Bien Logo

Backen bei 30 Grad: Warum der Teig im Sommer streikt – und was wirklich hilft

Deborah Rabbit4 Min. Lesezeit
Teilen:
Backen bei 30 Grad: Warum der Teig im Sommer streikt – und was wirklich hilft — Rezepte
In diesem Artikel

Es gibt diesen Moment, meist an einem Donnerstagabend: Im Fernsehen wird gerade wieder mit Spritzbeutel und Stoppuhr um die schönste Torte gerungen, und plötzlich will man selbst in die Küche. Ich kenne das gut. Nur endet der Impuls im August oft anders als im November – mit Butter, die aus dem Mürbeteig läuft, mit Buttercreme, die vom Tortenrand rutscht, und mit einem Hefeteig, der im Warmen erst wie verrückt aufgeht und dann säuerlich schmeckt. Es ist nicht dein Können. Es ist die Temperatur in deiner Küche.

Butter ist im Sommer eine andere Zutat

Fast alle klassischen Backrezepte sind für eine Küche mit rund 20 Grad geschrieben. Steht das Thermometer bei 28, ist die Butter, die aus dem Kühlschrank kommt, nach fünf Minuten auf der Arbeitsfläche bereits weich – und nach fünfzehn Minuten fast flüssig. Für Rührteig heißt das: Butter und Zucker nur so lange schaumig schlagen, bis die Masse hell ist, nicht länger. Zu warme, zu lange geschlagene Butter kann die eingerührte Luft nicht halten, der Kuchen wird dicht und speckig.

Bei Mürbeteig, Blätterteig und Scones gilt das Gegenteil: Hier muss die Butter kalt bleiben, damit sie in kleinen Stücken im Teig sitzt und beim Backen für Blättrigkeit sorgt. Mein Sommerablauf: Mehl vorher eine halbe Stunde in den Kühlschrank, Butter in Würfeln direkt aus dem Kühlen, mit der Teigkarte oder in der Küchenmaschine arbeiten statt lange mit den Händen. Und dann konsequent kühlen – zwischen jedem Arbeitsschritt zurück ins Kalte, auch wenn es sich unnötig anfühlt. Wer Mürbeteig im Hochsommer ohne Kühlpausen ausrollt, kämpft mit einem klebrigen Fladen.

Hefeteig geht schneller, als du denkst

Hefe liebt Wärme, und im Sommer bekommt sie mehr davon, als ihr guttut. Ein Teig, der laut Rezept eine Stunde gehen soll, kann in einer heißen Küche nach vierzig Minuten fertig sein – und wenn er länger steht, überentwickelt er: Er riecht scharf, schmeckt leicht sauer und fällt beim Backen zusammen. Zwei Dinge helfen sofort. Erstens: die Hefemenge reduzieren, gut ein Drittel weniger als angegeben. Zweitens: kühle Flüssigkeit verwenden, im Zweifel Wasser oder Milch direkt aus dem Kühlschrank.

Am entspanntesten ist die kalte Führung. Teig kneten, kurz anspringen lassen, abgedeckt in den Kühlschrank – über Nacht oder auch länger. Der Teig geht langsam, entwickelt mehr Aroma und lässt sich am nächsten Morgen kühl und angenehm verarbeiten. Zimtschnecken, Pizzateig und Brioche werden so im Sommer sogar besser als im Winter. Orientiere dich nicht an der Uhr, sondern am Teig: Er soll sichtbar voluminöser sein und auf leichten Fingerdruck langsam zurückfedern.

Cremes, Glasuren und die Frage nach dem Ofen

Buttercreme, Ganache und Schlagsahne sind die klassischen Sommerbaustellen. Sahne schlägt sich nur in kalter Schüssel mit kalten Rührbesen wirklich steif, und sie hält länger, wenn du sie mit etwas Sahnesteif oder einem Löffel Mascarpone stabilisierst. Torten mit Creme gehören zwischen den Arbeitsschritten in den Kühlschrank, nicht auf die Fensterbank. Und für Schokoladenglasur gilt: Auf einem noch warmen Kuchen bleibt sie im August stundenlang weich – lieber komplett auskühlen lassen und die fertige Torte vor dem Servieren nochmal kühlen.

