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Stresst Unordnung deinen Hund oder deine Katze? Das sagen Experten wirklich

Fehér Dia6 Min. Lesezeit
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Stresst Unordnung deinen Hund oder deine Katze? Das sagen Experten wirklich — Familie
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Kennst du das erleichternde Gefühl, wenn der Abwasch endlich weg ist oder das Wohnzimmer wieder aufgeräumt? Damit bist du nicht allein. Doch was ist mit unseren Vierbeinern – setzt ihnen das Chaos in der Wohnung genauso zu wie uns?

Laut Expertinnen und Experten lautet die Antwort: ja, aber nicht unbedingt aus dem Grund, den du vermutest. Denn es ist nicht die Unordnung selbst, die Tiere stört.

Nicht das Chaos stört sie, sondern die Unberechenbarkeit

„Ein Zuhause muss nicht makellos sein, damit eine Katze sich sicher fühlt“, sagt die Katzenverhaltensexpertin Cristy Brusoe.

Das Gleiche gelte für die meisten Haustiere – und im Grunde auch für uns Menschen. Viel wichtiger ist, dass sie jederzeit an die Orte und Dinge herankommen, die sie brauchen, und dass sie einen ruhigen Rückzugsort haben, an dem sie ungestört zur Ruhe kommen können.

Auch Tierarzt Dr. Gary Richter betont, dass es Hunde und Katzen nicht interessiert, wie ästhetisch unser Zuhause aussieht.

„Haustiere haben kein ästhetisches Empfinden in dem Sinne, wie wir es haben. Deshalb löst Unordnung an sich bei ihnen weder Stress noch Angst aus.“

Problematisch wird es erst, wenn sich ihre Umgebung ständig verändert.

„Wenn permanent neue Gegenstände dazukommen oder vertraute Dinge verschwinden, kann das Verunsicherung auslösen.“

Warum Beständigkeit für sie so wichtig ist

Hunde und Katzen „lesen“ ihre Umgebung ununterbrochen. Die Position der Gegenstände, gewohnte Wege, Geräusche und Gerüche – all das sind Anhaltspunkte, an denen sie festmachen, ob sie in Sicherheit sind. Für sie ist das Zuhause nicht bloß ein Ort, sondern ihre ganze Welt.

Das hat einen einfachen Grund: Tiere orientieren sich anders als wir. Sie merken sich gewohnte Wege, die Anordnung der Möbel, Gerüche und feste Abläufe. Je berechenbarer ihre Umgebung ist, desto weniger Energie müssen sie darauf verwenden, sich ständig an Neues anzupassen.

„Wenn die Umgebung überladen wird, sich ständig verändert oder schwer zu durchqueren ist, hat die Katze das Gefühl, ihr eigenes Revier weniger unter Kontrolle zu haben. Diese Unsicherheit kann den Stress erhöhen“, erklärt Brusoe.

Besonders empfindlich reagieren scheue oder sensible Tiere. Die Kunsttherapeutin und Wellness-Expertin Eleni Nicolaou weist darauf hin: So wie visuelles Chaos das Nervensystem eines Menschen überfordern kann, kann es ähnlich auf Haustiere wirken.

„Für ein Tier ist sein Zuhause die ganze Welt. Wie sich diese Welt anfühlt, beeinflusst unmittelbar, wie sicher und ausgeglichen es sich fühlt.“

Wenn du dich fragst, wie feinfühlig unsere Vierbeiner wirklich sind, lohnt sich ein Blick darauf, wie Haustiere die Stimmung in der Wohnung wahrnehmen.

Diese Orte solltest du ordentlich halten

Ein steriles Zuhause ist laut Expertenmeinung nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass genau die Bereiche ruhig und leicht erreichbar bleiben, die für den Alltag deines Lieblings am meisten zählen: der Bereich rund um Futter- und Wassernapf, der Schlafplatz, die Ruheecke, die Umgebung der Katzentoilette – und jeder Ort, an den sich das Tier zurückziehen kann.

Dr. Richter zufolge brauchen sowohl Hunde als auch Katzen einen eigenen sicheren Platz, an dem kein ständiges Kommen und Gehen, keine Lautstärke und keine Störung herrschen.

Ein verlässlicher Tagesablauf ist mindestens genauso wichtig für sie.

Woran erkennst du, dass deinem Tier etwas Stress bereitet?

Umweltstress ist nicht immer offensichtlich. Oft sind es ganz kleine Verhaltensänderungen, die anzeigen, dass etwas nicht stimmt. Dr. Gary Richter empfiehlt, immer darauf zu achten, ob sich dein Liebling im Vergleich zu seinem gewohnten Verhalten verändert hat. Diese Anzeichen können auf Stress hindeuten:

  • Es versteckt sich häufiger als sonst.
  • Es läuft rastlos hin und her.
  • Es bellt oder miaut öfter.
  • Es beginnt, Dinge zu zerstören.
  • Sein Appetit verändert sich.
  • Es meidet bestimmte Räume.
  • Es ist weniger verspielt.
  • Es wird schreckhafter.
  • Es putzt sich übermäßig.
  • Es kommt zu Problemen mit der Stubenreinheit.

