Runde Geburtstage haben eine ganz eigene Magie. Sie sind Meilensteine, an denen man unwillkürlich innehält und staunt, wie schnell die Zeit vergeht. Der zehnte Geburtstag ist dabei etwas ganz Besonderes – die unsichtbare Grenze zwischen Kleinkindzeit und dem aufregenden, manchmal einschüchternden Beginn der Vorpubertät.
Während wir noch Luftballons aufbliesen, die Torte bestellten und Geschenke vor unserer Tochter versteckten, ahnte ich nicht, dass die Realität in Form eines nüchternen Briefumschlags an unsere Tür klopfen würde. Der Brief im Postkasten schickte uns in einer einzigen Sekunde zehn Jahre zurück – direkt in den Kreißsaal und in die aufgewühlten Stunden nach ihrer Geburt.
Denn als unsere Tochter zur Welt kam, wollten wir als Eltern instinktiv alles für ihre Sicherheit tun. Wir entschieden uns damals, Stammzellen einlagern zu lassen. Das war keine günstige Entscheidung – und jetzt lag eine neue Rechnung auf dem Tisch, mit einer ebenso klaren wie schneidenden Frage: Zahlen wir erneut für das nächste Jahrzehnt, oder lassen wir die Nabelschnurblut- und Gewebeproben unserer Tochter vernichten?
Absicherung gegen das Ungewisse – oder unnötiger Luxus?
Damals glaubten wir fest daran, dass diese Entscheidung eine Art zusätzliche Versicherung darstellt – für den Fall, dass uns das Schicksal eines Tages mit einer ernsthaften Erkrankung konfrontiert. Die meisten Verträge laufen über einen festen Zeitraum, unserer ebenfalls. Mit dem zehnten Geburtstag endete das erste große Kapitel.
Der Anbieter meldete sich pünktlich, und wir standen plötzlich mitten in einer schwierigen moralischen und finanziellen Entscheidung. Die Fragen prasselten nur so auf uns ein: Sollen wir erneut mehrere hundert Euro für das nächste Jahrzehnt ausgeben – für etwas, von dem wir von ganzem Herzen hoffen, es niemals zu brauchen? Oder lassen wir es los und riskieren diese kleine, aber dennoch reale Chance, dass es eines Tages den Unterschied machen könnte?
Mein Mann und ich haben lange darüber nachgedacht. Wir haben immer versucht, uns auf allen Ebenen abzusichern: Vollkaskoversicherung für das Auto, Hausversicherung, Lebens- und Unfallversicherungen. Und jetzt stellte sich die Frage: Reißen wir ausgerechnet das Sicherheitsnetz heraus, das mit unserem wertvollsten Schatz verbunden ist?
Wer sich heute auf Fachforen gründlich über die Nabelschnurblut-Lagerung informiert, kann schnell zu dem Schluss kommen, dass die Zahl der Erkrankungen, bei denen das eigene Probenmaterial tatsächlich eingesetzt werden kann, gering ist. Ein Teil der Experten ist durchaus skeptisch: Die Wahrscheinlichkeit einer Eigenspende sei minimal, bei bestimmten genetischen Erkrankungen ohnehin ausgeschlossen.
Gleichzeitig gibt es die andere Seite – jene, die Stammzellen als eine Art Lebensversicherung betrachten.
Auch wir stellten uns die „klassische" Frage: Was, wenn wir trotz aller Statistiken genau in diese Situation geraten? Am Ende überzeugten wir uns jedoch mit einem anderen, weit positiveren Argument: dem atemberaubenden Tempo des wissenschaftlichen Fortschritts. In den nächsten zehn Jahren wird die Medizin voraussichtlich Sprünge machen, die wir uns heute kaum vorstellen können.
Vertrauen in die Zukunft – und eine Entscheidung, die wir mit gutem Gefühl treffen
Genau deshalb haben wir uns entschieden, der Zukunft zu vertrauen und die nächsten zehn Jahre zu bezahlen. Wenn der nächste Wendepunkt kommt, wird unsere Tochter bereits eine zwanzigjährige Erwachsene sein – allein das auszusprechen fühlt sich unglaublich an. Bis dahin wird sie auf eigenen Beinen stehen und selbst entscheiden können, ob sie die Lagerung fortführen oder die Proben zu Forschungszwecken freigeben möchte.
Was mich an dieser Rechnung vielleicht am meisten berührt hat, war die Erkenntnis, dass sie gar nicht wirklich von der Vergangenheit handelte. Sie handelte von einer Zeitkapsel, die wir vor zehn Jahren versiegelt hatten – und der wir jetzt weitere zehn Jahre geschenkt haben.
Letztlich war dieser nüchterne Behördenbrief ein seltsames, aber wertvolles Geschenk: eine Erinnerung daran, wie rasend schnell die Zeit verfliegt – und wie kostbar jeder einzelne (Geburts-)Tag wirklich ist.
Ist die Nabelschnurblut-Lagerung wirklich sinnvoll?
Die wissenschaftliche Meinung ist geteilt. Während private Banken die Lagerung als persönliche Absicherung vermarkten, weisen Fachleute darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, das eigene Nabelschnurblut tatsächlich einsetzen zu können, statistisch gering ist. Dennoch spricht der medizinische Fortschritt dafür, die Option offen zu halten.
Was kostet die Verlängerung eines solchen Vertrags?
Die Kosten variieren je nach Anbieter und Laufzeit, belaufen sich aber in der Regel auf mehrere hundert Euro für eine Verlängerung um zehn Jahre. Hinzu kommen mögliche jährliche Lagergebühren, die im ursprünglichen Vertrag geregelt sind.
Was passiert mit den Proben, wenn man nicht verlängert?
Wird der Vertrag nicht erneuert und keine Einigung mit dem Anbieter erzielt, werden die eingelagerten Nabelschnurblut- und Gewebeproben in der Regel vernichtet. In manchen Fällen besteht die Möglichkeit, sie für Forschungszwecke zu spenden.
Kann das Kind später selbst über die Proben entscheiden?
Ja – sobald das Kind volljährig ist, kann es selbst über den Umgang mit den eingelagerten Proben entscheiden: Lagerung fortführen, Proben vernichten lassen oder sie der Wissenschaft zur Verfügung stellen.











