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Warum du im Traum genießt, wovor du im echten Leben Angst hast

Farkas Margaréta4 Min. Lesezeit
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Warum du im Traum genießt, wovor du im echten Leben Angst hast — Gesundheit
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Es gibt ein seltsames Phänomen, das viele kennen, über das aber kaum jemand spricht. Du träumst von etwas, das im echten Leben zutiefst beängstigend wäre. Du stürzt in die Tiefe, verlierst einen geliebten Menschen, blamierst dich vor allen oder stehst einer Sache gegenüber, vor der du im Wachzustand nur davonlaufen würdest. Und trotzdem bleibt beim Aufwachen keine Panik zurück, sondern etwas ganz anderes. Fast schon Genuss.

Warum? Die Antwort liegt in der Arbeitsweise des schlafenden Gehirns und ist spannender, als du vielleicht denkst.

Ein Gehirn, das Probeläufe abhält

Der finnische Neurowissenschaftler Antti Revonsuo entwickelte Ende der 1990er Jahre die Theorie der Bedrohungssimulation, heute eine der am besten belegten Richtungen der Traumforschung. Ihr Kern: Träumen ist aus evolutionärer Sicht keine zufällige Gehirnaktivität, sondern hat eine Funktion.

Im Traum lässt das Gehirn Simulationen bedrohlicher Situationen ablaufen, um uns auf deren Bewältigung vorzubereiten.

Wenn du also träumst, dass dich jemand verfolgt, dass etwas herabstürzt oder dass du die Kontrolle verlierst, dann erschreckt dich dein Gehirn nicht, es trainiert dich.

Unter sicheren Bedingungen, in denen die Bedrohung nicht real ist, lässt es dich den Umgang mit Emotionen, Reaktionen und Fluchtstrategien üben. Angst im Traum zu erleben ist deshalb nützlich. Wer für eine Situation bereits Erfahrung mitbringt, selbst wenn sie aus einem Traum stammt, geht im Wachzustand souveräner mit einer echten Bedrohung um.

Warum nicht beängstigend ist, was beängstigend wirkt

Der Schlafforscher Matthew Walker, Professor an der University of California in Berkeley und Autor von Why We Sleep, beschreibt detailliert, was im Gehirn während des REM-Schlafs passiert, jener Phase, in der der Großteil unserer Träume stattfindet. In der REM-Phase ist der Bereich des Gehirns, der für die emotionale Verarbeitung zuständig ist, extrem aktiv. Gefühle, auch Angst, sind mit voller Wucht präsent.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zur Angst im Wachzustand: Während des REM-Schlafs sinkt der Spiegel des Stresshormons Noradrenalin nahezu auf null. Genau dieser Stoff verursacht wach die körperlichen Symptome der Angst, das Herzrasen, den Schweiß, das enger werdende Sichtfeld.

Im Traum ist der emotionale Inhalt vorhanden, der chemische Stress aber fehlt. Das Ergebnis: Das Gehirn verarbeitet eine Angst, ohne dass der Körper in eine echte Stressreaktion gerät.

Walker beschreibt den REM-Schlaf als eine Art „emotionale Erste Hilfe“: Er beruhigt schmerzhafte, beängstigende Inhalte, während ihre Erinnerung erhalten bleibt.

Der Angsttraum, der sich trotzdem gut anfühlt

Lampros Perogamvros, Neurowissenschaftler an der Universität Genf, veröffentlichte mit seinem Team 2019 Ergebnisse, die erstmals direkt gemessen haben, wie sich Angst im Traum auf das wache Gehirn auswirkt. Wer beängstigende Träume hatte, reagierte am nächsten Tag mit weniger aktivierter Amygdala auf angsteinflößende Reize. Die Schrecken im Traum dämpfen also tatsächlich die Intensität echter Angst.

Das erklärt ein Gefühl, das viele kennen: Das Seltsame ist nicht, dass du vom Fallen, vom Verlorensein oder vom öffentlichen Versagen träumst. Seltsam wäre es, wenn du nicht davon träumen würdest. Genau diese Inhalte sucht das Gehirn nachts gezielt auf, nicht um dich zu quälen, sondern weil das die Situationen sind, auf die es sich am dringendsten vorbereiten muss.

Warum sich das für manche richtig gut anfühlt

Es gibt noch eine andere Dimension, die weniger neurologisch und mehr psychologisch ist. Der Angsttraum schenkt uns etwas, das die Realität selten bietet: Kontrolle über eine Situation, in der die Kontrolle eigentlich verloren geht. Im Traum bist du die Hauptfigur, du erlebst alles aus deiner eigenen Perspektive, und im schlimmsten Fall wachst du einfach auf.

Diese sichere Ausgeliefertheit ist ein einzigartiges Erlebnis, das der Wachzustand kaum reproduzieren kann.

Nicht umsonst lieben wir Horrorfilme, Achterbahnen und nervenaufreibende Romane. Sie alle aktivieren denselben Mechanismus. Angst ohne echte Gefahr zu erleben ist befriedigend, ja fast belebend. Und der Traum ist die natürlichste Form davon.

Sind Angstträume ein schlechtes Zeichen?

Nein. Laut den beschriebenen Forschungen sind sie eher ein Zeichen dafür, dass dein Gehirn arbeitet: Es simuliert bedrohliche Situationen, um dich auf deren Bewältigung vorzubereiten.

Warum fühlt sich Angst im Traum anders an als im Wachzustand?

Weil im REM-Schlaf der Spiegel des Stresshormons Noradrenalin nahezu auf null sinkt. Der emotionale Inhalt ist da, der körperliche Stress fehlt, deshalb erlebt das Gehirn die Angst ohne echte Stressreaktion.

Können Träume echte Angst tatsächlich verringern?

Die Studie von Lampros Perogamvros aus dem Jahr 2019 deutet darauf hin: Wer beängstigende Träume hatte, reagierte am nächsten Tag mit weniger aktivierter Amygdala auf angsteinflößende Reize.

Warum lieben wir Horrorfilme und Achterbahnen?

Weil sie denselben Mechanismus aktivieren wie Angstträume. Angst ohne echte Gefahr zu erleben ist befriedigend und fast belebend, und der Traum ist die natürlichste Form dieses Erlebnisses.

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