Brusoe betont jedoch, dass diese Symptome allein noch kein Beweis dafür sind, dass die Unordnung die Ursache ist.

„Sie zeigen aber, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen, was sich in der Umgebung des Tieres verändert hat.“

Die Notfalltierärztin Dr. Lori Ross gibt außerdem zu bedenken, dass hinter Verhaltensänderungen oft ein gesundheitliches Problem steckt.

„Der erste Schritt ist immer, eine Krankheit oder Schmerzen auszuschließen. Wenn die Angst anhält, schlimmer wird oder bereits die Lebensqualität des Tieres beeinträchtigt, sollte man unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.“

Bei Bedarf kann die Behandlung aus Veränderungen im Umfeld, einer Verhaltenstherapie und in manchen Fällen auch aus medikamentöser Unterstützung bestehen.

Aufräumen? Lieber Schritt für Schritt

Wenn du dich entschlossen hast, endlich Ordnung zu schaffen, solltest du die Wohnung nicht an einem einzigen Tag komplett umkrempeln. Achte darauf, dass sich nicht alles auf einmal um dein Tier herum verändert. Kommen ein neuer Schlafplatz, ein verschobener Futternapf und ein völlig anderes Wohnzimmer am selben Tag zusammen, brauchen sensiblere Tiere unter Umständen deutlich mehr Zeit, um sich anzupassen.

„Katzen gewöhnen sich viel leichter an kleine, schrittweise Veränderungen als an eine plötzliche, vollständige Umgestaltung“, sagt Brusoe.

Die Expertin rät, gerade während des Aufräumens die gewohnten Zeiten für Fütterung, Spiel und gemeinsame ruhige Momente beizubehalten. Das hilft, das Sicherheitsgefühl aufrechtzuerhalten. Beobachte außerdem, wie dein Liebling auf eine neu freigeräumte Fläche reagiert.

Nicolaou zufolge berichten viele Halterinnen und Halter, dass ihr Tier ruhiger schläft, weniger angespannt ist oder sich einfach häufiger an einem bestimmten Ort aufhält, nachdem das Gedränge verschwunden ist.

Minimalismus ist nicht das Ziel

In einem Punkt sind sich die Fachleute völlig einig: Aufräumen bedeutet nicht, dass jeder vertraute Gegenstand verschwinden muss. Laut Dr. Gary Richter sind der Lieblingsschlafplatz, die gewohnte Decke, das Spielzeug oder der übliche Futterplatz genau die Anhaltspunkte, die dem Tier Sicherheit geben.

Das haben wir bei unserem eigenen Hund erlebt. Unsere 13 Jahre alte englische Bulldogge sieht leider immer schlechter, weshalb es besonders wichtig ist, dass auf ihren gewohnten Wegen keine unerwarteten Hindernisse stehen. Einmal hatten wir Besuch, und jemand stellte einen Stuhl mitten ins Wohnzimmer. Sie bemerkte ihn nicht mehr und lief dagegen. Seitdem achten wir noch stärker darauf, ihre Umgebung nicht unnötig zu verändern – denn Berechenbarkeit ist für sie längst keine reine Komfortfrage mehr, sondern dient auch ihrer Sicherheit.

Das Ziel ist also keine Wohnung wie aus dem Katalog, sondern ein Zuhause, in dem sich dein Liebling gut zurechtfindet, seine Umgebung als berechenbar empfindet und immer einen ruhigen Ort zum Rückzug hat. Das gilt besonders für alte, seh- oder hörgeschädigte sowie ängstliche Hunde – im Grunde profitiert aber jedes Haustier davon, wenn sein Zuhause zugleich sicher und berechenbar ist.

Stresst Unordnung meine Katze oder meinen Hund direkt?

Nein. Laut den Experten haben Tiere kein ästhetisches Empfinden wie wir, deshalb löst Unordnung an sich keinen Stress aus. Belastend wird erst die ständige, unberechenbare Veränderung der Umgebung.

Welche Bereiche sollte ich für mein Tier unbedingt ordentlich halten?

Vor allem die Orte, die im Alltag zählen: der Bereich rund um Futter- und Wassernapf, den Schlafplatz, die Ruheecke, die Katzentoilette und jeden Rückzugsort. Diese sollten ruhig und leicht erreichbar bleiben.

Woran erkenne ich, dass mein Haustier gestresst ist?

Mögliche Anzeichen sind häufiges Verstecken, rastloses Umherlaufen, vermehrtes Bellen oder Miauen, verändertes Fressverhalten, übermäßiges Putzen oder Probleme mit der Stubenreinheit. Wichtig ist zu beobachten, ob sich dein Tier gegenüber seinem gewohnten Verhalten verändert hat.

Sollte ich beim Aufräumen alles auf einmal umstellen?

Besser nicht. Tiere gewöhnen sich leichter an kleine, schrittweise Veränderungen als an eine plötzliche, komplette Umgestaltung. Feste Zeiten für Fütterung, Spiel und Ruhe helfen dabei, das Sicherheitsgefühl zu bewahren.

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