Manchmal ist die klügste Entscheidung aber, den Ofen aus zu lassen. Kühlschrankkuchen mit Keksboden, Kekse, die man nur presst statt backt, Beeren mit Joghurtcreme im Glas, eine Tarte mit blindgebackenem Boden, den du frühmorgens bei offener Küchentür backst und tagsüber nur noch füllst: Das sind die Rezepte, die im Sommer wirklich zum Erfolg werden. Wenn du doch backst, dann in den kühlen Randstunden, mit Umluft und guter Lüftung – und plane ein, dass die fertigen Kuchen länger zum Auskühlen brauchen.

Warum wird mein Biskuit im Sommer nicht luftig?

Biskuit lebt allein von der Luft in den geschlagenen Eiern, und die entweicht in warmer Umgebung deutlich schneller. Schlage Eier und Zucker deshalb wirklich lange, bis die Masse hell und cremig ist, hebe das gesiebte Mehl in wenigen entschlossenen Bewegungen unter und schiebe die Form sofort in den vorgeheizten Ofen – jede Minute Wartezeit auf der warmen Arbeitsplatte kostet Volumen.

Kann ich Hefeteig einfach im Kühlschrank gehen lassen?

Ja, und im Sommer ist das oft die beste Lösung. Rechne mit mehreren Stunden bis über Nacht, decke die Schüssel gut ab, damit die Oberfläche nicht austrocknet, und lass den Teig nach dem Formen noch etwa eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur nachgehen, bevor er in den Ofen kommt.

Über die Autorin

Deborah Rabbit

Deborah Nyul schreibt über Reisen, Essen und die kleinen Wellness-Routinen, die ein Flugticket überleben. Sie jagt langsamen Wochenenden, Marktfunden und Hotels nach, an die man sich wegen des Frühstücks erinnert — und macht daraus etwas, das am Samstag tatsächlich umsetzbar ist.

Nur auf Bienvibe

Original

Passende Artikel

Bienenstich, aber entspannt: Wie ein Hefeteig auch an Werktagen gelingt — Rezepte

Bienenstich, aber entspannt: Wie ein Hefeteig auch an Werktagen gelingt

Rund um die aktuellen Backshow-Folgen liegt plötzlich wieder Bienenstich in der Luft. Hier kommt die ruhige Version für den Feierabend – mit den drei Stellen, an denen Hefeteig wirklich scheitert.

Deborah Rabbit•
Babka backen wie ein Profi: So gelingt der geflochtene Hefezopf mit dem perfekten Marmormuster — Lebensstil

Babka backen wie ein Profi: So gelingt der geflochtene Hefezopf mit dem perfekten Marmormuster

Der geflochtene Hefezopf mit Schokolade oder Zimt sieht spektakulär aus – und ist einfacher, als du denkst. So gelingt dir die perfekte Babka zu Hause.

Szalai Dóra•
8 altmodische Küchentricks, auf die Profiköche noch immer schwören — Lebensstil

8 altmodische Küchentricks, auf die Profiköche noch immer schwören

Neue Küchengeräte sind praktisch – doch oft funktionieren die alten Tricks am besten. Diese 8 Küchenweisheiten deiner Großmutter lohnen sich noch heute.

Fehér Dia•
Knackige Salzgurken wie vom Markt: Der Trick, den kaum jemand kennt — Lebensstil

Knackige Salzgurken wie vom Markt: Der Trick, den kaum jemand kennt

So gelingen dir knackige, aromatische Salzgurken garantiert – vom richtigen Einkauf bis zum letzten Handgriff. Diese Tipps machen den Unterschied.

Szabó Erzsébet•
Wie reinigt man Pfifferlinge? So bleiben sie aromatisch statt matschig — Rezepte

Wie reinigt man Pfifferlinge? So bleiben sie aromatisch statt matschig

Sand in den Lamellen, Erde am Stiel – und trotzdem sollen die Pilze in der Pfanne golden werden. Die Putzmethode, die wirklich funktioniert, plus die Fehler, die jedes Pfifferlingsgericht grau machen.

Deborah Rabbit•
Fehlt deinen Paprikakartoffeln das gewisse Etwas? Dieses Gewürz könnte die Lösung sein — Lebensstil

Fehlt deinen Paprikakartoffeln das gewisse Etwas? Dieses Gewürz könnte die Lösung sein

Schmecken deine Paprikakartoffeln irgendwie flach? Ein wenig Majoran kann dem klassischen Gericht überraschend viel Tiefe und Rundheit verleihen.

Váradi Petra•