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Braucht der Vatertag genauso viel Aufmerksamkeit wie der Muttertag?

Barbara Weber3 Min. Lesezeit
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Braucht der Vatertag genauso viel Aufmerksamkeit wie der Muttertag? — Familie

Meinungsartikel von Barbara Weber

Jedes Jahr, pünktlich zum Muttertag, taucht dieselbe Diskussion auf. Auf dem Spielplatz, in Facebook-Kommentaren, in Eltern-WhatsApp-Gruppen: „Warum wird der Vatertag nicht genauso gefeiert?" Oder: „Väter werden doch völlig vergessen!"

Ich verstehe dieses Gefühl. Wirklich. Es stimmt, dass Kindergärten und Schulen wochenlang auf den Muttertag hinarbeiten, dass die sozialen Medien damit geflutet werden – und dass der Vatertag oft fast unbemerkt verstreicht. Und ich meine es völlig ernst: Eltern, die lieben, sich kümmern, unterstützen, nachts wachen und Opfer bringen, verdienen Anerkennung. Unabhängig vom Geschlecht.

Gute Väter geben ihren Kindern unglaublich viel: Sicherheit, Aufmerksamkeit, Liebe, Stabilität. Und sie verdienen es, dass das gesehen und gewürdigt wird.

Aber es gibt etwas, worüber in dieser Debatte viel zu selten gesprochen wird: Mütter und Väter werden gesellschaftlich noch immer sehr unterschiedlich wahrgenommen. Nicht nur im Mai oder Juni – sondern jeden einzelnen Tag.

Denn so viel wir auch über gleichberechtigte Elternschaft reden: In der Realität trägt in den meisten Familien noch immer die Mutter den größeren Teil der unsichtbaren Last. Sie bleibt mit dem kranken Kind zu Hause. Sie organisiert Arbeit und Alltag so, dass sie rechtzeitig vor der Kita-Schließzeit da ist. Sie weiß, wann die nächste Impfung ansteht, welche Schuhgröße das Kind gerade hat, welche Kinderärztin donnerstags Sprechstunde hat – und welchen Joghurt das Kind überhaupt isst. Sie liest die Fachliteratur, macht die Termine, füllt die Formulare aus und hat Geburtstage, Wechselschuhe und zu kleine Hosen gleichzeitig im Kopf.

Natürlich ist das nicht in jeder Familie so. Es gibt engagierte, gleichberechtigte Väter, die wirklich vollständig im Alltag ihrer Kinder präsent sind. Aber gesellschaftlich betrachtet ist das noch immer die Ausnahme, nicht die Regel.

Deshalb hat der Muttertag ein anderes Gewicht

Auf Mutterschaft lastet von der ersten Sekunde an – oft sogar davor – ein enormer gesellschaftlicher Erwartungsdruck. Eine Mutter soll gleichzeitig geduldig, gepflegt, fördernd, präsent, gesundheitsbewusst, kreativ, berufstätig und emotional immer verfügbar sein.

Und egal, was sie tut: Irgendjemand wird sie dafür kritisieren.

Arbeitet sie zu viel, ist sie eine schlechte Mutter. Bleibt sie zu Hause, ist sie „nur" Mutter. Ist sie erschöpft, hätte sie eben keine Kinder bekommen sollen. Braucht sie mal Zeit für sich, ist sie egoistisch. Kann sie keine Zöpfe flechten oder backt keinen selbstgemachten Muffin für das Schulfest, wird sie schief angeschaut.

Gleichzeitig erleben wir noch immer, dass viele Menschen regelrecht ins Schwärmen geraten, wenn ein Vater allein mit dem Kind auf den Spielplatz geht oder mit ihm einkaufen fährt.

Damit möchte ich Väter nicht angreifen. Im Gegenteil: Ich versuche zu sagen, dass die gesellschaftliche Messlatte für Mütter schlicht und ergreifend viel höher liegt. Und dass Väter für Dinge gelobt werden, die bei Müttern als völlig selbstverständlich gelten.

Vielleicht ist es deshalb, dass ich es manchmal seltsam finde, wenn dieselben Menschen, die das ganze Jahr über wie selbstverständlich davon ausgehen, dass die Mutter das Familienleben managt, sich am Muttertag plötzlich darüber empören, dass der Vatertag nicht genauso groß gefeiert wird.

Gleiche Anerkennung für gleiche Verantwortung

Ich bin vollkommen dafür, dass Väter dieselbe Wertschätzung bekommen – wenn sie auch dieselben Verantwortlichkeiten tragen. Wenn sie genauso in der unsichtbaren, erschöpfenden, täglichen Fürsorgearbeit präsent sind – und nicht nur in den angenehmeren Momenten der Elternschaft.

Nur sehe ich ehrlich gesagt nicht, dass für diese Art von Gleichberechtigung genauso leidenschaftlich gekämpft wird wie für Vatertags-Grußkarten.

Vielleicht fangen wir dort an. Nicht mit der Frage, warum der Vatertag weniger gefeiert wird. Sondern mit der Frage, warum die unsichtbare Arbeit noch immer so ungleich verteilt ist – und was wir alle gemeinsam daran ändern können.

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