In den letzten Jahren hört man viel über Zyklus-Tracking, das Verstehen hormoneller Schwankungen und darüber, dass der weibliche Körper kein statisches, vorhersehbares System ist, sondern ein vierphasiger, sich ständig verändernder natürlicher Rhythmus. Erst mit 37 Jahren habe ich begonnen, bewusster auf meinen Zyklus zu achten, meine Erfahrungen und Gefühle dazu zu verfolgen und meinen Alltag so gut wie möglich daran anzupassen – für mehr mentale Gesundheit und Produktivität.
Deshalb habe ich beschlossen, einen Monat lang mein Leben bewusst an meinen Zyklus anzupassen. Es ging nicht darum, jeden Termin perfekt auf meine Hormone abzustimmen – das halte ich auch für unrealistisch –, sondern zu verstehen, was in meinem Körper passiert und wie es mich beeinflusst. Die Erfahrungen waren einerseits überraschend, andererseits befreiend.
Menstruationsphase – Zeit für Rückzug und Auftanken
Während der Menstruation spüren viele Frauen einen Rückgang ihrer Energie, sind schneller müde und sensibler gegenüber äußeren Reizen. So geht es mir besonders an den ersten Tagen. In diesen Tagen habe ich bewusst Tempo rausgenommen: keine großen Treffen geplant und mich auf ruhige Aufgaben konzentriert, die wenig Kreativität oder große Entscheidungen erfordern. Früher hätte ich das Tempo trotzdem hochgehalten, heute weiß ich: Es ist keine Schwäche, wenn ich auf die Signale meines Körpers höre und langsamer mache.
Überraschenderweise war meine Menstruation weniger belastend, als ich mir diesen Rückzug erlaubte: weniger Krämpfe, weniger Spannungen.

Follikelphase – Neustart und steigende Energie
Nach der Menstruation beginnt die Follikelphase, in der die Hormone – besonders das Östrogen – ansteigen. Für viele ist das die Zeit für Kreativität, Flexibilität und Leichtigkeit. Für mich war es die Phase, in der ich besonders Lust auf neue Projekte, Brainstormings und Planung hatte. In dieser Woche habe ich auch überlegt, was ich voranbringen kann, geplant und versucht, viele Aufgaben vorab zu erledigen, um in der nächsten Menstruationsphase besser entspannen zu können.
Ovulationsphase – Soziale Hochphase
Viele Frauen beschreiben die Ovulationszeit als „Superpower-Woche“: Sie fühlen sich selbstbewusster, energiegeladener und kommunikativer. Das ist hormonell nachvollziehbar, denn das Östrogen erreicht seinen Höhepunkt, und der Körper ist biologisch offener und aktiver.
Für mich war diese Phase wie eine kleine Hochsaison. Ich traf mich gerne mit Menschen, Besprechungen liefen leichter, und ich genoss die Gesellschaft insgesamt mehr.
Bewusst habe ich in dieser Phase Termine gelegt, bei denen gute Kommunikation, Präsentation oder Überzeugungskraft gefragt waren.
Es war eine super Idee, in dieser Woche ein gemeinsames Spielen mit den kleinen Freunden meiner Tochter zu organisieren. Ich bin sicher, dass ich solche Kinderprogramme an anderen Wochen nicht so genießen könnte – jetzt fiel es mir leicht, das Schöne und Spannende daran zu sehen.

Lutealphase – Langsames Zurückziehen nach innen
Nach der Ovulation folgt die Lutealphase, die bei vielen eine Zeit von Reizbarkeit, Sensibilität und Müdigkeit ist. Das Hormon Progesteron tritt in den Vordergrund, und die Energie nimmt allmählich ab. In dieser Phase habe ich oft gemerkt, dass meine Konzentration kürzer anhält und Probleme, die sonst leicht zu bewältigen waren, schwerer erscheinen.
Das Zyklus-Tracking hat mich jedoch davor bewahrt zu denken, „irgendetwas stimmt nicht mit mir“. Ich wusste einfach: Das ist die Lutealwoche. In dieser Zeit habe ich weniger kreative Aufgaben gemacht und mich eher auf strukturierte, listenbasierte und routinemäßige Tätigkeiten konzentriert. Auch Stimmungsschwankungen konnte ich leichter akzeptieren, weil ich den Mechanismus dahinter kannte.
Was hat mir das Ganze gebracht?
Die wichtigste Erkenntnis war, dass mein Zyklus keine Einschränkung ist – sondern ein Rhythmus. Er begrenzt mich nicht, sondern gibt Orientierung. Der größte Vorteil des Zyklus-Trackings für mich war, dass ich viel liebevoller mit mir umgehen konnte, die ständige Selbstkritik – das „Warum klappt es diese Woche nicht wie letzte?“ – verschwand und stattdessen eine sanftere, akzeptierende Haltung zu mir selbst entstand.
Zyklus-Tracking löst nicht alle Probleme, aber es lehrt uns, dass unser Körper kein Feind ist und auch nicht fehlerhaft: Er hat einfach seine eigene Funktionsweise, gegen die es sich nicht lohnt anzukämpfen. Wenn wir darauf achten, wird unser Leben nicht nur leichter, sondern auch viel harmonischer.











