Drei Leserinnen und Leser berichten von Momenten, in denen ein Kollege oder eine Kollegin nicht durch Leistung, sondern durch unfaire Mittel nach oben wollte. Die Geschichten klingen kaum glaublich – und sind doch erschreckend alltäglich.
„Sie verbreitete das Gerücht, ich hätte ein Verhältnis mit dem Reinigungsmann"
Die 36-jährige Julia arbeitete in einem größeren Unternehmen, als eine Teamleiterstelle frei wurde. Sie war nicht die einzige Bewerberin – aber sie hatte das Gefühl, dass ihre bisherige Arbeit für sich sprach.
„Es gab eine Kollegin, mit der ich mich um dieselbe Position bewarb. Wir waren nie besonders eng, aber es gab auch nie offene Konflikte zwischen uns. Dann, nach den Vorstellungsgesprächen, begannen mich Kollegen plötzlich seltsam anzuschauen. Eine fragte mich, ob bei mir alles in Ordnung sei – sie habe etwas gehört."
„Ich hatte keine Ahnung, was sie meinte. Bis mich ein anderer Kollege zur Seite nahm und mir sagte, dass im Büro das Gerücht kursierte, ich hätte ein Verhältnis mit dem Reinigungsmann."
„Den Reinigungsmann kannte ich tatsächlich – wir trafen uns jeden Morgen zur selben Zeit in der Küche und plauderten ein paar Minuten. Das war alles. Meine Kollegin aber hatte daraus eine Geschichte gemacht, als würden wir uns regelmäßig nach der Arbeit treffen."
„Als herauskam, dass sie das Gerücht in die Welt gesetzt hatte, wollte ich die Stelle gar nicht mehr. Nicht aus Angst – sondern weil mir klar wurde: Wer so etwas für eine Beförderung tut, macht bei nächster Gelegenheit noch mehr."
„Er sorgte gezielt dafür, dass der Chef mich für unzuverlässig hält"
Der 42-jährige Peter bewarb sich um eine Projektleiterstelle und glaubte zunächst, gute Chancen zu haben. Doch ein Kollege hatte dasselbe Ziel – und eine ganz andere Strategie.
„Es ging nicht nur darum, dass wir beide die Position wollten. In den letzten Monaten begann er, mich zu überwachen. Wenn ich eine Aufgabe erledigt hatte, fragte er beim Chef nach, ob das auch wirklich fertig sei. Wenn ich etwas später ablieferte als geplant, meldete er das sofort."
„Bei einem größeren Projekt, das wir gemeinsam betreuten, erledigte ich meinen Teil. Er aber erzählte dem Vorgesetzten, er habe das Projekt gerettet, weil ich in Verzug geraten sei."
„Das stimmte nicht. Aber bis die Wahrheit ans Licht kam, war das Bild bereits entstanden: unzuverlässig, langsam, schwierig."
„Er bekam die Stelle. Einige Monate später kündigte ich. Er übernahm dann allein die Arbeitsmenge, die wir vorher zu zweit bewältigt hatten. Da wurde selbst ihm klar, dass mein Job nicht so einfach war, wie er ihn dargestellt hatte."
„Sie verriet meinem Chef die peinlichsten Details aus meinem Privatleben"
Die 31-jährige Dora sagt, ihre Geschichte schmerze besonders – weil sie lange glaubte, in ihrer Kollegin eine echte Freundin gefunden zu haben.
„Wir waren sehr nah. Wir aßen zusammen zu Mittag, trafen uns nach der Arbeit, und ich erzählte ihr Dinge, die ich einer normalen Arbeitskollegin nie anvertraut hätte. Als eine höhere Stelle ausgeschrieben wurde, bewarben wir uns beide."
„Ein paar Wochen später rief mein Chef mich zu einem Gespräch. Er stellte mir Fragen, die absolut nichts mit meiner Arbeit zu tun hatten. Da wurde mir klar: Meine Kollegin hatte ihm alles erzählt, was ich ihr im Vertrauen gesagt hatte."
„Sie hat nicht gelogen. Aber sie rahmte jede Geschichte so, dass ich im schlechtesten Licht erschien. Sie ließ durchblicken, ich sei zerstreut, weil ich zu viele Probleme zu Hause hätte – und deshalb für eine verantwortungsvolle Position nicht geeignet sei."
„Sie bekam den Job. Ein Jahr später wurde sie im Zuge einer Umstrukturierung meinem Team zugeteilt – und ich musste sie einarbeiten. Das war eine der unangenehmsten Phasen meiner gesamten Berufslaufbahn. Seitdem überlege ich sehr genau, was ich Kollegen von mir erzähle."
Was diese Geschichten gemeinsam haben
Alle drei Betroffenen beschreiben dasselbe Muster: Der Angriff kommt nicht offen, sondern verdeckt – über Gerüchte, manipulierte Wahrnehmungen oder den gezielten Missbrauch von Vertrauen. Und genau das macht ihn so schwer zu fassen.
Wer laut widerspricht, wirkt schnell überempfindlich. Wer schweigt, lässt das falsche Bild stehen. Es gibt keinen einfachen Ausweg – aber das Wissen darum, dass solche Dynamiken existieren, ist bereits der erste Schutz.
Vertrauen am Arbeitsplatz ist wertvoll. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, wem man es schenkt – und wann.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Kollege aktiv meinen Ruf schädigt?
Häufige Zeichen sind plötzliche Distanz von Kolleginnen und Kollegen, unerwartete kritische Fragen vom Vorgesetzten oder das Gefühl, dass Informationen über dich kursieren, die du nie selbst geteilt hast. Wie in Julias Geschichte kann schon eine gezielte Nachfrage eines vertrauten Kollegen Klarheit bringen.
Was sollte ich tun, wenn jemand Lügen oder halbwahre Gerüchte über mich verbreitet?
Ruhig bleiben und die eigene Leistung dokumentieren ist ein wichtiger erster Schritt. Wer – wie Peter – Aufgaben und Ergebnisse nachvollziehbar festhält, kann falschen Darstellungen gezielter entgegentreten.
Wie viel sollte ich Kolleginnen und Kollegen aus meinem Privatleben erzählen?
Doras Geschichte zeigt, wie gefährlich es sein kann, selbst enge Arbeitsfreundschaften mit sehr persönlichen Details zu belasten. Eine Faustregel: Alles, was du nicht beim nächsten Mitarbeitergespräch hören möchtest, behältst du besser für dich.
Lohnt es sich, solche Vorfälle der Personalabteilung zu melden?
Das hängt vom Einzelfall ab. Wenn Gerüchte nachweislich aus einer konkreten Quelle stammen oder der Ruf ernsthaft geschädigt wurde, kann ein Gespräch mit der Personalabteilung sinnvoll sein – vorausgesetzt, man kann konkrete Beispiele nennen.











