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Mein Lieblingsclub ist mir entwachsen – und genau das hat mich befreit

Elisabeth Müller4 Min. Lesezeit
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Mein Lieblingsclub ist mir entwachsen – und genau das hat mich befreit — Lebensstil
In diesem Artikel

Manche Orte wachsen uns so sehr ans Herz, dass wir gar nicht merken: Wir hängen eigentlich nicht an den Wänden, sondern an der Lebensphase, die wir dort erlebt haben. Wir glauben, wenn wir zurückkehren, erwartet uns dasselbe Gefühl wie mit zwanzig, doch meistens zeigt sich schnell, dass nicht der Ort sich wirklich verändert hat – sondern wir.

Ein Abend, der ganz anders lief als geplant

Wir hatten einen Mädelsabend geplant, mussten das Programm aber kurz halten, als die dritte Freundin wegen Muttersorge nach Hause gerufen wurde – besorgter Anruf, hohes Fieber. Eine vertraute Situation, wir alle kennen das Gefühl, wenn man zu Hause gebraucht wird. Meine andere Freundin und ich ließen uns aber Zeit, genossen noch ein paar Minuten sitzen, reden und durchatmen, bevor wir wieder in den Abendalltag eintauchten.

Wie so oft begann die Nostalgie: Wir sprachen darüber, wie anders die Stadt früher war. Abends waren die Terrassen voll, aus der Ferne hörte man Musik, und man musste kaum etwas organisieren, um jemanden zu treffen. Einfach die Tür öffnen, und der Abend nahm seinen Lauf. Heute ist Samstagabend, aber die Schaufenster sind dunkel, die Rollläden überall unten – als hätte jemand die Lautstärke für die ganze Stadt gedämpft.

Wir machten uns auf den Heimweg, doch instinktiv steuerten wir unseren alten Stammladen an. Der Ort, an dem wir uns mit zwanzig fühlten, als läge das Leben vor uns und alles könnte an einem einzigen Abend passieren. Ich erwartete nichts nach der Kurve – ich wusste von Besitzerwechseln und unsicheren Zeiten für die Bar. Doch nicht nur der Parkplatz, sondern auch die Straße war bis zum Rand voll.

Unsere Neugier war stärker, also schauten wir rein. Die Zeit schien stillzustehen. Teenager und Zwanzigjährige saßen an den Tischen, lachten, spielten Tischfußball, während jemand Münzen in den Jukebox warf und alte Hits auswählte. In der Ecke lief das Spiel auf der Leinwand, an jedem Tisch war Leben. „Viele von ihnen könnten meine Kinder sein“ – dieser Gedanke traf mich zuerst, doch dann ordnete sich alles in mir.

Freundesgruppe in einer Bar

Da wurde mir klar: Dieser Ort ist nicht mehr meine Welt

Ich bin nicht mehr die, die bis zum Schluss bleibt, die hier ihre tiefen Gespräche, ersten großen Lieben oder auch Dramen erlebt. Man kann sagen, ich bin aus diesem Ort herausgewachsen – aber genauso wahr ist, dass der Ort mich hinter sich gelassen hat.

Die Prioritäten haben sich einfach verschoben.

Meine Freundin flüsterte halb scherzhaft, wie schön es wäre, in diese Zeit zurückzukehren. Ich dachte daran, dass meine Zwanziger nicht nur aus ausgelassenem Feiern bestanden. Es gab viel Suche, Lernen, Unsicherheit, einige bittere Enttäuschungen und Erkenntnisse. Unsere Erinnerungen verschönern die Vergangenheit, doch das ganze Bild sehen wir erst später. Und ich mag, wo ich jetzt stehe. Wäre ich innerlich unsicherer, hätte mich vielleicht Neid gepackt, doch ich fühlte eher stille Zufriedenheit. Es war schön zu sehen, dass das, was uns damals wichtig war, heute für andere genauso zählt und dass der Ort nicht verschwunden ist, sondern einfach eine neue Generation ihn lebt.

Junge Leute unterhalten sich und trinken

Die Zeit nimmt nichts weg, sie ordnet neu

Man hört oft, dass junge Leute heute isoliert sind, sich in ihre Handys zurückziehen und keine Verbindung finden. Ich sah aber, dass sie reden, flirten, diskutieren – genau wie wir damals. Diese Erkenntnis hat bei mir vieles ins Lot gebracht.

Es geht nicht darum, dass früher alles besser war, sondern dass jede Zeit in ihrem Moment vollkommen ist.

Heute erleben die „jungen Leute“ eine intensive, alles umfassende Phase, die wir auch durchlebt haben, während wir selbst in einem anderen, vielleicht ruhigeren, aber nicht weniger wertvollen Kapitel sind.

Auf dem Heimweg dachte ich darüber nach, warum es manchmal so schwer ist zu akzeptieren, dass bestimmte Räume, Rollen und Lebensabschnitte nicht mehr uns gehören. Vielleicht aus Angst, den Mittelpunkt zu verlieren? Oder vergessen zu werden? Das ist reines Ego. An diesem Abend verstand ich, dass wahre Freiheit nicht darin liegt, überall präsent sein zu wollen, wo wir einst wichtig waren, sondern darin, die Kulisse unserer Vergangenheit loslassen zu können, ohne den Menschen zu verleugnen, der wir damals waren.

Als wir die Tür hinter uns schlossen und ich noch einmal zurückblickte, fühlte ich keinen Mangel, sondern Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass auch ich hier eine solche Zeit hatte und Teil von etwas sein durfte, das heute anderen unvergessliche, ewige Erinnerungen schenkt.

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