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Linkshändertag: Was linkshändigen Kindern im Alltag wirklich hilft

Borka Schuster4 Min. Lesezeit
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Linkshändertag: Was linkshändigen Kindern im Alltag wirklich hilft — Familie
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Wer ein linkshändiges Kind hat, kennt diese kleinen Reibungen: die verschmierte Zeile im Heft, die Schere, die nicht schneiden will, der Ellbogen, der beim Mittagessen immer beim Nachbarn landet. Nichts davon ist dramatisch. Aber es summiert sich – und Kinder erklären so etwas selten. Sie denken eher: Ich kann das nicht so gut. Rund um den Linkshändertag Mitte August wird viel darüber diskutiert, ob Linkshänder kreativer sind. Spannender finde ich die praktische Frage: Was macht den Alltag für sie leichter?

Die Welt ist nach rechts gebaut – und das merkt man erst, wenn man hinschaut

Kaufe einmal bewusst ein und du siehst es überall. Die Kelle mit dem Ausguss auf einer Seite. Das Lineal, dessen Zahlen von links nach rechts wandern. Der Spiralblock, dessen Ringe genau dort sitzen, wo die linke Hand liegen will. Die Maus rechts vom Rechner, das Kartenlesegerät, das nach rechts gedreht wird, die Türklinke im Klassenzimmer. Einzeln sind das Kleinigkeiten. Zusammen ergeben sie ein Gefühl von Umständlichkeit, das Kinder gern auf sich selbst beziehen.

Das Gegenmittel ist erstaunlich simpel: benennen. Wenn mein Kind mit dem Dosenöffner kämpft, sage ich nicht "streng dich an", sondern "das Ding ist für rechts gemacht, dreh dich mal andersherum". Aus einem Versagen wird eine Designfrage. Diese Umdeutung ist wahrscheinlich das Wichtigste, was Eltern beitragen können.

Schreiben: die Blattlage entscheidet mehr als der Stift

Beim Schreiben schiebt die linke Hand den Stift über das Papier, statt ihn zu ziehen. Deshalb verschmiert Tinte, deshalb verkrampft die Hand, deshalb entsteht diese verdrehte Handhaltung von oben, die später Schulterschmerzen macht. Der wirksamste Hebel ist nicht ein Spezialstift, sondern die Lage des Heftes: Es darf deutlich nach rechts gekippt liegen, spiegelverkehrt zur Rechtshänder-Position, und eher links vor dem Körper. Dann kann das Handgelenk gerade bleiben.

Dazu passt Licht von rechts, damit die Hand keinen Schatten auf die eigene Zeile wirft. Am Küchentisch heißt das manchmal: Plätze tauschen. Und beim Schreibenlernen lohnt es sich, auf schnell trocknende Stifte zu setzen und Bleistift oder Fineliner zu erlauben, solange die Schrift sich noch sortiert.

Werkzeuge, die einen echten Unterschied machen

Nicht alles muss in einer Linkshänder-Version angeschafft werden – das wird teuer und manches ist Deko. Drei Dinge lohnen sich aus meiner Erfahrung fast immer: eine echte Linkshänderschere (nicht nur mit weichem Griff, sondern mit umgekehrt geschliffenen Blättern, sonst sieht das Kind die Schnittlinie nicht), ein Lineal mit beidseitiger Beschriftung oder Zählrichtung von rechts, und ein Spitzer beziehungsweise Anspitzverhalten, das nicht ständig korrigiert wird.

In der Küche ist der Rest oft Gewohnheit: Schneidebrett und Schüssel spiegeln, den Sparschäler als Pendelschäler wählen, der in beide Richtungen läuft, beim Backen die Rührschüssel andersherum stellen. Bei Musikinstrumenten, Sport oder Handarbeit gilt: erst probieren lassen, dann festlegen. Viele Kinder finden ihre eigene, völlig funktionierende Lösung, wenn niemand mit "so macht man das" dazwischengeht.

Wie spreche ich das in der Schule an?

Freundlich, früh und sehr konkret. Ein Satz beim Elternabend reicht oft: "Sie ist Linkshänderin, könnte sie einen Platz haben, bei dem sie links außen sitzt?" Das verhindert Ellbogenkollisionen und ist innerhalb einer Minute geregelt. Ebenso hilfreich: fragen, ob im Klassenzimmer eine Linkshänderschere vorhanden ist, und andernfalls eine beschriftete mitgeben. Lehrkräfte reagieren fast immer offen, wenn die Bitte klein und lösbar ist.

Soll ich mein Kind auf die rechte Hand umgewöhnen?

Nein, das gilt heute als überholt und macht mehr Druck, als es je nützen könnte. Was du stattdessen tun kannst: die Umgebung anpassen, statt das Kind. Wenn die Schrift dauerhaft schmerzhaft, verkrampft oder kaum lesbar bleibt oder die Feinmotorik im Alltag Probleme macht, sprich das in der Schule an und lass es ergotherapeutisch abklären – das ist kein großes Drama, sondern einfach der richtige Fachblick.

Woran erkenne ich, welche Hand mein Kind bevorzugt?

Beobachte Situationen, in denen niemand zuschaut und keine Anleitung im Spiel ist: Wer greift zum Löffel, wer wirft den Ball, wer malt spontan, wer schraubt den Deckel auf? Bei vielen Kindern ist die Vorliebe früh sichtbar, bei anderen pendelt es bis ins Vorschulalter, und beides ist normal. Wichtig ist nur, nicht ständig zu korrigieren – die Hand darf sich in Ruhe entscheiden.

Über die Autorin

Borka Schuster

Borka Schuster schreibt über den Alltag zwischen Job, Familie und einem ADHS-Kopf, der sich nicht an Linien hält. Sie tauscht ehrliche Geschichten gegen ehrliche Tipps — mit gelegentlichen Abstechern zum Balkongarten und der Frage, wie ein Werktagabend weniger nach Triage klingt.

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