Jedes Jahr im September passiert bei uns dasselbe: Der erste kühle Morgen kommt, jemand dreht am Thermostat, und dann bleibt es dort für sechs Monate. Dass in den Nachrichten gerade wieder ausführlich über Öl- und Energiepreise gesprochen wird, macht das Thema nicht gemütlicher. Ich habe für mich einen anderen Umgang gefunden: Ich kann die Preise nicht beeinflussen, aber ich kann an einem Samstagvormittag dafür sorgen, dass die Wärme, die wir erzeugen, auch in der Wohnung bleibt. Das ist erstaunlich befriedigend – und es kostet fast nichts.
Der Rundgang, der eine Stunde dauert
Nimm dir eine Kerze oder ein dünnes Papiertaschentuch und geh einmal durch die Wohnung. Halte es an Fensterrahmen, Balkontür, Wohnungstür, an den Briefkastenschlitz, wenn du einen im Türblatt hast. Wo die Flamme flackert oder das Papier sich bewegt, zieht es. Genau dort verlierst du Wärme, für die du zahlst. Selbstklebende Dichtungsbänder aus dem Baumarkt sind in zehn Minuten angebracht, eine Zugluftrolle vor der Wohnungstür kannst du dir aus einem alten Handtuch nähen, wenn du Lust hast.
Zweiter Punkt: die Heizkörper selbst. Wenn es beim Aufdrehen gluckert oder ein Heizkörper oben kalt und unten warm bleibt, ist Luft im System – entlüften hilft. Du brauchst einen Vierkantschlüssel, ein Gefäß und ein Tuch. Und schau, was vor den Heizkörpern steht: Ein Sofa direkt davor, ein langer Vorhang, der darüber hängt, oder ein Wäscheständer schlucken einen guten Teil der Wärme, bevor sie im Raum ankommt. Fünfzehn Zentimeter Abstand machen mehr aus, als man denkt.
Wärme dahin bringen, wo du wirklich bist
Ich habe aufgehört, die ganze Wohnung gleich warm halten zu wollen. Der Flur darf kühl sein, das Schlafzimmer auch. Wichtig ist nur, dass die Türen zu den kühleren Räumen geschlossen bleiben, sonst wandert die feuchte, warme Luft dorthin und schlägt sich an den kalten Wänden nieder – das ist der häufigste Weg zu Schimmel in Altbauwohnungen.
Dafür rüste ich die Räume auf, in denen wir abends sitzen: ein dichter Vorhang, der nachts zugezogen wird und tagsüber die Sonne hereinlässt, ein Teppich auf dem kalten Dielenboden, eine Decke pro Sitzplatz. Das klingt nach Deko, ist aber Bauphysik im Kleinformat. Bei den Kindern hat sich außerdem etabliert, was ich die Wollsocken-Regel nenne: Bevor jemand sagt, ihm sei kalt, kommen erst Socken und ein Pullover. Meistens ist das Thema damit erledigt.






