ohne Hilfe gehen zu können.

Ähnlich aufrüttelnd war ein kürzlich gelesener Bericht darüber, welche Aktivitäten für Wohlhabendere alltäglich sind – und wie selten sie für andere ein echtes Fest bedeuten. Plötzlich wurde mir klar, wie viel Glück ich habe. Und das, obwohl ich jahrelang hart dafür gearbeitet habe.

Im Restaurant essen – wenn der Alltag zum Fest wird

Heute ist es fast Routine, ein- bis zweimal pro Woche etwas zu bestellen oder mit Freunden oder zu zweit essen zu gehen. Ich staune immer wieder über die Preise, aber am Monatsende muss ich mir keine Sorgen machen, ob das Budget reicht, wenn ich mal nicht koche.

Statistiken zeigen jedoch, dass für viele Familien schon ein Fast-Food-Abendessen ein „besonderer Anlass" ist.

Die Freiheit beim Einkaufen

Manchmal kaufen wir auch Premium-Lebensmittel, aber ehrlich gesagt bedeutet mir mein eigener Anbau immer mehr als jede glänzende Verpackung – und das, obwohl ersterer viel günstiger ist.

Ich weiß aber genau, dass viele auf günstige Läden angewiesen sind – nicht, weil sie sparen wollen, sondern weil sie müssen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, zum ersten Mal ohne ständiges Preischecken einzukaufen. Doch im Alltag vergesse ich oft, wie groß dieses Geschenk ist.

Lächelnde beste Freunde genießen die Zeit in einer Outdoor-Bar in Deutschland

Reisen – für uns Lebensstil, für andere ein ferner Traum

Wir reisen mehrmals im Jahr: ins Ausland, innerhalb des Landes, überall hin, wo neue Erlebnisse auf uns warten. Es ist fast eine Lebensnotwendigkeit für uns, ständig neue Erfahrungen zu suchen.

Während wir schon das nächste Reiseziel planen und sogar für das kommende Jahr buchen, können sich viele keinen einzigen Urlaub im Jahr leisten.

Privatschule – keine Notwendigkeit, aber eine Möglichkeit

Bei uns kam eine Privatschule nie zur Sprache, wir sahen keinen Bedarf, aber wenn es nötig wäre, könnten wir es ermöglichen. Für andere Familien ist schon der Gedanke daran unerreichbar.

Es sind nicht nur die Schulgebühren, sondern auch alle anderen „Nebenkosten“ (Ausrüstung, Fahrtkosten, Unterkunft), die eine Last darstellen, die sie nicht tragen könnten.

Die Last einer saisonalen Einkaufstour

Wenn ich neue Kleidung brauche oder einfach Lust habe, mein Zuhause aufzufrischen, kann ich das tun. Extra-Ausgaben, ob für den Haushalt oder Autoreparaturen, bringen unsere Stabilität nicht ins Wanken.

Viele scrollen hingegen durch Onlineshops und wissen genau, dass sie ihre Wünsche gerade nicht erfüllen können, so sehr sie es auch möchten.

Privatbehandlungen und Wellness – Selbstfürsorge

Schönheitsbehandlungen haben wir bisher gemieden, aber ich bin sicher, dass wir viel mehr für Gesundheit und Privatbehandlungen ausgeben als der Durchschnitt hierzulande. Das ist eine bewusste Entscheidung: Wir investieren in unser Wohlbefinden.

In diesem Bereich bin ich jedes Mal besonders dankbar, weil ich weiß, wie viele Menschen mit Schmerzen und Unannehmlichkeiten leben, nur weil sie sich die nötigen Facharztbesuche nicht leisten können.

Hausrenovierung

Wir haben schon zweimal renoviert und ich erinnere mich gut daran, wie jeder Euro vom Haus verschlungen wurde, als wäre nichts Selbstverständlicheres. Heute sind wir viel überlegter, aber ein Anstrich oder eine kleine Auffrischung sind Dinge, die wir uns leisten können.

Für andere sind selbst grundlegende Reparaturen oft unerreichbar – während ihre Wohnsituation ohnehin unsicher ist.

Das Auto kann ebenfalls unerreichbar werden

Wir leben in einer Kleinstadt: Wir gehen zu Fuß oder fahren Fahrrad, aber das Auto/die Autos sind ein fester Bestandteil unseres Alltags. Wir müssen beim Tanken nicht rechnen, können den Service nicht aufschieben und alle paar Jahre ein neues Auto kaufen... Doch das ist nicht selbstverständlich.

Für viele ist schon der Unterhalt eines Autos ein Posten, den sie sich nicht leisten können.

Freizeit – wahrer Luxus

Die meisten Menschen müssen ihre knappe Freizeit nutzen, um andere Aufgaben nachzuholen, viele nehmen einen Nebenjob an, um besser über die Runden zu kommen.

Wir haben auch hier Glück: Der Rhythmus, der heute unser Leben prägt, wäre für andere ein Fest. Der eine (oder keine) freie Tag pro Woche wurde ersetzt durch flexiblere Arbeitszeiten, eigene Zeitplanung und die Freiheit, sich öfter einfach mal treiben zu lassen.

Ich möchte nicht aus Schuldgefühlen leben, aber es tut gut, sich bewusst zu machen, dass das, was wir heute als selbstverständlich ansehen, für andere ein außergewöhnliches Fest wäre.

Vielleicht ist genau diese Haltung das, was uns hilft, nicht nur Dinge und Erlebnisse zu besitzen, sondern wirklich präsent zu sein. Nicht zu vergessen, wo wir herkommen, wie viel Arbeit in unseren Erfolgen steckt und wie viele Hürden wir schon gemeistert haben…

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