Es ist etwas Eigenartiges und zugleich Rührendes, wenn man als Erwachsener einen Teenager ansieht und erkennt: Er trägt genau das, was wir vor zwanzig Jahren getragen haben. Zuerst fällt es nur am Rande auf, doch dann wird einem bewusst: Der Modezyklus hat sich um 360 Grad geschlossen, und die Trends meiner Jugend schleichen sich zurück in die Kleiderschränke der heutigen Generation.
Vom Kleiderschrank meiner Mutter bis zu meinen eigenen Erinnerungen
Ich erinnere mich lebhaft daran, wie ich als Teenager vor dem Kleiderschrank meiner Mutter stand und entschlossen die alten Schlaghosen herauszog. Das Material stammte noch aus den 80ern, aber für mich war es ein echter Schatz. Meine Mutter stand hinter mir, die Arme verschränkt, mit leicht ungläubigem Blick, und sagte nur: „Willst du das wirklich anziehen? Die sind doch längst out!“ Ich zuckte mit den Schultern. Für mich war es neu, cool, anders – und außerdem trug das damals jeder. Meine Mutter konnte das natürlich nicht verstehen…
Jetzt, wo ich auf der anderen Seite stehe, fühle ich wahrscheinlich genau das, was unsere Eltern damals empfanden. Die Jugendlichen tragen mit Begeisterung die Stücke, die ich in der Schulzeit trug, und ich schaue sie mit dem hochgezogenen Augenbrauen meiner Mutter an und denke: „Na ja, ist halt ihre Sache… aber ich verstehe es nicht.“
Bravo-Magazin, Britney Spears und der hervorblitzende Tangastreifen
Die frühen 2000er waren für mich nicht nur Mode, sondern ein Lebensgefühl. Damals träumte ich beim Durchblättern des Bravo-Magazins mit Fotos von Britney Spears davon, ein komplettes Jeans-Outfit von Kopf bis Fuß zu besitzen.
Die tief sitzende Hose war die Basis, aus der manchmal provokant der Bund des Tangas hervorblitzte. Das war damals ein Symbol für Freiheit, Rebellion und das Erwachsenwerden.
Wenn ich das heute bei einem siebzehnjährigen Mädchen sehe, dessen Augen genauso strahlen wie damals meine, überkommt mich gleichzeitig Nostalgie und Erstaunen.
„Das ist doch längst out!“ – oder doch nicht?
Ganz ehrlich, ich kann den Gedanken nicht ganz abschütteln, dass diese Trends eigentlich vorbei sind. Für mich sind sie kein Neuland mehr, sondern ein Kapitel, das ich schon einmal durchgeblättert habe. Ich fühle mich wie meine Mutter damals: Ich verstehe nicht, warum etwas zurückkommen soll, das damals komplett war, für mich heute aber eher wie verstaubter Retro wirkt.
Doch die Mode hat eine wichtige Eigenschaft: Sie wird immer von neuen Augen entdeckt. Wie für ein Neugeborenes jeder Witz neu ist, so sind für eine neue Generation alle „abgelaufenen“ Trends frisch und aufregend. Die heutigen Jugendlichen tragen die Stücke der 2000er wahrscheinlich halb ironisch, halb ernst – für sie ist es eine Entdeckung, so wie für mich damals die Schlaghosen im Kleiderschrank meiner Mutter.
Fühle ich mich alt? Ja. Bereue ich es? Keineswegs.
Ich gebe zu, wenn ich diese zurückkehrenden Trends sehe, überkommt mich ein Gefühl des Älterwerdens. Es ist, als würden die Kleidungsstücke mir einen Spiegel vorhalten: So viel Zeit ist vergangen, seit ich sie zum ersten Mal getragen habe. Gleichzeitig ist da auch etwas Befreiendes. Ich schäme mich nicht, sondern nehme es mit einem nostalgischen Lächeln zur Kenntnis: Ja, diese Zeit ist jetzt gekommen. Die Kinder, die damals geboren wurden, als ich gerade auf dem Weg war, mich selbst zu entdecken und rebellisch zu sein, gehen heute denselben Weg.
Wir sind gar nicht so verschieden
Die Generationenkluft wirkt manchmal erschreckend tief. Wenn ich mit einem Jugendlichen der Generation Z spreche, fühlt es sich oft an, als würden zwei Galaxien versuchen, eine gemeinsame Sprache zu finden. Doch bei näherem Hinsehen erkenne ich: Eigentlich passiert genau das Gleiche wie bei uns damals. Sie erleben dieselben Dinge.
Sie suchen sich selbst, die großen Wahrheiten des Lebens, versuchen, sich von anderen abzuheben, und glauben noch daran, dass sie es besser machen werden. Und dabei freuen sie sich genauso über eine Retro-Hose, die sie ganz unten in einer Kiste eines Kilo-Laden gefunden haben, wie wir damals.











