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Sommerferien mit Job: Warum Ferienlager längst kein Luxus mehr sind, sondern Pflicht

Szabó Erzsébet4 Min. Lesezeit
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Sommerferien mit Job: Warum Ferienlager längst kein Luxus mehr sind, sondern Pflicht — Familie
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Wenn der Juni kommt, denken die meisten Erwachsenen an wohlverdiente Ruhe, an Eis am Nachmittag und an lange, warme Sommerabende. Für Eltern schaltet der Ferienbeginn dagegen einen ganz anderen Modus ein – einen mentalen und logistischen Ausnahmezustand.

Kaum rücken die Schulferien näher, entwerfen wir plötzlich eine komplizierte Überlebensstrategie, aufgeteilt in Wochen und einzelne Tage. Nicht, weil wir uns keine gemeinsamen Familienmomente wünschen würden. Sondern wegen einer unbequemen Wahrheit: Das Getriebe der Arbeitswelt steht auch in den heißesten Wochen des Jahres nicht still.

Mein Mann und ich sind in der glücklichen und dankbaren Lage, beide in einem flexiblen Homeoffice zu arbeiten, und unser Familienbudget erlaubt es uns, auch die etwas teureren Camps zu bezahlen. Aber ich weiß: Das ist bei Weitem nicht der Normalfall. Und selbst aus dieser bequemen, flexiblen Position lässt sich die Realität nur schwer ignorieren.

Selbst wenn wir nur zwei Camps im Monat buchen, allein damit wir tagsüber konzentriert arbeiten können, ist das mit bloßem Auge sichtbar ein ernst zu nehmender Kostenpunkt.

Wenn es schon mit gutem Rückhalt schwer ist – wie geht es dann den anderen?

Während ich die Anmeldeformulare ausfülle und die Kosten zusammenrechne, denke ich unweigerlich an all die Familien, die nicht die Freiheit der Remote-Arbeit haben. In meinem Freundeskreis, in meinem direkten Umfeld sehe ich ganz genau, wie viel Bauchweh und Anspannung der nahende Sommer auslöst.

Denn das Problem hat zwei Gesichter. Neben den brutalen finanziellen Ausgaben klaffen da auch noch die unfüllbaren Zeitlücken. Selbst wenn eine Familie mit maximalem Verzicht mehrere Wochen Lagergebühren zusammenkratzt, lässt sich die lange Ferienzeit trotzdem nicht komplett abdecken. Es bleiben immer diese Grauzonen im Kalender, die man irgendwie lösen muss.

Mutter und Tochter machen ein Selfie

Auch in dieser Hinsicht dürfen wir uns inzwischen glücklich schätzen, denn die Kleinkindzeit liegt längst hinter uns: Unsere Tochter ist zehn geworden. In diesem Alter gewinnen Gleichaltrige enorm an Bedeutung – und diesen Vorteil nutzen wir mit befreundeten Familien inzwischen ganz bewusst.

Es ist völlig selbstverständlich geworden, dass an einem Tag drei Mädchen bei uns spielen und toben, am nächsten Tag treffen sie sich bei einer anderen Freundin. Und Übernachtungspartys erweisen sich als echter Hauptgewinn: Sie schenken den Kindern unvergessliche Erinnerungen und uns Eltern gleichzeitig einen ruhigen Abend und wenigstens einen stillen, produktiven Vormittag. So ist der Sommer bei uns – mit Homeoffice und einer unterstützenden Elterngemeinschaft als Sicherheitsnetz – wirklich lebendig, fröhlich und liebenswert. Und trotzdem würde ich selbst mit all diesen Möglichkeiten nicht behaupten, dass es ein Spaziergang ist.

Und nein, hier spricht nicht das Märtyrertum aus mir

Kinder im Kletterparcours in einem Ferienlager

Ich bin unendlich dankbar für unsere Möglichkeiten, für die Freundesgemeinschaft um uns herum – und natürlich für die Hilfe der Großeltern. Ich möchte nur laut und ehrlich aussprechen, was Hunderttausende Eltern jedes Jahr fühlen, wenn sie über dem Kalender brüten.

Das Ferienlager ist heute keine Luxusleistung mehr, keine Verwöhnung des Kindes und keine reine Unterhaltung. Es ist das verpflichtende und teure Lösegeld, das wir zahlen, damit wir im Herbst noch einen Job haben – und eine zwar arg strapazierte, aber wiederbelebbare mentale Gesundheit.

Denn seien wir ehrlich: Dass wir den Sommer am Ende überstehen, ist nicht das Verdienst des Systems. Dass Eltern untereinander mit Urlaubstagen, Gefälligkeiten und Übernachtungspartys jonglieren, ist kein nachahmenswertes, romantisches Gesellschaftsmodell, sondern erzwungene Feuerwehrarbeit. Doch solange die systemweiten Lösungen auf sich warten lassen, bleibt uns nur das bewährte Zusammenhalten.

Warum sind Ferienlager für berufstätige Eltern so wichtig?

Weil die Arbeitswelt in den Sommerwochen einfach nicht stillsteht. Ferienlager sind für viele Familien die einzige Möglichkeit, tagsüber konzentriert zu arbeiten und die langen Schulferien überhaupt zu überbrücken.

Warum reichen Ferienlager allein nicht aus, um den Sommer abzudecken?

Selbst mit mehreren Wochen Lager bleiben immer Lücken im Kalender – die sogenannten Grauzonen. Die Ferien sind länger als das, was die meisten Familien finanziell und zeitlich stemmen können.

Wie überbrücken Eltern die Zeit ohne Ferienlager?

Oft durch gegenseitige Unterstützung: Sie wechseln sich mit der Betreuung ab, tauschen Gefälligkeiten und organisieren Übernachtungspartys. Auch die Hilfe der Großeltern und ein flexibles Homeoffice spielen eine große Rolle.

Ist das Zusammenhalten der Eltern eine echte Lösung?

Es hilft im Alltag, ist aber eher erzwungene Feuerwehrarbeit als ein tragfähiges Modell. Solange systemweite Lösungen fehlen, bleibt vielen Familien nur das bewährte Zusammenhalten.

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