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Was Kochen wirklich mit unserem Gehirn macht – ein Gespräch mit einer Gastropsychologin

Nyul Debóra4 Min. Lesezeit
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Was Kochen wirklich mit unserem Gehirn macht – ein Gespräch mit einer Gastropsychologin — Lebensstil
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Kochen gilt vielen als lästige Pflicht – etwas, das erledigt werden muss, bevor der Abend wirklich beginnt. Dabei steckt in diesem alltäglichen Ritual weit mehr, als die meisten ahnen. Wie eng unser Darm mit unserem Geist verbunden ist, warum Kochen echte Therapie sein kann und wie es sogar unsere Geduld trainiert – darüber haben wir mit einer Fachfrau gesprochen, die sich genau damit beschäftigt: der Gastropsychologin Fruzsina Czecz.

Kann Kochen wirklich eine Form von Therapie sein?

Ja, durchaus. Wenn es uns gut geht, genießen wir beim Kochen vor allem den stressabbauenden Effekt – die sichtbare, handgreifliche Arbeit, die uns aus dem Kopf holt. Wenn wir aber tatsächlich Heilung brauchen, kann Kochen eine wertvolle Ergänzung zur Therapie sein. Es schenkt uns das Gefühl, etwas zu erschaffen und für andere zu sorgen.

Dazu kommt: Die sogenannte Darm-Hirn-Achse rückt in der Wissenschaft immer stärker in den Fokus. Unser Verdauungssystem und unsere mentale Gesundheit stehen in einem viel engeren Zusammenhang, als lange angenommen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Ernährung dabei helfen kann, Depressionen vorzubeugen oder bestehende Symptome zu lindern.

Wie motiviert man sich zum Kochen, wenn die Zeit sowieso schon knapp ist?

Wer Kochen als Druck oder Last empfindet, aber trotzdem an den Herd muss, sollte vor allem eines tun: so weit wie möglich vereinfachen. Unrealistische Erwartungen an sich selbst führen schnell zu Misserfolgen – und die nehmen einem die Lust auf alles Weitere. Gerade in schwierigeren Lebensphasen kann das auch das Selbstwertgefühl belasten.

Zum Glück gibt es heute unzählige Rezepte mit nur fünf Zutaten oder in unter 30 Minuten – genau das ist der richtige Einstieg. Wenig Aufwand und schnelle Ergebnisse sind starke Motivatoren. Und ein weiterer Gedanke hilft: Selbst gekochtes Essen ist das Beste, was wir unserem Körper geben können. Wir wissen genau, was drin ist – und wie es zubereitet wurde.

Wie beeinflusst Kochen unsere Kreativität?

Beim Kochen sind alle Sinne gleichzeitig aktiv. Farben, Aromen, Geräusche, Texturen – diese reizreiche Umgebung macht uns fast automatisch kreativer. Viele denken dabei zuerst an spektakuläre Rezepterfindungen oder aufwendig dekorierte Torten. Aber Kreativität zeigt sich auch im Kleinen: wenn man spontan entscheiden muss, was aus den Resten im Kühlschrank wird, oder wenn man ein Rezept improvisiert, weil eine Zutat fehlt.

Lösungen, auf die man sonst nie gekommen wäre, entstehen plötzlich ganz natürlich. Dieses Erlebnis lässt sich speichern und auf andere Lebensbereiche übertragen – auch auf die Arbeit.

Kann Kochen uns geduldiger machen?

Absolut. Manche nutzen Kochen sogar ganz bewusst als Gedulds-Training. Wer weiß, dass Warten schwerfällt, beginnt ein Gericht, das mehrere Stunden braucht. Bei einem Schmorbraten oder einem Sauerteigbrot lässt sich nichts beschleunigen – der Prozess bestimmt das Tempo, nicht wir.

Aber auch wer nicht mit diesem Gedanken an den Herd geht, entwickelt mit der Zeit ganz nebenbei mehr Geduld, Konzentration und Aufmerksamkeit.

Verändert Kochen unsere Beziehung zum Essen?

Beim Essen kommen wir dem Essen nahe – aber beim Kochen sind wir von Anfang an Teil des Prozesses. Von der Planung über den Einkauf bis zur Zubereitung. Wer Glück hat und direkt beim Erzeuger kauft, verbindet mit den Zutaten sogar Gesichter und Geschichten.

Was wir selbst herstellen, schätzen wir mehr. Das gilt für Essen genauso wie für alles andere. Ein selbst gekochtes Mittagessen ist wertvoller als ein bestelltes – weil wir spüren, wie viel Arbeit dahintersteckt. Das kann auch ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit wecken.

Wann lohnt es sich, andere ins Kochen einzubeziehen?

Immer dann, wenn es Freude bereitet – uns selbst oder anderen. Kinder in die Küche einzuladen ist ein schönes Beispiel: Es geht langsamer und unordentlicher, aber wenn sie neugierig mitmachen wollen, sollten wir diese Begeisterung unbedingt fördern. Gemeinsames Kochen ist für Kinder wertvolle Zeit und eine echte Lernmöglichkeit.

Auch unter Erwachsenen kann ein gemeinsames Kochabend mit Freunden oder der Familie ein unvergessliches Erlebnis sein. Jeder bringt etwas mit – und am Ende gehört der Erfolg allen. Manchmal aber ist es auch schön, ganz allein zu kochen. Nur die eigenen Gedanken, die eigenen Gefühle – und die Stille, in der man beides sortieren kann.

Welche langfristigen Vorteile hat regelmäßiges Kochen?

Wer für jemanden gekocht hat oder gemeinsam mit jemandem, trägt etwas Verbindendes in die Beziehung. Man lernt den anderen – oder sich selbst – von einer neuen Seite kennen. Kochen hilft, im Moment zu bleiben, und kann ein erster Schritt in Richtung Achtsamkeit sein.

Nicht zu vergessen: der ökologische Aspekt. Die Verarbeitung, Verpackung und der Transport von Fertiggerichten verbrauchen mehr Energie als ihre eigentliche Herstellung. Wer zuhause einen großen Topf Suppe kocht, produziert kaum Verpackungsmüll. Und wer Reste kreativ weiterverwertet, ist wieder genau dort, wo wir angefangen haben – bei Kreativität und einer echten Verbindung zum Essen.

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